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Es gibt Fußballabende, da fragt man sich, ob das Tor für die eine Mannschaft vielleicht einfach verriegelt ist. Der 22. April 2026 in Pruszkow war so einer. 38.508 Zuschauer sahen einen wahren Belagerungszustand im Stadion, doch am Ende jubelte nur der Gast: Dinamo Sosnowiec gewann zum Saisonauftakt der 1. Liga Polen mit 1:0 beim SK Pruszkow - und das auf eine Weise, die jedem Lehrbuch für Effizienz ein neues Kapitel hinzufügen dürfte. "Ich habe irgendwann nur noch gehofft, dass die Latte nicht beleidigt davonläuft", seufzte Pruszkows Trainer Stefan Petruck nach dem Abpfiff. 20 Torschüsse, 49 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Statistik sprach eine klare Sprache. Nur das entscheidende Wort, das "Tor!", wollte einfach nicht fallen. Dabei begann alles nach Plan für die Hausherren: Schon in der 6. Minute prüfte Domenik Szymkowiak Dinamo-Keeper Amadeus Janas mit einem wuchtigen Schuss. Kurz darauf wirbelten Tomasz Mieciel und Zbigniew Spizak über die Flügel, flankten, kombinierten, tanzten - aber der Ball wollte nicht über die Linie. Und dann kam die 20. Minute, und mit ihr der einzige Moment, in dem Sosnowiec zeigte, dass sie nicht nur mitgereist waren, um zu verteidigen. Marcus Bock, 19 Jahre jung und offenbar unbeeindruckt von der druckvollen Atmosphäre, zog aus halblinker Position ab - und plötzlich war es ganz still im Stadion. Der Ball zappelte im Netz. 0:1. Die Fans rieben sich die Augen, Pruszkows Torwart Humberto Miguel stand mit ausgebreiteten Armen im Strafraum, als wolle er sagen: "Das war jetzt nicht euer Ernst?" "Wir wussten, dass sie stark anlaufen würden", erklärte Dinamos Trainer Sebastian Milla später mit einem kaum merklichen Grinsen. "Also dachten wir: Warum nicht einfach das erste Mal treffen und dann 70 Minuten verteidigen?" Eine riskante Taktik, aber sie ging auf. Denn was danach folgte, war ein Lehrstück in Sachen verpasster Chancen. Zwischen der 24. und 58. Minute schoss Pruszkow siebenmal aufs Tor - allein Szymkowiak hätte einen Hattrick verdient gehabt, wenn das Glück nicht offenbar in Sosnowiec geblieben wäre. In der 60. Minute brachte Petruck den jungen Nenad Zdravkovic, später noch Marcello Amendolara und Joaquin Maniche - frische Beine, neuer Mut, aber dasselbe Ergebnis: kein Treffer. Zur 69. Minute bekam Yves Schäfer Gelb, weil er nach einem verlorenen Zweikampf den Ball wütend wegdrosch - eine Szene, die sinnbildlich für den Frust der Gastgeber stand. "Ich wollte nur klären", sagte Schäfer anschließend grinsend, "aber vielleicht ein bisschen zu leidenschaftlich." Auch Noe Costa sah später Gelb, als er in der 81. Minute den enteilten Roberto Travassos taktisch stoppte. Zu diesem Zeitpunkt war Dinamo längst im Überlebensmodus: Fünf Mann verteidigten den Strafraum, während Trainer Milla an der Seitenlinie mit den Armen fuchtelte wie ein Dirigent, der sein Orchester übertönen will. Als in der 88. Minute Yves Schäfer aus 18 Metern abzog, hielten die Zuschauer den Atem an - der Ball rauschte knapp am Pfosten vorbei. Petruck ließ sich auf die Bank fallen, Janas küsste seinen Pfosten, und die Fans von Dinamo sangen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Nach dem Abpfiff war das Bild klar: Pruszkow hatte alles versucht, Dinamo hatte einmal getroffen - und das reichte. "Fußball ist manchmal grausam", meinte Petruck trocken. "Aber gut, vielleicht müssen wir künftig mit zwei Bällen spielen, damit wenigstens einer reingeht." Sosnowiec startete damit perfekt in die Saison, während man in Pruszkow wohl noch eine Weile rätseln wird, wie man ein Spiel mit 20:3 Torschüssen verlieren kann. Marcus Bock wurde gefeiert, als hätte er das Spiel seines Lebens gemacht - und vielleicht war es das auch. Im Presseraum fasste Dinamos Torhüter Janas das Spiel mit jugendlicher Unschuld zusammen: "Ich hatte heute eigentlich gar nichts zu tun. Nur ein paar Mal den Ball gefangen - und einmal gejubelt." Und so bleibt als Fazit eines dieser typischen Fußballmärchen: Die einen schießen, die anderen treffen. Und irgendwo in Sosnowiec wird Marcus Bock heute Abend sicher noch einmal lächeln, wenn er an diesen einzigen, aber goldenen Schuss denkt. 02.04.643997 01:52 |
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