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Manchmal sagt ein Ergebnis mehr als tausend Phrasen. 0:4 stand am Ende auf der Anzeigetafel des Stadions von Gormick Zabrze, und die rund 33.457 Zuschauer wussten spätestens da: Hier hat eine Mannschaft Fußball gespielt - und die andere bloß zugeschaut. SK Pruszkow, der Außenseiter aus dem Westen, demütigte den Traditionsklub aus Zabrze auf dessen eigenem Rasen mit einer Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und taktischer Präzision, die selbst gestandene Strategen ins Grübeln brachte. Gerade einmal sechs Minuten waren gespielt, da zündete Stanislaw Ogaza den ersten Feuerwerkskörper des Abends. Nach Vorarbeit von Tomasz Mieciel tauchte der 20-Jährige links im Strafraum auf, legte sich den Ball zurecht und drosch ihn - wie man so schön sagt - "unhaltbar" in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Ogaza später schelmisch, "aber der Ball hatte andere Pläne." Zabrze, das in der Anfangsphase eigentlich mehr Ballbesitz hatte (55 Prozent), fand nie wirklich den Rhythmus. Trainer Stefan Petruck von SK Pruszkow hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, aber mit einer bemerkenswerten Disziplin im Rückwärtsgang. "Wir spielen offensiv, aber nicht naiv", erklärte er hinterher, während er sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte. "Und manchmal hilft es, wenn die Jungs einfach Spaß haben." Spaß hatten sie reichlich - vor allem im zweiten Durchgang. Denn während Gormick Zabrze in der Kabine offenbar überlegte, ob man den Pausentee nicht etwas zu stark aufgebrüht hatte, kam Pruszkow mit noch mehr Elan zurück. In der 59. Minute bediente Mieciel den quirligen Mittelfeldmann Joaquin Maniche, der aus zentraler Position humorlos zum 0:2 einhämmerte. "Ich dachte, der Torwart bewegt sich - tat er aber nicht", sagte Maniche mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Überheblichkeit pendelte. Gormick Zabrze hatte durchaus Gelegenheiten. Acht Torschüsse sind keine Schande, aber an diesem Abend war Humberto Miguel im Tor der Gäste schlicht unüberwindbar. Einmal flog er so spektakulär nach einem Schuss von James Nolan (66.), dass selbst die Fans der Heimelf applaudierten - aus Respekt oder Verzweiflung, das blieb offen. Dann kam die Phase, in der Pruszkow endgültig das Licht ausmachte. In der 72. Minute war es wieder Ogaza, diesmal nach klugem Zuspiel von Maniche, der das 0:3 erzielte. Der Jubel war ausgelassen, die Gesichter der Zabrze-Spieler hingegen erinnerten an ein schlecht gelauntes Standbild. "Da war bei uns die Luft raus", gestand Gormick-Kapitän Florea Coras später kleinlaut. Und als wäre das nicht genug, setzte der eingewechselte Nenad Zdravkovic in der 78. Minute den Schlusspunkt. Nach herrlicher Vorarbeit des linken Verteidigers Noe Costa vollendete der 19-Jährige zum 0:4 - eiskalt, trocken, unbarmherzig. "Ich wollte zeigen, dass auch die Jungen was können", flachste Zdravkovic - und tatsächlich: Mit einem Altersdurchschnitt von kaum über 20 Jahren spielte Pruszkow so erwachsen, dass mancher Beobachter sich fragte, ob sie heimlich die Pässe ihrer älteren Brüder benutzt hatten. Trainer Petruck lobte seine Talente überschwänglich: "Wenn man sieht, wie Robert Lewandowski mit 17 schon arbeitet, dann weiß man, dass wir auf dem richtigen Weg sind." (Nein, nicht *der* Lewandowski, sondern ein 17-jähriger Namensvetter - aber vielleicht lohnt es sich, den Namen zu merken.) Bei Zabrze hingegen herrschte betretenes Schweigen. Die Torschussstatistik - 8:16 - sprach eine klare Sprache, und auch wenn man mehr vom Ball hatte, fehlte die Idee. "Wir hatten 55 Prozent Ballbesitz, aber das nützt wenig, wenn man damit hauptsächlich Rückpässe spielt", sagte ein frustrierter Arthur Burkhardt, der sich immerhin als einer der wenigen mit Offensivdrang zeigte. Am Ende verließen die Fans das Stadion in zwei sehr unterschiedlichen Gemütslagen: Die einen summten fröhlich Vereinslieder, die anderen murmelten Unverständliches in ihre Schals. Und irgendwo auf der Tribüne soll jemand gesagt haben: "Das war kein Spiel - das war eine Lehrstunde." Vielleicht trifft es das am besten. SK Pruszkow zeigte an diesem 21. Spieltag der 1. Liga Polen, dass Mut, Tempo und Präzision manchmal mehr wert sind als Routine. Gormick Zabrze dagegen wird sich fragen müssen, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig anfangen kann. Oder wie es Petruck zum Abschied lachend formulierte: "Wir wollten nur Spaß haben - der Rest ist halt passiert." (Ende, 612 Wörter) 27.09.643996 17:25 |
Sprücheklopfer
Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft