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SK Strakonice schlägt Slavia Liberec - Galaktion tanzt, Liberec stolpert

Ein milder Maiabend, 28.507 Zuschauer im Stadion von Strakonice, und die Heimmannschaft liefert ein Fußballmärchen mit drei Akten - alle mit einem Hauch von griechischer Dramatik. Am 14. Spieltag der 1. Liga Tschechien besiegt SK Strakonice die Gäste von Slavia Liberec mit 3:1 (0:0). Der Held des Abends: Galaktion Apostolakis, der mit zwei Toren und einer Spielfreude glänzte, die jedem Theaterregisseur feuchte Augen beschert hätte.

Die erste Halbzeit war ein Geduldsspiel. Strakonice suchte den Weg nach vorn, fand aber meist nur den gegnerischen Keeper Noe Capucho. Liberec hielt mit, hatte sogar minimal mehr Ballbesitz (50,3 Prozent), aber wenig Zielstrebigkeit. "Es war, als hätten beide Teams Angst, das Spiel wirklich zu eröffnen", kommentierte ein Zuschauer in der Pause trocken, während er sich ein zweites Bier gönnte.

Doch dann kam die 46. Minute - und mit ihr die Explosion. Kaum war der Pausentee verdaut, schickte der junge Mittelfeldspieler Javi Frechaut einen präzisen Pass auf Apostolakis. Der Grieche nahm den Ball elegant mit der Brust, drehte sich und jagte ihn unhaltbar ins lange Eck. 1:0. Markus Falb, der Trainer der Hausherren, sprang an der Seitenlinie auf, als hätte ihn jemand unter Strom gesetzt. "Ich hab ihm gesagt: Galaktion, heute bist du der Dirigent - und er hat’s wörtlich genommen!", grinste Falb nach dem Spiel.

Keine 60 Sekunden später folgte der nächste Streich. Petr Chlup flankte von rechts, Zoran Krasic rauschte heran und traf zum 2:0 (47.). Liberec wusste nicht, wie ihm geschah. Der sonst so souveräne Abwehrchef Marek Trytko brüllte seine Mitspieler zusammen, aber der Schaden war angerichtet. "Zwei Tore in einer Minute? Das ist wie ein schlechter Witz", sagte Liberecs Coach später, halb resigniert, halb bewundernd.

Die Gäste versuchten, Ordnung ins Spiel zu bringen, aber Strakonice hatte jetzt Blut geleckt. Die Pressinglinie rückte nach vorn, das Publikum sang sich in Ekstase, und Apostolakis zeigte erneut, warum man ihn in Strakonice längst "den Tänzer" nennt. In der 60. Minute vollendete er nach Vorlage von Petr Chlup zum 3:0. "Ich habe einfach gespürt, dass der Ball mich finden wird", sagte der Doppeltorschütze später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Selbstironie pendelte.

Liberec kämpfte, und immerhin gelang ihnen in der 64. Minute der Ehrentreffer. Erich Licka traf nach feinem Zuspiel von Guy Leblanc zum 3:1. Danach wurde die Partie ruppiger: vier Gelbe Karten für die Gäste (Kudela, Leblanc, Monroe, Nemec) und eine für den 17-jährigen Ivo Vacek von Strakonice, der zuvor mit einem beherzten Tackling mehr Rasen als Gegner erwischte. "Ich wollte nur den Ball - aber der Ball wollte wohl nicht mich", scherzte Vacek später in der Mixed Zone.

Eine Schrecksekunde gab es noch kurz vor der Pause, als Jozef Rabusic verletzt vom Platz musste. Für ihn kam Lubos Kulic, der sich sofort ins Spiel einfügte, als wäre er nie draußen gewesen. "Das ist Teamgeist, wie ich ihn sehen will", lobte Falb.

Statistisch war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: 13 Torschüsse für Strakonice, 9 für Liberec, Ballbesitz fast pari. Aber Strakonice nutzte seine Chancen mit chirurgischer Präzision, während Liberec zu oft am eigenen Mut scheiterte.

Nach Abpfiff applaudierte das Publikum minutenlang. Apostolakis, sichtlich gerührt, winkte in die Kurve, während Trainer Falb schon an den nächsten Gegner dachte. "Wir haben gezeigt, dass Leidenschaft und Mut mehr zählen als Prozentzahlen. Und manchmal auch mehr als Taktik", sagte er mit einem Augenzwinkern.

Liberec-Coach hingegen fasste das Spiel philosophisch zusammen: "Wir waren nicht schlecht - nur die anderen besser. Und das ist manchmal die grausamste Wahrheit im Fußball."

Am Ende blieb ein Abend voller Tempo, Emotionen und einer klaren Botschaft: SK Strakonice ist längst mehr als ein Aufsteiger - es ist ein Team, das sich in die Herzen der Fans spielt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn der Apostolakis so weitermacht, muss ich mir bald ein Trikot kaufen. Und das will was heißen."

17.11.643999 18:30
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