// Startseite
| Ultimas Noticias |
| +++ Sportzeitung für Uruguay +++ |
|
|
|
Es war ein Montagabend, wie ihn die 35.519 Zuschauer im Estádio de Cerrense so schnell nicht vergessen werden: Flutlicht, Spannung, ein Torjäger in Galaform - und ein Trainer, der am Ende mehr lachte, als ihm lieb war. CD Cerrense gewinnt am 19. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 2:1 gegen CA Alto Peru und festigt damit seine Ambitionen auf die obere Tabellenhälfte. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Gerade mal sieben Minuten waren gespielt, da hatte Ryan Skene, der 32-jährige Linksstürmer aus Schottland, schon seinen ersten großen Auftritt. Nach einem feinen Zuspiel von Hugo Pacos - "Ich hab’ den Ball einfach reingeflankt, ehrlich, ich wollte gar nicht so genau", grinste der junge Flügelspieler später - zimmerte Skene den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Ein Tor, das man so nicht jeden Tag sieht, und eines, das den Cerrense-Anhang jubeln ließ, als hätte man gerade die Meisterschaft gewonnen. Doch Alto Peru antwortete prompt. Nur fünf Minuten später schlug Emil Barbulescu zurück - 21 Jahre jung, flink wie ein Kolibri. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld kombinierte sich das Team von Trainer Daniel Düsentrieb (ja, der heißt wirklich so) blitzschnell nach vorne. Barbulescu zog von rechts in die Mitte, narrte Abwehrchef Arnau Sa Pint und schob cool zum 1:1 ein. "Da haben wir kurz geschlafen", knurrte Cerrense-Coach Leahcim Gnipeur. "Aber wenigstens war’s ein schöner Albtraum." Danach entwickelte sich ein Spiel, das irgendwo zwischen Schachpartie und Straßenkampf pendelte. Cerrense hatte mit 54,9 Prozent Ballbesitz und zwölf Schüssen auf das Tor leichte Vorteile, während Alto Peru auf sieben Abschlüsse kam - allerdings mit deutlich mehr Effizienz und Tempo. Besonders auffällig: Tiago Bischoff, der nach der Pause gleich dreimal in Folge den Kasten von Joseba Mendes prüfte (62., 65.). Mendes aber hielt, als wäre er aus Gummi. "Ich hab den Ball kommen sehen und gedacht: nicht heute, mein Freund", sagte der Keeper, der sichtlich Spaß an seiner Rolle als Stimmungskiller hatte. Kurz vor der Pause gab’s einen Schreckmoment: Cerrenses Flügelspieler Sean MacPhee musste nach einem Zweikampf verletzt raus. Der junge Adrian Tonel kam, wirkte nervös, aber bissig. "Ich war noch gar nicht warm, da schrie der Trainer schon ’rein da!’", erzählte Tonel später lachend. "Ich wusste nicht mal, ob ich meine Schuhe richtig zugebunden hatte." Die zweite Halbzeit begann mit viel Mittelfeldgeplänkel, gelben Karten (Arnau Sa Pint sah in der 53. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen) und einer Taktik, die auf beiden Seiten zunehmend verzweifelter wirkte. Alto Peru blieb offensiv, Cerrense wurde aggressiver - und am Ende war es wieder der Mann des Abends, der den Unterschied machte. In der 71. Minute war es erneut Ryan Skene, der nach einer butterweichen Vorlage von - natürlich - Hugo Pacos das 2:1 erzielte. Ein klassischer Stürmertreffer: schneller Lauf, kluger Abschluss, keine Gnade. "Ich hab’ nur das gemacht, wofür ich bezahlt werde", meinte Skene trocken. "Zwei Tore sind nett, drei wären besser gewesen." Alto Peru warf in den letzten Minuten alles nach vorne, brachte den 18-jährigen Domingo Sancho für den müde gelaufenen Xabier Botin, und stellte auf volles Pressing um. Doch Cerrense verteidigte mit Leidenschaft - und gelegentlich mit den Nerven. Alejandro Nani sah kurz vor Schluss (92.) noch Gelb, weil er einen gegnerischen Konter rustikal beendete. "Das war ein taktisches Foul, kein Verbrechen", verteidigte ihn Trainer Gnipeur später mit einem Augenzwinkern. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel eine ganze Stadt in kollektive Erleichterung. 2:1, verdient nach Chancen und Spielanteilen, aber hart erkämpft. Leahcim Gnipeur umarmte jeden, der ihm in den Weg kam, während Daniel Düsentrieb mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand und leise murmelte: "Manchmal gewinnt eben der, der öfter auf’s Tor schießt." Ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotion, Dramatik - und einen Ryan Skene in Bestform. Der Held des Abends verschwand zuletzt grinsend im Kabinentrakt, einen Ball unter dem Arm. "Den nehme ich mit nach Hause", sagte er. "Meine Katze liebt neue Spielzeuge." Fazit: Cerrense zeigte, was Teamgeist und Hartnäckigkeit bewirken können, Alto Peru, dass jugendlicher Elan allein nicht reicht. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan: "So spielt man Fußball, wenn man’s wirklich will." Man kann ihm kaum widersprechen. 16.01.644000 10:48 |
Sprücheklopfer
Was meine Frisur betrifft, da bin ich Realist.
Rudi Völler