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28397 Zuschauer im Estadio Cerrense sahen am Freitagabend ein Spiel, das man wohl unter "spät zündet’s doch noch" verbuchen darf. CD Cerrense besiegte den Gast Parque del Plata mit 1:0 - und das nach einem langen Abend voller Halbchancen, viel Einsatz und einem Hauch Verzweiflung, bis Ryan Skene in der 86. Minute endlich den Bann brach. Trainer Leahcim Gnipeur hatte seine Cerrense-Elf von Beginn an offensiv eingestellt - OFFENSIVE stand auf seinem Taktikblatt, und so spielten seine Männer auch. Schon in der 7. Minute prüfte Nael Marques den gegnerischen Keeper Carlos Mendo mit einem satten Schuss, der jedoch in den Armen des Torwarts landete. "Da dachte ich schon: Wenn wir so weitermachen, wird das ein langer Abend", grinste Gnipeur später. Und er sollte recht behalten. Cerrense dominierte zwar das Spiel, etwas mehr als 52 Prozent Ballbesitz, dazu 15 Torschüsse - aber die Zuschauer bekamen lange nur das bekannte Bild: Cerrense rennt an, Parque del Plata verteidigt. Der Gast war taktisch ausgewogen, aber mutlos - ein Pressing? Fehlanzeige. Trainer Manuel Nene (der seine Spieler von der Seitenlinie mehrfach zu mehr Mut aufforderte) wirkte zunehmend genervt. "Wir wollten kompakt stehen und dann Nadelstiche setzen", sagte er. "Leider war’s mehr Kompakt als Stich." Die erste Halbzeit endete folgerichtig torlos. Ryan Skene hatte zwei gute Gelegenheiten, einmal in der 24., dann in der 26. Minute, beide Male fehlten Zentimeter. Auf der anderen Seite? Drei magere Torschüsse in 90 Minuten, einer davon in Minute 44, als Jose Maria Aguas aus spitzem Winkel abzog und Cerrenses Torhüter Joseba Mendes erstmals richtig zupacken musste. Mendes grinste nach dem Spiel: "Ich hatte Zeit, mir während des Spiels den Rasen anzuschauen. Ganz gute Pflegearbeit diese Woche." Nach der Pause erhöhte Cerrense den Druck. Die Taktik wechselte auf "STRONG" in Einsatz und Aggressivität - und das war deutlich zu spüren. Die Pässe wurden schärfer, die Laufwege direkter, und plötzlich war auch das Publikum wieder da. Zwischen den Rängen kursierte bald der Satz: "Wenn sie’s heute nicht machen, dann nie." Es dauerte trotzdem bis zur 86. Minute, ehe sich die Geduld auszahlte. Sean MacPhee, der rechte Mittelfeldmann, setzte sich auf seiner Seite durch, flankte präzise in den Strafraum - und Ryan Skene, der Mann mit dem unstillbaren Drang zum Abschluss, traf endlich. Ein flacher Schuss ins lange Eck, Mendo war noch dran, aber nicht genug. 1:0. Das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Skene später. "Sean hat mir den Ball perfekt hingelegt. Nach all den Chancen musste der einfach rein." Trainer Gnipeur umarmte seinen Torjäger demonstrativ an der Seitenlinie und rief ihm zu: "Endlich! Ich hab schon den Kaffee kalt werden lassen!" Parque del Plata versuchte in den letzten Minuten noch einmal, Druck aufzubauen - allerdings blieb es beim Versuch. Kein Pressing, kein Risiko, kein Torschuss mehr. "Vielleicht haben wir das Memo verpasst, dass das Spiel noch lief", meinte ihr Verteidiger Daniel Philipp mit einem schiefen Lächeln. Statistisch war der Sieg verdient: 15:3 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Heimmannschaft, die über weite Strecken den Ton angab. Cerrense spielte zielstrebig, wenn auch nicht immer zwingend, und hatte am Ende das Glück des Tüchtigen. Trainer Gnipeur fasste das Ganze treffend zusammen: "Wir haben gearbeitet, gelitten und am Ende ein Tor gemacht. Perfekt ist das nicht, aber drei Punkte sind drei Punkte." Für Parque del Plata bleibt die Erkenntnis: Mit Ausgeglichenheit allein gewinnt man keine Spiele. Vielleicht sollte man beim nächsten Mal auch etwas Pressing in den Koffer packen. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem CD Cerrense zeigte, dass Geduld manchmal tatsächlich belohnt wird - auch wenn 28.000 Zuschauer vorher kurz davor standen, den Schiedsrichter zu fragen, ob er nicht einfach das Elfmeterschießen ausrufen könne. Ein Tor, ein Sieg, ein erleichtertes Stadion - Fußball kann so einfach sein. 14.04.643997 13:10 |
Sprücheklopfer
Dies kann ein Nachteil oder ein Vorteil sein, sowohl für uns als auch für die gegnerische Mannschaft.
Erich Ribbeck über die aufgeladene Atmosphäre vor einem Länderspiel in der Türkei