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Ein Montagabend an der Südküste, 48.451 Zuschauer im St. Mary’s Stadium - und der FC Southampton machte das, was er am liebsten macht: erst das Publikum nervös machen, dann jubeln lassen. Am Ende hieß es 3:1 gegen Außenseiter Hucknall Town, aber der Weg dorthin war steiniger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Schon in der 8. Minute gab es das erste Raunen. Hucknall spielte befreit auf, und Lionel Couto, ein Mann, der aussieht, als würde er lieber Tango tanzen als Pressing laufen, netzte nach Vorlage von Owen Nolan eiskalt ein. Southampton-Trainer Michael Böning raufte sich die Haare, während sein Gegenüber Maddes Kaiser an der Seitenlinie grinste, als hätte er gerade einen Lottoschein mit fünf Richtigen gefunden. "Wir wollten mutig starten - naja, mutig waren wir vielleicht ein bisschen zu sehr", murmelte Böning später. Seine Mannschaft brauchte fast 20 Minuten, um den Schock zu verdauen. Dann kam Gerritt Van Cortlandt über rechts mit einem dieser Läufe, die aussehen, als würde er von einer Autobatterie angetrieben. Seine Flanke fand Manuel Tiago, der per wuchtigem Kopfball den Ausgleich markierte (27.). 1:1, und das Stadion atmete auf. "Ich habe einfach die Augen zugemacht", grinste Tiago später in der Mixed Zone. "Manchmal funktioniert’s auch so." Hucknall blieb trotz des Rückschlags gefährlich. Sie hatten mehr Ballbesitz (57 Prozent) und kombinierten gefällig, als wären sie das Heimteam. Doch Southampton hatte das, was englische Fußballromantiker "Killerinstinkt" nennen - und einen Jan Ovesen in Galaform. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, traf der 22-Jährige nach einem herrlichen Steckpass von Owen Hartshorn zum 2:1 (48.). Vier Minuten später dann der Doppelschlag: Wieder war Van Cortlandt der Vorbereiter, diesmal verwandelte Gabriel Beecroft aus spitzem Winkel (52.). 3:1 - und plötzlich war das Spiel entschieden. "Wir haben zu viel Platz gelassen", seufzte Hucknall-Coach Kaiser, der seinen Hut tief ins Gesicht zog. "Southampton hat uns dann den Zahn gezogen, sehr professionell." Die Saints schalteten danach einen Gang zurück - vielleicht zu früh. Hucknall kam noch zu einigen Chancen, darunter gefährliche Abschlüsse von Daniel Winfield (55., 85.) und Couto (93.), doch Torwart Gabriel Clancy war stets zur Stelle. Southampton hatte insgesamt 15 Torschüsse, Hucknall immerhin sechs - ein Beweis dafür, dass der Außenseiter keineswegs chancenlos war. In der 87. Minute wurde es dann noch einmal hitzig: Der junge Dusko Pantelic sah Rot nach einem rustikalen Einsteigen gegen Nolan. "Er hat gesagt, er wollte nur den Ball spielen", erklärte Trainer Böning trocken. "Ich hab ihn gefragt: ’Welchen Ball? Den vom Rugbyfeld nebenan?’" Mit einem Mann weniger brachte Southampton das Spiel über die Zeit - auch, weil Hucknall trotz aller Bemühungen zu verspielt blieb. In den letzten Minuten durften sogar noch der 17-jährige Alfie Nicksay und der 25-jährige Meir Pizanti ran. Letzterer grinste nach dem Abpfiff: "Ich bin reingekommen, um den Sieg zu sichern - und hab’s geschafft, nichts kaputtzumachen." Taktisch war das Spiel ein Lehrbuchbeispiel für Effizienz. Hucknall stand zunächst kompakt, lauerte auf Konter, während Southampton von Beginn an offensiv presste. Im Verlauf der zweiten Hälfte verschob sich das Bild: Die Saints verlegten sich auf kurze Pässe und kontrollierten das Tempo. Böning bewies damit, dass er auch das ruhige Spiel kann - zumindest, solange seine Spieler keine roten Karten sammeln. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Fans zufrieden. Drei Punkte, drei Tore, und das Gefühl, dass die Mannschaft langsam wieder Fahrt aufnimmt. Böning sagte noch: "Wir haben Charakter gezeigt. Und manchmal reicht das schon." Kaiser dagegen stapfte mit einem Lächeln vom Platz. "Wir haben gegen eine Premier-League-Mannschaft gespielt, und zwischendurch sah’s so aus, als würden wir sie ärgern. Das ist doch was." Ein fairer Satz zum Abschluss eines Abends, der alles hatte: frühe Schocks, schöne Tore, eine rote Karte - und die Gewissheit, dass Fußball eben doch selten nach Plan läuft. Southampton siegt 3:1, Hucknall kämpft tapfer, und die Zuschauer gehen mit einem zufriedenen Grinsen nach Hause. Oder, wie ein Fan beim Rausgehen seufzte: "Wenn’s immer so spannend ist, nehm ich das gern. Aber mein Herz braucht jetzt erstmal ’nen Tee." 22.04.643994 11:58 |
Sprücheklopfer
Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft