Football Today
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Southampton dreht das Spiel - und die Stimmung

Ein Montagabend an der englischen Südküste, Flutlicht, 49.300 Zuschauer im St. Mary’s Stadium - und ein FC Southampton, der sich im wahrsten Sinne des Wortes aus der eigenen Lethargie herausgekämpft hat. Mit 3:2 (0:1) gewann das Team von Trainer Michael Böning gegen den frech aufspielenden Außenseiter Hucknall Town - ein Ergebnis, das nach 45 Minuten kaum jemand für möglich gehalten hätte.

"Wir haben uns in der Kabine kurz angeschaut und gesagt: So geht das nicht weiter", grinste Innenverteidiger Jacques Hauser, der in der 50. Minute den Ausgleich erzielte. "Ich bin ja eigentlich nicht fürs Tore schießen da - aber wenn’s keiner macht, dann halt ich."

Dabei hatte Hucknall Town das Spiel zunächst perfekt im Griff. Die Gäste, von Trainer Maddes Kaiser diszipliniert und mit erstaunlich viel Ballbesitz (53,6 Prozent), wirkten in der ersten Hälfte wie der erfahrene Erstligist, nicht wie der aufmüpfige Underdog. In der 21. Minute zirkelte der 33-jährige Bradley Primes den Ball nach feiner Vorarbeit von Marc Bonnaire in den Winkel. Southampton-Keeper Brandon Lithgow sah den Ball wohl erst, als er schon hinter ihm einschlug.

"Das war ein Sonntagsschuss am Montag", flachste Böning später, "leider in unser Tor." Seine Mannschaft wirkte bis zur Pause ratlos, ließ Chancen liegen (17 Torschüsse insgesamt, aber kaum etwas wirklich Zwingendes) und bekam das Mittelfeld nie richtig in den Griff. Hucknall hingegen spielte clever, lauerte auf Konter und ließ Southampton ins Leere laufen.

Doch dann kam die berühmte Halbzeitpause - und offenbar auch ein Donnerwetter. Böning wechselte in der 46. Minute den jungen Kai Peter aus, brachte den erfahrenen Carles Ordono, stellte auf noch offensiver um und schaltete das Pressing auf "volle Pulle". Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten: Hauser glich per Kopf nach Ecke von Kai Peter aus - ein symbolischer Treffer, denn der Vorlagengeber hatte nur Sekunden zuvor noch auf der Bank gesessen.

Gerade als Hucknall sich sortieren wollte, schlug Southampton erneut zu. Vier Minuten nach dem Ausgleich war Adam Hennessy zur Stelle - nach klugem Zuspiel von Billy Benett schob der Mittelstürmer zum 2:1 ein. Die Tribünen bebten, Böning ballte die Faust, und selbst der sonst stoische Linienrichter lächelte kurz.

Dann folgte die vielleicht schönste Szene des Abends: In der 68. Minute fasste sich der junge Liam Allington ein Herz und zog aus 22 Metern ab - der Ball zappelte im Netz, 3:1. "Ich wollte eigentlich einen Pass spielen", gab er später lachend zu, "aber dann dachte ich: Ach, probier’s mal."

Hucknall, sichtlich beeindruckt, brauchte lange, um sich von diesem Doppelschlag zu erholen. Erst in der 79. Minute gelang Marc Bonnaire nach Vorlage von Thierry Bergeron der Anschlusstreffer - ein technisch feiner Schuss, der den Gästen noch einmal Hoffnung gab. Doch Southampton hielt dagegen, auch wenn Linksverteidiger Matthew Finnan kurz vor Schluss noch Gelb sah, nachdem er Gegenspieler Lionel Couto mit einem rustikalen Tackling stoppte.

Statistisch gesehen war das Spiel fast ein Spiegelbild der Saison: Southampton mit mehr Zug zum Tor (17 Schüsse, 55 Prozent Zweikampfquote), Hucknall mit mehr Ballbesitz, aber weniger Durchschlagskraft (nur sieben Torschüsse). Trainer Kaiser fasste es trocken zusammen: "Wir haben den Ball schön laufen lassen - leider auch ins Aus."

Böning hingegen zeigte sich versöhnlich: "Wir haben Charakter gezeigt. In der ersten Halbzeit sahen wir aus wie eine Theatergruppe auf Wanderschaft, in der zweiten wie eine Fußballmannschaft."

Am Ende feierten die Fans ihre Helden, als hätte Southampton gerade die Meisterschaft gewonnen. Vielleicht war es nur ein Spiel am 13. Spieltag der Premier League - aber eines, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Taktik.

Und während Böning in der Pressekonferenz noch überlegte, ob er Hauser künftig als Mittelstürmer testen sollte, stand Kaiser mit verschränkten Armen daneben und murmelte: "Wenn wir so spielen, brauchen wir bald keine Gegner mehr - wir schlagen uns selbst."

Ein Abend also, der alles hatte: Dramatik, Witz, Tore - und das beruhigende Gefühl, dass Fußball, ganz gleich in welcher Liga, immer noch die schönsten Geschichten schreibt.

27.10.643999 10:02
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Eines steht fest: Bis Weihnachten ist die Meisterschaft noch nicht entschieden.
Mario Basler
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