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Wer an diesem lauen Aprilabend ins St. Mary’s Stadium gekommen war, bekam für sein Eintrittsgeld alles, was Fußball so herrlich unberechenbar macht: frühe Tore, späte Wendungen, gelbe Karten, fliegende Trinkflaschen und Trainer, die zwischen Verzweiflung und Ekstase schwankten. Am Ende jubelte der FC Southampton - 2:1 gegen die Liverpool Reds, ein Ergebnis, das auf dem Papier knapp aussieht, auf dem Rasen aber von unbändigem Willen der Hausherren lebte. Schon die ersten Minuten gaben den Ton an. Gerade einmal elf Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball im Netz der Reds. Gabriel Nilsson, der 21-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, hatte sich nach Vorlage von Nicolaas Derrick durch die Abwehr geschlängelt wie ein Aal in der Themse. "Ich hab einfach nicht nachgedacht - das hilft bei mir meistens", grinste Nilsson später in die Mikrofone. Sein Trainer Michael Böning, der an der Seitenlinie förmlich mitspielte, rief ihm zu: "Wenn du so weitermachst, darfst du nächste Woche sogar mal pünktlich zum Training kommen!" Liverpool war sichtbar überrascht. Kurt Kaisers Team hatte sich viel vorgenommen, spielte aber zu brav, zu kontrolliert - fast höflich. Zwar kamen die Reds nach und nach besser ins Spiel, doch ihre Angriffe versandeten meist an der robusten Southampton-Abwehr um Carles Ordono, der sich in Minute 58 eine gelbe Karte als Souvenir verdiente. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", meinte der Innenverteidiger mit einem Augenzwinkern. Mit 14 zu 8 Torschüssen hatten die Saints deutlich mehr Biss, auch wenn der Ballbesitz mit 51 zu 49 Prozent fast ausgeglichen blieb. Liverpool versuchte es zunehmend über die Flügel, während Southampton auf Konter lauerte - und das mit Erfolg. In der 65. Minute traf dann aber doch der Gast: Matthias Van Hoost, nach schöner Vorarbeit von Innenverteidiger Aaron Simpson, zimmerte den Ball unter die Latte. 1:1, und plötzlich roch alles nach einer späten Wende. Doch kaum hatten die Reds den Gleichstand hergestellt, fiel auf der Gegenseite das 2:1. Nur eine Minute später, in der 66. Minute, stieg Kai Peter - eigentlich gerade erst eingewechselt für den verwarnten Ordono - nach einer Ecke am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. Vorlagegeber war der junge Liam Allington, der sich nach dem Tor einfach nur lachend auf den Boden warf. "Ich wusste gar nicht, dass Kai so hoch springen kann", witzelte Kapitän Derrick nach dem Spiel. Liverpool versuchte alles, brachte frische Kräfte, doch die Southampton-Defensive hielt stand. Trainer Böning stellte auf "Betonmischer" um, wie er es später selbst nannte. "Manchmal ist das schönste System einfach: alle hinten, Ball raus, hoffen." Seine Spieler taten ihm den Gefallen - und das Publikum honorierte es mit jeder Grätsche. In den letzten Minuten entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch. Die Reds warfen alles nach vorn, doch jeder Versuch landete entweder in den Armen von Keeper Gabriel Clancy oder in den Rängen. Der eingewechselte Pim Voores scheiterte gleich zweimal, und als der junge Freddie Madigan in der 72. Minute zu seinem Debüt kam, war der Drops eigentlich schon gelutscht. Nach dem Schlusspfiff (und 56.221 begeisterten Zuschauern) reckten die Southampton-Spieler die Fäuste in den Nachthimmel. Trainer Böning, mit Schweißperlen auf der Stirn, fasste das Spiel trocken zusammen: "Ich hab zwischendurch überlegt, ob ich mich einfach dazulege und so tue, als wäre ich verletzt. Aber die Jungs haben’s alleine geschafft." Liverpool-Coach Kaiser hingegen schüttelte nur den Kopf. "Wir haben den Moment verschlafen. Und wer im Fußball schläft, wacht meistens mit Kopfschmerzen auf." Trotz der Niederlage blieb er gefasst, lobte den Einsatz seines Teams und versprach: "Beim nächsten Mal geben wir die Flügel nicht so schnell her." Southampton klettert damit weiter in der Tabelle, während Liverpool seine Ambitionen auf die oberen Plätze vorerst dämpfen muss. Der Abend aber gehörte eindeutig den Saints - leidenschaftlich, bissig, manchmal wild, aber immer mit Herz. Oder, wie Nilsson es zum Abschied formulierte, während er sich noch die Schuhe auszog: "Heute war’s kein schöner Fußball. Aber schöner als die Gesichter der Reds war’s allemal." Ein bisschen frech, ein bisschen ehrlich - und für Southampton einfach perfekt. 14.08.643996 09:35 |
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Manchmal spreche ich zuviel.
Lothar Matthäus