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**Southampton tanzt durch Cheltenham - Pokalabend mit Lehrstunde**

Wenn ein Premier-League-Kaliber in Cheltenham aufkreuzt, dann riecht es meist nicht nach Sensation, sondern nach Lehrstunde. So geschehen am Montagabend im Pokal, als der FC Southampton die tapferen, aber überforderten Cheltenham Robins mit 5:0 aus ihrem eigenen Stadion schoss. 5000 Zuschauer wollten den vermeintlichen Pokalzauber sehen - sie bekamen stattdessen eine Demonstration in Sachen Tempo, Technik und taktischer Disziplin.

Von Beginn an war klar, dass die Robins gegen den Offensivwirbel der "Saints" kaum Luft holen würden. Schon in der achten Minute klingelte es zum ersten Mal: Nicolaas Derrick, der Spielmacher mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, zog aus 18 Metern ab - und ehe Torwart Jacob McLeod auch nur "Abseits?" murmeln konnte, zappelte der Ball im Netz. "Wir wollten mutig beginnen", erklärte Cheltenhams Trainer nach dem Spiel lakonisch, "aber Mut ersetzt eben keine Mittelfeldkontrolle."

Southampton hatte dagegen alles im Griff. Nur vier Minuten nach dem 0:1 erhöhte Gabriel Beecroft nach herrlicher Vorlage von Derrick auf 0:2. Beecroft, 23 Jahre jung und mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, war ohnehin der Mann des Abends: Drei Tore, zwei Vorlagen, ein Grinsen, das den halben Gästeblock erhellte. "Ich dachte, ich probier’s einfach mal", sagte er später trocken. "Und dann lief’s halt."

Cheltenham versuchte zwischenzeitlich, sich mit beherztem Einsatz zu wehren - was in Zahlen so aussah: 41 Prozent Ballbesitz, null Torschüsse, dafür 39 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Anders gesagt: Sie hatten oft den Ball, aber selten die Richtung.

In der 23. Minute dann das 0:3 - diesmal traf der flinke Jan Ovesen nach einem präzisen Steilpass von Innenverteidiger Carles Ordono. Man ahnte zu diesem Zeitpunkt bereits, dass die Partie nur noch eine Frage des "Wie hoch?" sein würde. Southampton spielte weiter, als ginge es um Torverhältnis, nicht ums Weiterkommen.

Beecroft legte in der 32. Minute nach - ein geschmeidiger Angriff über Owen Hartshorn, der die linke Seite entlangflitzte und punktgenau in den Lauf seines Stürmers passte. 0:4. Und als Beecroft kurz vor der Pause nach Vorlage von Adam Hennessy seinen dritten Treffer markierte, da applaudierten selbst die Heimfans - eine Geste der sportlichen Höflichkeit oder vielleicht pure Fassungslosigkeit.

"Wir wollten in der zweiten Halbzeit einfach das Ergebnis halten", meinte Southamptons Coach Michael Böning nach der Partie. "Aber die Jungs hatten Spaß, und wer Spaß hat, hört ungern auf." Spaß - das war es wohl. 26 Torschüsse, 59 Prozent Ballbesitz und eine Gelbe Karte für Kai Whitman, der offenbar nur vermeiden wollte, sich völlig zu langweilen.

Die zweite Halbzeit verlief weniger spektakulär, was wohl daran lag, dass Southampton nach dem Pausentee auf Energiesparmodus schaltete. Böning wechselte munter durch: Schon in der 10. Minute hatte er seinen routinierten Keeper Corey Stanton durch den jüngeren Gabriel Clancy ersetzt - wohl mehr aus Fürsorge denn aus Not. Später kamen Anthony Bernardi und Kai Peter, die die Defensive stabil hielten und den Ball laufen ließen, als sei das Ganze ein Trainingsspiel.

Cheltenhams Torwart McLeod wurde trotz der fünf Gegentore zum heimlichen Publikumsliebling. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", scherzte er nach dem Spiel, "aber wenigstens hab ich mir keinen Krampf beim Bücken geholt."

Was bleibt? Ein Klassenunterschied wie aus dem Lehrbuch. Southampton spielte aggressiv, aber nie unfair, kombinierte flüssig und zeigte, dass Pressing nicht nur ein Modewort ist. Die Robins dagegen wirkten bemüht, aber überfordert - als hätte man eine Dorfkapelle in die Royal Albert Hall gesetzt.

"Wir nehmen das als Erfahrung mit", sagte Cheltenhams Kapitän Callum Crichton tapfer. "Und vielleicht treffen wir nächstes Jahr auf jemanden, der auch mal daneben schießt."

Southampton hingegen darf sich über den souveränen Einzug in die nächste Pokalrunde freuen - und über die Erkenntnis, dass man auch ohne Überheblichkeit glänzen kann. Oder, wie Beecroft lächelnd meinte: "Manchmal ist Fußball einfach - Ball, Tor, Wiederholung."

Und während die Flutlichter langsam erloschen, summte ein älterer Robins-Fan auf der Tribüne leise: "Immerhin war das Bier kalt." Ein passendes Schlusswort für einen Abend, an dem Southampton heiß lief - und Cheltenham fror.

19.05.643997 01:48
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