// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Was als souveräne Abendvorstellung an der Südküste begann, endete in einem kleinen Drama: Der FC Southampton und Boreham Wood trennten sich am 9. Spieltag der 1. Liga England spektakulär 3:3. 53.486 Zuschauer sahen ein Spiel, das von Euphorie, Verzweiflung und einer Prise Slapstick lebte - so, wie man es an einem lauen Aprilabend einfach braucht. Schon nach elf Minuten brachte Gabriel Nilsson die Saints in Führung. Der flinke Rechtsaußen schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit von Owen Hartshorn ins lange Eck, als hätte er nie etwas anderes getan. Trainer Michael Böning klatschte zufrieden, die Kamera fing ihn grinsend ein - noch. Nur sechs Minuten später erhöhte Adam Hennessy, der Mittelstürmer mit der Körpersprache eines Mannes, der nie an sich zweifelt. Billy Benett hatte den Ball traumhaft in den Lauf gelegt, Hennessy versenkte eiskalt. 2:0 nach 17 Minuten - die Fans sangen bereits vom sicheren Sieg. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn solche Gewissheiten Bestand hätten. Nur drei Minuten später drehte sich Davib Broderick, der 33-jährige Linksaußen und Dauerläufer im Dienste Boreham Woods, einmal um die eigene Achse und traf zum 2:1-Anschluss. "Ich hab einfach draufgehalten, der Rest war Glück - oder alte Schule", lachte Broderick später. Die erste Halbzeit blieb Southampton vorbehalten: zehn Torschüsse, 48 Prozent Ballbesitz, alles unter Kontrolle. Doch Boreham Wood wirkte gefährlich effizient. Trainer Sven Schliffke, stets mit leicht ironischem Grinsen, erklärte seine Halbzeitansprache so: "Ich hab ihnen nur gesagt: Wenn ihr schon hinten liegt, könnt ihr wenigstens Spaß haben." Offenbar hat das funktioniert. Denn in der zweiten Halbzeit kam Boreham Wood wie verwandelt aus der Kabine. Southampton wechselte: Jan Ovesen kam für Nilsson, Jacques Hauser ersetzte Ordono in der Innenverteidigung. Der Rhythmus brach, die Defensive wackelte. Und Boreham Wood nahm Fahrt auf. Nach 69 Minuten war es erneut Broderick, der aus kurzer Distanz traf - wieder nach einem Angriff über rechts, diesmal von Alberto Andrade eingeleitet. Die 53486 Zuschauer rieben sich die Augen: Aus dem gemütlichen 2:0 war ein 2:2 geworden. Und es kam noch dicker. Nur vier Minuten später versenkte der erst 20-jährige Joseph Adams den Ball nach Pass von Vitor Tiago. 3:2 für die Gäste! Southampton stand unter Schock, Böning schüttelte entgeistert den Kopf. "Ich dachte, wir hätten das Ding im Griff. Aber Boreham Wood hat einfach weitergespielt, als wäre das hier ein Trainingskick", sagte er nach dem Spiel mit einer Mischung aus Ärger und Bewunderung. Doch Southampton hatte noch eine Antwort. Nur eine Minute nach Adams’ Tor, in der 74. Minute, tauchte der eingewechselte Ovesen plötzlich frei im Strafraum auf - wieder nach Vorlage von Benett - und netzte zum 3:3 ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der 23-Jährige später lachend. "Aber wenn der Ball drin ist, fragt keiner danach." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Boreham Wood hatte mit 12 Torschüssen sogar die Nase vorn, Southampton hielt mit 10 dagegen. Broderick, der Mann des Abends, prüfte in der 87. Minute noch einmal den Keeper Brandon Lithgow, doch dessen Faustabwehr rettete das Remis. Ein kurzer Schreckmoment dann in der 62. Minute: Der junge Corey Roades musste verletzt ausgewechselt werden. "Nur eine Prellung", winkte Trainer Schliffke später ab. "Er wollte eh nicht vom Platz, aber ich hab ihn dran erinnert, dass wir noch ein paar Mittelfeldspieler übrig haben." Beide Teams spielten mit offenem Visier. Southampton blieb offensiv eingestellt, aber das Pressing wich in der Schlussphase einer Art "wir-halten-das-jetzt-irgendwie"-Mentalität. Boreham Wood hingegen bewies, dass man auch ohne Pressing, aber mit Herzblut, Punkte holen kann. Nach dem Schlusspfiff standen beide Trainer nebeneinander, klatschten sich ab und wirkten fast erleichtert. "Ein 3:3 der besseren Sorte", grinste Schliffke. Böning nickte: "Wenn man drei Tore schießt und trotzdem nur einen Punkt holt, weiß man, dass der Gegner etwas richtig gemacht hat - oder man selbst etwas falsch." Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit Applaus. Southampton hatte das Spiel aus der Hand gegeben, Boreham Wood den Punkt mit purer Willenskraft geholt. Ein gerechtes Ergebnis? Vielleicht. Ein unterhaltsames Spiel? Ganz sicher. Oder, um es mit den Worten eines Zuschauers zu sagen, der auf der Tribüne sein Bier balancierte und den Kopf schüttelte: "Ich hab schon schlechtere 3:3 gesehen - aber selten so viele graue Haare in 90 Minuten bekommen." Und das, liebe Freunde des gepflegten Nervenkitzels, ist am Ende doch das Schönste am Fußball: Er bleibt unberechenbar - und manchmal einfach herrlich absurd. 22.06.643997 22:00 |
Sprücheklopfer
Ich war das erste Mal Kapitän, da muss man einfach ein Tor machen.
Oliver Kahn zu seinem Eigentor beim Länderspiel gegen Israel