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Ein lauer Maiabend, 48.465 Zuschauer im St. Mary’s Stadium, und am Ende eine kollektive Ratlosigkeit in Rot-Weiß: Der FC Southampton hat gegen den FC Sheffield alles versucht - wirklich alles -, aber das Tor blieb wie vernagelt. Die Gäste dagegen machten mit einem einzigen präzisen Streich von Samuel Hoskins in der 22. Minute alles klar. 0:1 stand es da, und so blieb es, trotz 21 Torschüssen der Saints, trotz Pressing, Schweiß und stoischer Verzweiflung. Es war eines dieser Spiele, nach denen man sich fragt, ob Fußball wirklich gerecht ist. "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir 5:1 gewonnen", knurrte Southampton-Trainer Michael Böning nach Abpfiff, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Seine Elf hatte 49 Prozent Ballbesitz, 55,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Phalanx an Chancen, die in jedem anderen Spiel wohl zu einem Torfestival gereicht hätten. Nur diesmal eben nicht. Schon in der ersten Minute feuerte Meir Pizanti den ersten Warnschuss ab - der Beginn einer wahren Torwartprüfung für Sheffields Keeper Ingvar Afzelius, der an diesem Abend zur Wand mutierte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", lachte Afzelius später, "aber ich glaube, ich hatte mehr Ballkontakte als unser Mittelstürmer." Southampton rannte, kombinierte, flankte und verzweifelte. Leo Broderick prüfte den Keeper gleich zweimal in Minute 7 und 8, Billy Benett versuchte es kunstvoll von links, Adam Hennessy wuchtete Kopfbälle aufs Tor, und doch: Der Ball wollte nicht rein. Dann kam die 22. Minute - ein Konter, wie aus dem Lehrbuch, wenn man aus Sheffields Sicht schaut. Tomas Hlinka, der quirlige rechte Mittelfeldspieler, schnappte sich den Ball tief in der eigenen Hälfte, schaltete auf Turbo, spielte einen perfekten Pass in die Schnittstelle - und Samuel Hoskins hämmerte das Leder trocken in die lange Ecke. Tor. 0:1. Und aus Sicht der Gäste: bitte einfrieren, diesen Spielstand. Von da an verschanzte sich Sheffield in einer Art "organisiertem Chaos", wie Trainer Erich Speithvenne es nannte. "Wir nennen das intern kontrollierte Panik", grinste er nach der Partie. "Southampton darf ruhig den Ball haben - wir nehmen nur die Punkte." Die Statistik liest sich wie ein Schulbeispiel für Effizienz: 7 Torschüsse, ein Treffer, 14 ungenutzte Gegenangriffe, aber am Ende drei Punkte. Die Hausherren dagegen: 21 Abschlüsse, null Tore, ein hoher Puls. Nach der Pause brachte Böning den jungen Jan Ovesen und den wuchtigen Matthew Finnan, um über die Flügel mehr Druck zu machen. Das Spiel wurde noch wilder, das Stadion lauter, doch der Ball fand weiterhin nur den Weg auf Afzelius’ Handschuhe. In der 54. Minute scheiterte wieder Pizanti, in der 67. Ovesen - und als Hennessy in der 88. Minute seinen letzten Versuch in die Arme des Torwarts köpfte, sank der Stürmer mit ausgebreiteten Armen zu Boden, als wolle er direkt dort einziehen. Zwischendurch flogen auch die Karten: Hlinka sah in der 61. Gelb nach einem rustikalen Einsteigen ("Ich wollte nur den Ball, aber der Ball wollte nicht mich", erklärte er später augenzwinkernd), und Southamptons Anthony Bernardi kassierte in der 73. ebenfalls Gelb, wohl mehr aus Frust als aus Not. Erich Speithvenne stand an der Seitenlinie wie ein Dirigent, der sein Orchester zum Minimalismus mahnt. Kein Pressing, kein Risiko, dafür eine Mauer, die dem Begriff "Bus parken" eine neue Bedeutung gab. "Wir haben uns vorgenommen, das Tor zu verteidigen, als hinge unser Leben davon ab", sagte Innenverteidiger Jouke Ostrander, "und manchmal fühlte es sich auch so an." Als der Schlusspfiff ertönte, war die Erleichterung bei Sheffield greifbar, während Southampton-Spieler ratlos auf den Rasen starrten. Ein Fan im Block 32 rief resigniert: "Wir hätten bis Mitternacht spielen können - und trotzdem kein Tor!" Vielleicht hatte er recht. Trainer Böning sah es mit Galgenhumor: "Wir haben das Spiel verloren, aber die Statistik gewonnen. Leider gibt’s dafür keine Punkte." Sheffield dagegen klettert durch den Auswärtssieg in der Tabelle nach oben - mit einem simplen Erfolgsrezept: Minimalismus trifft Pragmatismus. Oder, wie Torheld Hoskins es formulierte: "Ein Schuss, ein Tor, drei Punkte - das nenn ich Effizienz." Und so bleibt von diesem Abend in Southampton vor allem die Erkenntnis: Fußball ist manchmal kein Spiel der Logik, sondern des Augenblicks. Und dieser Augenblick gehörte Samuel Hoskins - und einem Torwart, der einfach nicht zu überwinden war. 12.12.643999 15:22 |
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Giovanni Trappatoni