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Southampton zerlegt Ashford - Sechsfacher Donner nach der Pause

Es war einer dieser Abende an der Südküste, an denen man sich fragt, ob in der Halbzeitpause etwas ins Trinkwasser gemischt wurde. 52.860 Zuschauer im St. Mary’s Stadium sahen zunächst 45 Minuten gepflegten Leerlauf, ehe der FC Southampton nach Wiederanpfiff mit der Wucht eines Orkans über Ashford Town hinwegfegte. Das 6:0 (0:0) am 25. Spieltag der 1. Liga England war weniger ein Fußballspiel als vielmehr eine Demonstration: Wer lange wartet, trifft manchmal doppelt - oder gleich sechsmal.

Dabei hatte in der ersten Hälfte nichts auf dieses Torfestival hingedeutet. Southampton rannte, kombinierte, scheiterte - und Ashford verteidigte aufopferungsvoll, ja fast liebevoll. "Ich dachte, wir hätten sie im Griff", murmelte Ashfords Trainer David Reichart später, "bis sie beschlossen haben, dass das Spiel jetzt wirklich beginnt."

Der Startschuss zum Spektakel fiel in der 55. Minute: Gerritt Van Cortlandt, der rechte Mittelfeldmotor der Hausherren, zündete nach Zuspiel von Billy Benett den Turbo und schweißte den Ball unter die Latte. Nur zwei Minuten später legte Gabriel Nilsson nach - und verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. Der 22-jährige Schwede, ohnehin der Mann mit der größten Unruhe im Schritt, traf zunächst nach Vorlage von Liam Allington (57.), dann noch zweimal nach Flanken des unermüdlichen Rechtsverteidigers Leo Broderick (59. und 64.).

"Ich wollte nur den Ball festmachen", grinste Nilsson später, "aber wenn das Tor so groß aussieht, darf man ja auch mal draufhalten." Trainer Michael Böning kommentierte trocken: "Wir haben ihm das Schießen nicht verboten." Nach 65 Minuten durfte Nilsson dann zusehen, wie Theo Whitman - frisch eingewechselt für den glücklosen Adam Hennessy - nach schöner Vorarbeit von Van Cortlandt das 5:0 markierte.

Ashford? Nun ja, sie hatten mehr Ballbesitz (54 Prozent), aber ungefähr so viel Durchschlagskraft wie ein nasses Handtuch. Von sieben Torschüssen blieb keiner hängen, und wenn mal ein Versuch Richtung Gehäuse flog, pflückte ihn Keeper Brandon Lithgow mit der Ruhe eines Mannes, der seinen Feierabend schon vor Augen hat.

Als Van Cortlandt in der 76. Minute mit seinem zweiten Treffer den Deckel endgültig draufsetzte, war das Publikum längst im Feiermodus. Hinter mir summte ein Fan "Sechs Tore sind genug" - nur der Linienrichter schien sich noch über die unermüdliche Laufbereitschaft der Gastgeber zu wundern.

Die Statistik sprach Bände: 18 Torschüsse für Southampton, 7 für die Gäste, aber jeder Versuch der Heimelf wirkte gefährlicher. Auch wenn Ashford formal "offensiv" aufgestellt war, erinnerte ihr Angriffsspiel eher an einen höflichen Besuch. "Wir wollten offensiv spielen, aber der Ball wollte nicht", seufzte Mittelfeldmann Lewis Henderson, der immerhin drei Abschlüsse verbuchte - allesamt mehr Hoffnung als Gefahr.

Zwischen der 60. und 65. Minute sammelte Southampton übrigens auch fleißig Gelbe Karten: Broderick und Hauser wurden verwarnt, offenbar aus Langeweile über das einseitige Geschehen. "Man muss ja auch mal ein Zeichen setzen", witzelte Hauser, "sonst schlafen die Stürmer noch ein."

Trainer Böning konnte sich den Luxus erlauben, in der Schlussphase junge Kräfte zu bringen: Beecroft kam für Pizanti, später Pantelic für den fleißigen Van Cortlandt. Der Applaus war ohrenbetäubend, die Stimmung ausgelassen. "Wenn du 6:0 führst, darfst du auch mal durchatmen", meinte Böning, "aber ehrlich gesagt: Ich hätte gern noch eines gesehen."

Auf der Pressekonferenz versuchte Reichart, Fassung zu bewahren: "Wir hatten eigentlich einen Plan. Leider war der nicht auf sechs Gegentore ausgelegt." Sein Torhüter Damian Martinez stand da mit leerem Blick und sagte leise: "Ich hab sie alle gesehen - aus der Nähe."

So endet ein Abend, der zeigt, dass Fußball manchmal einfach unlogisch bleibt. Ashford mit mehr Ballbesitz, Southampton mit mehr Mut, Tempo und Zielstrebigkeit - und am Ende sechsfacher Jubel für eine Mannschaft, die nach der Pause plötzlich alles traf, was sich bewegte.

Und irgendwo in der Nachbarschaft lächelt ein Fan, der zur Halbzeit schon Richtung Ausgang schlenderte. Man darf gespannt sein, ob er das nächste Mal bleibt - sicher ist nur: Wer das zweite Halbzeitgesicht des FC Southampton gesehen hat, kommt wieder.

Denn so leicht, so furios und so gnadenlos effizient sieht man einen 6:0‑Heimsieg nicht alle Tage.

25.03.644000 20:11
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In diesem Drecksspiel hätte ich zehn Akteure auswechseln können.
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