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Wenn 55.564 Fans an einem Samstagabend im St. Mary’s Stadium lautstark mitsingen, dann ahnt man: Hier wird kein gemütlicher Ballbesitz-Fußball serviert. Der FC Southampton empfing am 11. Spieltag der 1. Liga England die Manchester Devils - und schickte sie mit einem 4:1 (2:1) nach Hause. Es war ein Spiel, das zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr zählt als Prozente: Trotz nur 45 Prozent Ballbesitz dominierten die "Saints" mit Wucht, Tempo und einer erstaunlichen Kaltschnäuzigkeit. Schon in der Anfangsphase zeichnete sich ab, dass Trainer Michael Böning seine Mannschaft offensiv eingestellt hatte. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur mitspielen, sondern bestimmen können", grinste Böning nach der Partie - ein Grinsen, das irgendwo zwischen Genugtuung und ungläubigem Staunen lag. Den Anfang machte in der 19. Minute ausgerechnet Linksverteidiger Matthew Finnan. Nach einem beherzten Doppelpass mit Rechtsverteidiger Leo Broderick zog Finnan einfach mal ab - und traf mit einem Sonntagsschuss am Samstagabend zum 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Gesichter der Devils eher fahl. Sechs Minuten später legte Gabriel Nilsson nach, der flinke Rechtsaußen, der an diesem Abend gleich mehrere Verteidiger in die Irre laufen ließ. Nach klugem Zuspiel von William Corey schob er trocken zum 2:0 ein. "Ich hab einfach nicht nachgedacht, nur gelaufen", lachte Nilsson später. "Vielleicht sollte ich das öfter machen." Doch wer glaubte, die Devils seien schon geschlagen, irrte. Nur drei Minuten nach Nilssons Treffer erzielte Alfie Perlman den Anschluss, nach schöner Vorarbeit von Christopher Bancroft. Ein Hoffnungsschimmer - der allerdings so schnell verglühte wie ein Streichholz im Sturm. Die zweite Halbzeit wurde zur Bühne eines Mannes: Jan Ovesen. Böning hatte ihn zur Pause für Nilsson gebracht - ein Wechsel, der sich als goldrichtig erwies. In der 70. Minute stand Ovesen nach einem präzisen Pass von Corey goldrichtig und schob zum 3:1 ein. Neun Minuten später schnürte der Norweger sogar den Doppelpack, diesmal auf Vorlage von Billy Benett. Der Ball zappelte im Netz, und Ovesen rannte jubelnd zu Trainer Böning: "Ich hab ihm zugerufen: Siehste, Chef, frische Beine lohnen sich!" erzählte der Stürmer später lachend. Die Devils dagegen wirkten zunehmend ratlos. Coach des Gastes - der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte, wie er murmelte - schüttelte an der Seitenlinie immer wieder den Kopf. Seine Mannschaft hatte zwar 54 Prozent Ballbesitz, doch außer sechs Torschüssen und einem Treffer blieb wenig Zählbares. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Das ist… suboptimal", kommentierte Alfie Perlman trocken. Southampton dagegen spielte mit einer Entschlossenheit, die man fast spüren konnte. 14 Torschüsse, vier Tore - eine Quote, von der so mancher Tabellenführer träumt. Auffällig war auch die Zweikampfstärke: Mit 53 Prozent gewonnener Duelle setzten die "Saints" den physischen Ton. Nur einmal mussten sie zittern, als Perlman in der 42. Minute frei zum Schuss kam - doch Keeper Brandon Lithgow parierte spektakulär und wurde von den Fans mit Sprechchören gefeiert. In der Schlussphase gönnte Böning seinem Publikum noch einen Moment zum Schmunzeln: Er wechselte in der 85. Minute Anthony Bernardi für Torschütze Finnan ein. "Matthew wollte noch ein drittes Tor machen", sagte der Trainer augenzwinkernd. "Aber ich wollte, dass er das nächste Mal wieder hungrig ist." Die Zuschauer gingen mit breitem Grinsen nach Hause - und mit der Erkenntnis, dass Fußball manchmal einfach Spaß machen darf. "Das war ein Abend, an dem wir uns selbst überrascht haben", meinte Mittelfeldmotor William Corey, der zwei Vorlagen beisteuerte. "Wir haben gegen ein großes Team gespielt - und sie klein aussehen lassen." Und während die Devils enttäuscht in den Mannschaftsbus stiegen, tönte aus der Heimkabine lautes Gelächter. Southampton hatte nicht nur drei Punkte gewonnen, sondern auch Selbstvertrauen, Stilpunkte und ein paar neue Helden. Böning fasste es zum Abschluss mit einem Satz zusammen, den man sich merken sollte: "Taktik ist wichtig, aber manchmal muss man einfach aufs Tor schießen und hoffen, dass es knallt." Genau das taten seine Jungs - viermal. Und jedes Mal war der Knall deutlich zu hören. 04.10.643999 05:30 |
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