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Ein Abend, wie ihn die 47.280 Zuschauer im Nijkerker Stadion so schnell nicht vergessen werden: Sparta Nijkerk gewann am Samstagabend den zweiten Spieltag der 1. Liga Niederlande mit 1:0 gegen PVC Eindhoven - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet knapp klingt, aber in Wahrheit ein wildes, hochintensives Fußballspiel verbarg. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Trainer Markus Kuzmich seine Nijkerker auf Angriff gebürstet hatte. Offensiv, über die Flügel, mit Schmackes - so wie man es von einer Mannschaft erwartet, die in der Liga mehr sein will als nur hübsches Beiwerk. "Wir wollten zeigen, dass wir hier das Tempo bestimmen", erklärte Kuzmich später mit einem zufriedenen Grinsen. PVC Eindhoven hingegen, von Markus Frey gecoacht, hatte sich defensiv formiert - und das nicht zu knapp. Zwei dicht gestaffelte Viererketten, kaum Raum zwischen den Reihen, und vorne ein einsamer Angreifer, der mehr mit dem Wind als mit dem Ball kämpfte. "Wir wollten Sparta nerven", gab Frey später zu, "aber am Ende haben sie uns genervt." Die erste Halbzeit war ein Duell aus Geduld und Frustration. Sparta schoss aus allen Lagen - 18 Torschüsse sollten es am Ende sein -, doch PVCs Torhüter Cristobal Antonio hielt, was zu halten war, und manchmal auch, was gar nicht haltbar schien. In der 6. Minute probierte es Iker Villar, in der 8. gleich wieder, doch der Ball flog knapp über die Latte. Egidius Van Vleck, der Mann des Abends, setzte in der 24. und 35. Minute zwei wuchtige Distanzschüsse ab - beide Male rauschte das Leder am Pfosten vorbei, begleitet vom kollektiven Raunen der Tribüne. "Ich dachte schon, das Tor ist heute verflucht", lachte Van Vleck später. "Aber dann kam die 48. Minute." Und die hatte es in sich: Direkt nach Wiederanpfiff tunnelte der 18-jährige Rechtsverteidiger Bram Knickerbacker seinen Gegenspieler, zog bis zur Grundlinie und flankte - halb Schuss, halb Hoffnung - scharf in den Strafraum. Van Vleck stand goldrichtig, nahm den Ball volley, und plötzlich explodierte das Stadion. 1:0 für Sparta Nijkerk, der Damm war gebrochen. PVC Eindhoven reagierte mit einem Torwartwechsel (Eli Goldmann kam für Antonio) und einer Prise mehr Mut. Frey stellte auf "Pressing YES" um - so sah es jedenfalls aus, als seine Spieler plötzlich wie aufgezogen nach vorne liefen. Doch wirklich gefährlich wurde es kaum. Vier Torschüsse standen am Ende für Eindhoven zu Buche, zwei davon aus der zweiten Reihe, einer eher ein Rückpass. In der 67. Minute verletzte sich Diego Henriquez - ein bitterer Moment, der das ohnehin fragile Mittelfeld der Gäste weiter schwächte. "Er hat sich das Knie verdreht", erklärte Frey später, "aber vielleicht war es auch einfach ein Reflex, um dem Druck zu entkommen." Kuzmich reagierte seinerseits taktisch clever: Faas Bleecker wich dem jungen Daley Blind, später kam der 18-jährige Stille Brill zu seinem Debüt. Und der Name war Programm - Brill blieb ruhig, glänzte mit Übersicht und hätte in der 82. Minute beinahe das 2:0 erzielt, doch Goldmann parierte spektakulär. PVC rannte an, Sparta konterte, das Spiel wurde ruppiger. Drei Gelbe Karten gab es - zwei für Eindhoven (Granados, Dag), eine für Van Vleck, der sich nach einem rustikalen Zweikampf auf die Zunge biss, um nicht mehr zu sagen, als erlaubt war. "Das war kein Foul, das war Liebe zum Ball", grinste er später, als Reporter ihm das Mikro unter die Nase hielten. Taktisch blieb Sparta durchgehend offensiv eingestellt, während Eindhoven selbst im Rückstand lange defensiv verharrte - ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man ein Spiel nicht dreht. Ballbesitz? Mit 53 Prozent sogar leicht bei Eindhoven. Aber was nützt das, wenn man vor dem Tor die Idee verliert? Als Schiedsrichter Van der Meer nach 94 Minuten abpfiff, feierten die Fans ihre Helden, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Van Vleck wurde minutenlang besungen, Trainer Kuzmich nahm’s gewohnt trocken: "Ein 1:0 ist wie ein Espresso - klein, stark, und wenn du zu viel davon willst, zitterst du." Eindhoven-Coach Frey hingegen sprach von "einem Spiel, das man vergessen muss, um daraus zu lernen" - eine Formulierung, die wohl in keinem Motivationshandbuch steht. So bleibt das Fazit eines intensiven, stimmungsvollen Abends: Sparta Nijkerk hat gezeigt, dass Mut und jugendliche Unbekümmertheit manchmal mehr zählen als Ballbesitzstatistik und Taktiktafel. Und Egidius Van Vleck? Der dürfte heute Nacht nicht nur vom Siegtor träumen, sondern auch davon, wie es ist, plötzlich der Held einer ganzen Stadt zu sein. Ein sarkastischer Fan fasste es beim Verlassen des Stadions treffend zusammen: "War das schön? Nein. War’s erfolgreich? Ja. Und das ist doch am Ende der schönste Fußball." 01.09.644000 16:55 |
Sprücheklopfer
Für mich gibt es nur 'entweder-oder'. Also entweder voll oder ganz!
Toni Polster