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Wenn 48.204 Zuschauer an einem lauen Juniabend das Stadion von Sparta Nijkerk füllen, dann ahnt man: Hier passiert heute was. Und tatsächlich - nach 90 Minuten mit 20 Torschüssen, zwei Treffern und einer roten Karte für die Gäste war das Publikum rundum zufrieden. Sparta Nijkerk besiegte SC Dordrecht am 10. Spieltag der 1. Liga Niederlande verdient mit 2:0 (0:0), auch wenn die erste Halbzeit eher einem zähen Schachspiel als einem Fußballfeuerwerk glich. Dabei begann die Partie durchaus schwungvoll. Schon in der zweiten Minute prüfte Harrison Badham den Gästetorhüter Ingo Verdasco mit einem wuchtigen Distanzschuss - der erste von vielen Versuchen. Trainer Markus Kuzmich hatte seine Mannschaft klar offensiv eingestellt, auf Flügelspiel und frühes Nachsetzen getrimmt. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir zuhause das Kommando haben", erklärte Kuzmich später, "und dass unsere Flügelstürmer nicht zum Dekor gehören." Dordrecht dagegen wirkte vorsichtig, fast ängstlich. Ballbesitz hin oder her - am Ende standen nur zwei magere Torschüsse für die Gäste. "Wenn du den Ball hast, aber nichts damit anfängst, bringt’s dir halt nichts", meinte SC-Trainer Benjamin Riemer nachdenklich, bevor er zugeben musste: "Und dann fliegt dir auch noch dein rechter Mittelfeldspieler runter." Damit spielte er auf Eugenius Winchel an, der erst Gelb (46.), dann Gelb-Rot (50.) kassierte - beides nach taktischen Fouls, die eher aus Verzweiflung als aus Kalkül entstanden. Bis dahin war das Spiel offen, doch die Überzahl brachte Nijkerk endgültig in die Spur. In der 52. Minute brach Harrison Badham den Bann: Nach einer mustergültigen Flanke von Linksverteidiger Laurens Groesbeck nahm der 34-Jährige den Ball mit der Brust an und schloss trocken ins rechte Eck ab. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Badham später, "ich dachte nur: Endlich!" Dordrecht taumelte, und vier Minuten später setzte Iker Villar den entscheidenden Stich. Nach feinem Doppelpass mit Joshua Patton zog der rechte Flügelstürmer von der Strafraumkante ab - 2:0, und das Stadion explodierte. Patton, selbst schon mehrfach gefährlich, riss die Arme hoch, als hätte er persönlich den Ball reingeschossen. "Ich hab Iker gesagt: Jetzt bist du dran. Und er hat’s ernst genommen", erzählte der 34-jährige Linksaußen schmunzelnd. Danach verwaltete Sparta das Spiel mit einer Gelassenheit, die fast schon überheblich wirkte. Der Ball lief, Dordrecht lief hinterher. 55,6 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die den Sieg so nüchtern bestätigen, wie der Rasen danach aussah: ordentlich durchgepflügt, aber kein Kraterfeld. Einziger Wermutstropfen für Nijkerk: Sturmspitze Zeeman Voores blieb trotz mehrerer Chancen ohne Tor. "Wenn du 20 Mal aufs Tor schießt und nur zweimal triffst, ist da noch Luft nach oben", meinte Trainer Kuzmich mit einem Augenzwinkern. "Aber lieber so als andersrum." Die Gäste indes schlichen wortlos vom Platz. Einzig Torhüter Verdasco hatte noch Humor: "Ich hab wenigstens keine Langeweile gehabt", sagte er mit müdem Lächeln - wohlwissend, dass er an diesem Abend der beste Dordrechter gewesen war. Sparta Nijkerk darf sich derweil über drei verdiente Punkte freuen und über eine Mannschaft, die nach der Pause den Schalter umlegte wie ein Licht im Stadiontunnel. "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", mahnte Kapitän Badham. "Aber wenn wir so weitermachen, wird’s schwer, uns zu stoppen." Und so tanzten die Fans am Ende ausgelassen auf den Rängen, während Trainer Kuzmich sich ein kühles Getränk gönnte. "Manchmal", sagte er, "macht Fußball einfach Spaß. Heute war so ein Tag." Ein bisschen Pathos, ein bisschen Schweiß, zwei Tore, keine Zweifel - Sparta Nijkerk lebt Fußball. Und Dordrecht? Die fuhren mit leerem Tank und vollen Notizblöcken nach Hause. 31.01.644003 11:25 |
Sprücheklopfer
Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie