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Ein lauer Maiabend in Kingston, 44.532 Zuschauer im National Stadium, und die 19. Runde der 1. Liga Jamaica bot alles, was man von einem inszenierten Fußballdrama erwarten darf: frühe Chancen, späte Emotionen und dazwischen jede Menge Gelb. Am Ende trennten sich die Police Nationals und Constant Spring mit 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Trainern vermutlich Kopfschmerzen, aber auch ein kleines Lächeln bescherte. Die Gäste aus Constant Spring begannen forsch, offensiv eingestellt und - wie es Trainer Max Wegner später trocken formulierte - "hungrig auf Ballbesitz und Bananenflanken". Alexandre Hayman prüfte bereits in der 4. Minute Nationals-Torwart Leon Featherstone, der in dieser Szene so spektakulär parierte, dass selbst die nahe Kameradrohne kurz innehielt. Die erste halbe Stunde war dann ein munteres Hin und Her. Police-Stürmer Claude Hennessy schoss in der 13. Minute knapp vorbei, Vincent Hennessy (nicht verwandt, aber ebenso schussfreudig) versuchte es neun Minuten später aus der Distanz. Doch Constant Spring blieb gefährlicher: Bernard Aubin wirbelte auf links, legte in der 36. Minute quer - und Dario Poggi vollstreckte trocken zum 0:1. Ein Treffer, der so sauber war, dass selbst die Polizeikapelle auf der Tribüne kurz verstummte. "Wir waren zu brav", knurrte Heimtrainer Walter Steger später. "So spielt man keine Heimspiele, sondern schreibt Einladungen zur Gegentorparty." Doch sein Team reagierte schnell. Nur sechs Minuten nach dem Rückstand bediente Mittelfeldmotor Finlay Caroll seinen Stürmer Lewis Donahue mit einem Zuckerpass in die Tiefe. Donahue, eiskalt wie ein Ermittler in der Nachtschicht, schob den Ball flach am Keeper vorbei - 1:1. Die Pause kam danach wie eine willkommene Beruhigungstablette für beide Bänke. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an der Statik: Police Nationals blieb offensiv, Constant Spring konterte mit chirurgischer Präzision. In der 50. Minute war es dann wieder soweit: Jerome Marceau flankte butterweich, Alexandre Hayman stieg hoch und köpfte zum 1:2 ein. "Ich wusste, dass er da sein würde", grinste Marceau später. "Er redet ja schon beim Einlaufen von sich in der dritten Person." Steger reagierte, wechselte und fuchtelte. In der 64. Minute kam Innenverteidiger Sasa Racunica für Rafael Vidigal - ein Wechsel, der noch eine späte Pointe bekommen sollte. Zunächst aber kassierte Racunica in der 83. Minute die Gelbe Karte, nachdem er Constant-Spring-Stürmer Michael Benett resolut klärte ("Den Ball hab ich schon getroffen, irgendwann"). Auch der Schiedsrichter blieb beschäftigt: Claude Lamarliere sah in der 61. Minute Gelb, während auf der Gegenseite der junge Rhys Lorring in der 86. Minute ebenfalls notiert wurde. Der 21-Jährige zuckte nach dem Spiel mit den Schultern: "Ich dachte, das war noch im Rahmen des jamaikanischen Charmes." Die Schlussphase war dann ein wilder Ritt. Constant Spring zog sich zurück, offenbar in der Annahme, dass 46 Prozent Ballbesitz reichen müssten. Doch die Police Nationals setzten alles auf eine Karte - und das Pressing-Signal stand auf "YES". In der 88. Minute kam der Moment des Abends: Racunica, ausgerechnet der zuvor verwarnte Verteidiger, schickte einen langen Ball nach vorn. Claude Lamarliere, der in der 45. Minute eingewechselt worden war, nahm das Leder technisch fein mit und drosch es aus spitzem Winkel ins Netz. 2:2! Das Stadion explodierte, Steger sprang seinem Co-Trainer um den Hals, und auf der Anzeigetafel blinkte das Remis wie ein kleiner Sieg. "Das war pure Energie", jubelte Lamarliere. "Ich hab einfach draufgehauen - wie beim Training, nur dass ich da meistens das Fangnetz treffe." Statistisch gesehen war das Unentschieden durchaus gerecht: 53 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, acht Schüsse aufs Tor gegen elf der Gäste, Zweikampfquote fast ausgeglichen. Constant Spring hatte die klareren Chancen, Police Nationals mehr Willen und Nerven aus Stahl. Trainer Wegner zeigte sich nach Abpfiff versöhnlich: "Wenn du zwei Tore auswärts machst, darfst du dich nicht beschweren. Aber wenn du kurz vor Schluss einen kassierst, beschwerst du dich trotzdem." Steger hingegen grinste breit: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wenn du in der 88. Minute triffst, fühlt sich das fast wie ein Sieg an - zumindest bis morgen früh, wenn ich das Video sehe." Als die Zuschauer in die Nacht verschwanden, klang ein Satz nach, den man aus der Police-Kabine hörte: "Fall abgeschlossen, aber Akte offen." Vielleicht das treffendste Fazit eines Spiels, das mehr Krimi als Routine war - und wieder einmal bewies, dass Fußball in Jamaica keine Ordnung kennt, sondern nur Leidenschaft. 16.01.644000 14:57 |
Sprücheklopfer
Ich werde nie Golf spielen. Erstens ist das für mich kein Sport, und zweitens habe ich noch regelmäßig Sex.
Mehmet Scholl