Fréttablaðið
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Später Ausgleich rettet Stjarnan einen Punkt - Vestmannaeyjar hadert mit Chancenflut

Es war einer dieser Abende in der isländischen 1. Liga, an denen sich selbst der Wind nicht entscheiden konnte, für wen er eigentlich blasen sollte. 12.500 Zuschauer in Garðabær sahen ein 1:1 zwischen KR Stjarnan und IBV Vestmannaeyjar, das so ziemlich alles bot: frühe Tore, späte Karten, ein Platzverweis und reichlich Möglichkeiten, sich über vergebene Chancen zu wundern.

Schon in der vierten Minute ließ Ingo Assis die Gäste jubeln. Der linke Außenverteidiger - sonst eher für das Grobe zuständig - tauchte plötzlich vorne auf und schloss nach feinem Zuspiel von Cesar de Almeida trocken ab. "Ich war selbst überrascht, dass der Ball reinging", grinste Assis später. "Normalerweise treffe ich eher die Eckfahne."

Vestmannaeyjar übernahm früh die Kontrolle, spielte mit leichtem Übergewicht im Ballbesitz (51,5 Prozent) und erarbeitete sich eine ganze Reihe guter Gelegenheiten. Allein Jacek Bronowicki hätte das Spiel schon zur Halbzeit entscheiden können. Der flinke Rechtsaußen prüfte Torhüter Ralph König gleich mehrfach, doch der Stjarnan-Keeper hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unbezwingbar zu sein.

"Wir hätten zur Pause 3:0 führen müssen", knurrte IBV-Trainer Gunnlaugur Magnússon. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert - sonst würde ich jeden Samstag 5:0 gewinnen."

Stjarnan wirkte in der ersten Hälfte verunsichert, die Angriffe liefen ins Leere, und der junge Gordej Sajenko hing vorne in der Luft. Trainer Andri Ólafsson schüttelte bereits in der 35. Minute den Kopf, als Sajenko einen Distanzschuss über die Latte jagte. "Ich wollte ihn fast schon rausnehmen", gab Ólafsson später augenzwinkernd zu. "Zum Glück habe ich’s nicht getan."

Denn in der zweiten Halbzeit kam das Spiel komplett anders daher. Stjarnan wurde aggressiver, das Passspiel direkter. Nach der Einwechslung von Ivan Gedeon (46.) kam mehr Struktur ins Zentrum, und auf einmal roch es nach einem Ausgleich.

In der 64. Minute war es dann soweit: Liam Latham setzte sich auf der linken Seite durch, flankte präzise in den Strafraum, und Sajenko machte das, was Stürmer eben tun müssen - er hielt einfach den Fuß hin. 1:1. Das Stadion bebte. "Ich hab’ ihn nur gestreift, ehrlich", lachte Sajenko nach dem Spiel. "Aber auf dem Spielbericht steht mein Name, also beschwer’ ich mich nicht."

Danach wurde es hektisch. Beide Teams hatten noch Gelegenheiten, doch die Nerven spielten nicht mehr mit. Adin prüfte IBV-Keeper Vincent Edvaldsson aus der Distanz (94.), Bronowicki scheiterte gleich zweimal spät (85. und 96.). Und als ob es nicht schon genug Drama gegeben hätte, kassierte Stjarnans Innenverteidiger Erland Abramson in der 82. Minute glatt Rot - ein übermotiviertes Einsteigen, das selbst auf den Rängen ein kollektives "Oha!" auslöste. "Er meinte, er habe den Ball gespielt", seufzte Coach Ólafsson. "Ich habe ihm gesagt: Ja, aber leider erst, nachdem du den Gegner umgepflügt hast."

IBV drängte in Überzahl noch einmal mit Macht, stellte auf langes Passspiel und Vollgas um. Doch König im Tor der Gastgeber hielt, was zu halten war. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen erschöpfte Spieler auf dem Rasen, und Magnússon warf trotzig seine Jacke in die Coachingzone.

"Wenn man 14 Schüsse aufs Tor hat und nur einer drin ist, muss man sich an die eigene Nase fassen", sagte er. "Oder den Ball - aber bitte endlich mal ins Netz."

Statistisch war es ein leichtes Plus für die Gäste: mehr Schüsse, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr vom Spiel. Doch Stjarnan bewies Moral. Mit zehn Mann und viel Herz retteten sie den Punkt, der sich fast wie ein Sieg anfühlte.

"Wir sind keine Schönspieler", meinte Ólafsson schmunzelnd. "Aber heute haben wir gezeigt, dass wir kämpfen können. Und manchmal reicht das - vor allem, wenn der Gegner sich selbst im Weg steht."

So trennte man sich 1:1, ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht schmecken dürfte, aber wohl gerecht ist. Während Vestmannaeyjar sich fragt, wie man so viele Chancen liegenlassen kann, dürfte Stjarnan mit einem Bier auf Sajenkos Fuß anstoßen - den wohl wertvollsten Körperteil des Abends.

Und irgendwo auf der windigen Tribüne sagte ein älterer Fan grinsend: "Das war kein schönes Spiel - aber wenigstens kalt genug, dass keiner eingeschlafen ist."

01.06.644000 19:24
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