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Später Sieg der Tigers: Caviness sticht in der 83. Minute zu

26618 Zuschauer im Alexandra Stadium sahen am 12. Spieltag der 2. Liga England ein Duell, das lange nach einem torlosen Arbeitssieg roch - bis Ewan Caviness in Minute 83 beschloss, den Abend doch noch mit einem Paukenschlag zu beenden. Der 21-jährige Linksaußen der Hull Tigers traf nach Vorarbeit von Routinier Alexander Bancroft zum 0:1-Endstand gegen Crewe Alexandra. Ein spätes, aber verdientes Happy End für die Gäste, die insgesamt etwas mehr vom Spiel hatten - und den längeren Atem.

Dabei hatte die Partie alles, was ein Freitagabendspiel (Anstoß 20.30 Uhr) braucht: Tempo, Spannung, jugendlichen Leichtsinn und eine Portion Slapstick. Schon in der ersten Minute prüfte Hulls Ewan Sterling den Crewe-Keeper Liam Millington mit einem satten Schuss - eine frühe Ansage. Nur zwei Minuten später war es erneut Caviness, der den Ball knapp am Pfosten vorbeizirkelte. Crewe antwortete mit jugendlichem Elan: Der 18-jährige Benjamin Haddington zog mutig von links ab (8.), der 17-jährige Cameron Carmody suchte aus 15 Metern sein Glück (15.).

Trainer Urs Lustig hatte vor dem Spiel noch betont: "Wir wollen kompakt stehen und mutig kontern." Kompakt standen sie, mutig konterten sie - allerdings meist bis zur Mittellinie. Die Defensivtaktik (DEFENSIVE, BALANCED, SURE - wie der Analyst trocken notierte) hielt Hulls Angriffe zwar eine Stunde lang in Schach, machte das Spiel aber nicht unbedingt zu einem Feuerwerk. "Ich hab’ fast vergessen, dass wir Flügelspieler haben", murmelte Lustig in der 60. Minute, als er Sean Reacock vom Platz nahm und den 19-jährigen Lewis Greaves brachte.

Auf der Gegenseite ließ Hull-Coach Mathias Oergel rotieren: In der 57. Minute kam Billy Chamberlain für Sterling, kurz danach George Burton für Lewis Payne - ein klares Signal, dass die Gäste das Remis nicht akzeptieren wollten. "Wir wollten den Druck erhöhen, auch wenn’s nach außen ruhig wirkte", sagte Oergel hinterher mit einem Grinsen. "Unsere Taktik war balanced - aber innerlich waren wir sehr offensive."

Und tatsächlich: Je länger das Spiel dauerte, desto stärker drängten die Tigers. Caviness prüfte Millington in der 60. Minute erneut, Connor Wiltshire zog in der 71. aus spitzem Winkel ab, und die 83. Minute brachte schließlich die Erlösung. Bancroft, inzwischen wieder auf dem Feld nach einer kurzen Ruhepause, flankte butterweich von links - und Caviness rauschte heran, wie ein Expresszug ohne Bremsen. Der Ball zappelte im Netz, und die 26618 Zuschauer erlebten diesen kollektiven Moment, in dem das Stadion gleichzeitig seufzt und flucht.

"Ich hab’ einfach gehofft, dass er mich sieht", erklärte Caviness später. "Als er flankte, wusste ich: Jetzt oder nie. Und diesmal war’s jetzt." Bancroft, 33 Jahre jung und mit einem Lächeln, das man nur nach einem gewonnenen Auswärtsspiel trägt, meinte: "Der Junge erinnert mich an mich selbst - nur schneller, fitter und mit besseren Haaren."

Crewe stemmte sich danach gegen die Niederlage, aber die Luft war raus. Dylan Musgrave hatte noch zwei Gelegenheiten (85.), doch der Ball wollte einfach nicht rein. Stattdessen kassierte der 17-jährige Joshua Kendall kurz vor Schluss noch eine Gelbe Karte (58.) und verletzte sich in der Nachspielzeit - ein bitteres Ende für den Youngster, der bis dahin tapfer gegen Wiltshire und Caviness verteidigt hatte.

Statistisch betrachtet war das Spiel beinahe ausgeglichen: 10 Torschüsse für Crewe, 13 für Hull; Ballbesitz 49 zu 51 Prozent; Zweikampfquote ebenfalls knapp zugunsten der Gäste (51,1 %). Doch am Ende zählen eben Tore - und davon hatte Hull genau eines mehr.

"Wir haben uns nicht belohnt", sagte Crewe-Trainer Lustig nachdenklich. "Vielleicht hätten wir etwas mutiger sein müssen." Dann lachte er kurz: "Oder einfach Ewan Caviness nicht aus den Augen verlieren."

Hull-Coach Oergel fasste das Ganze pragmatisch zusammen: "Ein spätes Tor ist auch ein Tor. Und wer in Crewe gewinnt, darf sich ruhig ein bisschen glücklich schätzen." Danach verschwand er mit seinem Team in der Kabine - vermutlich, um dort das Wort "balanced" aus dem Taktikzettel zu streichen.

Ein augenzwinkerndes Fazit: Crewe Alexandra zeigte Herz und viel jugendliche Energie, Hull Tigers Routine und Geduld. Und irgendwo zwischen diesen beiden Polen entschied ein 21-Jähriger mit einem einzigen Schuss über Sieg und Niederlage. Fußball kann so einfach - und so grausam - sein.

15.10.643999 19:04
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Ich war das erste Mal Kapitän, da muss man einfach ein Tor machen.
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