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Ein warmer Maiabend, 16.955 Zuschauer im Atlantida-Stadion, das Flutlicht flimmert - und auf dem Rasen toben 22 Männer, die offenbar beschlossen haben, den Begriff "Geduldsspiel" neu zu definieren. Erst in der 83. Minute fand Atlantida endlich den Schlüssel zu Luna Americas Betonabwehr. Und wie: Der 32-jährige Rechtsaußen Olcayto Sargun drosch den Ball nach Vorarbeit von Mason Fraser aus vollem Lauf in den Winkel - ein Treffer, der das Stadion erzittern ließ. Bis dahin war es ein einseitiger, aber zäher Tanz gewesen. Atlantida, unter der Leitung von Trainer Kenzo Specht, spielte von Beginn an auf Flügeln, wie es seine taktische Handschrift verspricht. 21 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, ein Pressing, das phasenweise an Dauerstress erinnerte - nur das Tor wollte einfach nicht fallen. "Ich habe irgendwann gefragt, ob das Tor vielleicht zu ist", witzelte Specht nach dem Abpfiff. "Aber dann hat Olcayto den Schlüssel gefunden." Sargun selbst grinste später breit, als er an den entscheidenden Moment erinnert wurde. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Aber dann habe ich es mir anders überlegt - und die Latte hat zum Glück mitgespielt." Tatsächlich war es eine Szene, die das Spiel perfekt zusammenfasste: viel Einsatz, viele Chancen, und am Ende das Glück des Hartnäckigen. Luna America hingegen trat über weite Strecken wie ein Verein auf, der sich vorgenommen hatte, den Ball lieber aus sicherer Entfernung zu betrachten. Zwei magere Torschüsse, kaum Offensivdrang, und spätestens nach der 64. Minute, als Eduardo Custodio seine Gelbe Karte kassierte, war klar, dass es ein langer Abend für die Gäste werden würde. Als derselbe Custodio in der 88. Minute mit Rot vom Platz flog, war das Maß voll. "Ich wollte nur den Ball spielen", jammerte er später, "aber der Ball war wohl schneller als ich." Trainer Luna Americas - der schlicht nicht zu erreichen war - ließ über den Pressesprecher ausrichten: "Wir müssen lernen, dass Verteidigen allein kein Konzept ist." Dabei war das Spiel in der ersten Halbzeit noch von einer gewissen Spannung geprägt. Atlantida drückte, Bruno Gutierrez und Mason Fraser prüften den gegnerischen Keeper Sergio Assis im Fünf-Minuten-Takt, aber der 31-jährige Torwart aus Brasilia hatte offenbar Spinnenarme. "Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zukam", schnaufte er. Und tatsächlich: Zwischen der 7. und der 43. Minute schoss Atlantida gefühlt aus jeder Lage. Manchmal vorbei, manchmal direkt auf Assis - selten ins Glück. Der zweite Durchgang verlief ähnlich, nur dass Atlantis’ Geduld immer dünner wurde. Kenzo Specht, sonst ein Fels in der Coachingzone, tigerte nervös an der Linie entlang und rief seinem Mittelfeldspieler Carl Yanez zu: "Trau dich endlich, Carl!" Der 20-Jährige traute sich - und schoss in der 65. Minute knapp vorbei. Immerhin, ein Zeichen. Dann kam die 83. Minute. Michel Brito flankte von rechts, Fraser legte mit der Brust ab, Sargun zog ab - und endlich war der Bann gebrochen. Das Stadion explodierte, die Ersatzbank stürmte das Feld, und irgendwo im Jubel rief jemand: "Jetzt bloß keine Ecken mehr!" Die letzten Minuten gerieten tatsächlich noch einmal hitzig. Luna Americas Iban Manuel sah Gelb (87.), Custodio Rot (88.), und Atlantida hätte beinahe nachgelegt - aber Bruno Gutierrez scheiterte gleich zweimal an Assis, der trotz allem noch ein kleines Denkmal verdient hätte. Nach dem Schlusspfiff atmete Kenzo Specht tief durch. "Wenn man 21 Mal schießt und einmal trifft, ist das immerhin eine solide Quote", meinte er trocken. "Ich wollte Spannung - ich hab sie bekommen." Atlantida startet damit mit drei Punkten in die neue Saison der 1. Liga Paraguay, während Luna America mit leeren Händen und vollen Waden nach Hause fährt. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und irgendwo in der Kabine soll Olcayto Sargun gerufen haben: "Wenn wir so weiterspielen, schießen wir nächste Woche sogar zwei Tore!" Ein Versprechen, das man ihm gerne abnimmt - solange er weiter weiß, wo das Tor steht. 11.08.644000 17:07 |
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