Irish Sports
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Später Treffer versenkt die Seagulls - Waterford jubelt in Bray

Bray - 20.000 Zuschauer hatten sich am Donnerstagabend am windumtosten Uferstadion eingefunden, um die heimischen Bray Seagulls gegen die Waterford Reds im Rahmen des 7. Spieltags der 1. Liga Irland zu sehen. Sie sahen ein Spiel, das an Spannung kaum zu überbieten war - und an Dramatik in der Nachspielzeit noch einen Nachbrenner bekam. Am Ende hieß es 1:2 (0:1), und während die Gäste jubelnd in den Abendwind sprangen, blickten die Seagulls konsterniert auf den Rasen, als hätte ihnen jemand die Möwen vom Himmel geholt.

Von Beginn an war klar, dass die Waterford Reds nicht zum Sightseeing nach Bray gekommen waren. Bereits in der ersten Minute prüfte der junge Archie Harte mit einem satten Schuss den Seagulls-Keeper Wolfgang Wolff. Der reagierte hellwach, doch es war das erste Signal: Die Roten wollten hier etwas mitnehmen. Und sie sollten belohnt werden. In der 33. Minute kombinierten sich Lewis O’Leary und Jamie Winston auf der rechten Seite durch die Abwehr der Gastgeber. Winston fasste sich ein Herz, zog ab - und ließ Wolff keine Chance. 0:1, verdient, weil Waterford bis dahin zielstrebiger wirkte und die Seagulls zu oft in Schönheit zu sterben drohten.

Bray-Coach - dessen Name die Vereinsführung geheim hält, vielleicht aus Selbstschutz - versuchte es zur Pause mit lauten Worten und einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche. Und siehe da: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da flatterten die Seagulls wieder. In der 49. Minute schob Ben Tal nach feinem Zuspiel von Javier Veloso den Ball überlegt ins Eck. Das Stadion tobte, und man hörte von der Haupttribüne ein erleichtertes "Geht doch!".

Doch wer dachte, die Heimmannschaft würde das Momentum nutzen, sah sich getäuscht. Zwar kamen die Seagulls auf acht Torschüsse, Wasserford aber auf deren 13 - und das spiegelte sich im Verlauf des Spiels. Während Bray mit knapp 49 Prozent Ballbesitz versuchte, Ordnung in den eigenen Aufbau zu bringen, wirkten die Gäste frischer, aggressiver, zielstrebiger. Besonders der 18-jährige Kian Stapleton sorgte nach seiner Einwechslung für Betrieb, auch wenn er das Tor mehrmals knapp verfehlte. Einmal zirkelte er den Ball in der 73. Minute so knapp am Pfosten vorbei, dass Trainer Costa Brava an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammenschlug - "Ich dachte, der Ball sei schon drin!", lachte er später.

Als alles nach einem gerechten Unentschieden aussah, passierte das, was Fußballfans entweder lieben oder hassen: die Nachspielzeit. 92. Minute, Waterford im Angriff, Salvatore Cattaneo mit der Flanke, Linus Nmecha steigt höher als alle anderen und köpft den Ball wuchtig ins Netz. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. 1:2, und der Rest war Verzweiflung.

"Das ist bitter, sehr bitter", knurrte Bray-Verteidiger Walter Falk, der in der 83. Minute noch Gelb gesehen hatte, als er einen Konter mit einem rustikalen Tritt stoppte. "Wir waren dran, aber am Ende fehlte uns die Cleverness." Sein Trainer nickte lethargisch neben ihm: "Wir haben zu spät gemerkt, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist."

Die Waterford Reds hingegen feierten ausgelassen. Trainer Costa Brava schwärmte: "Das war Leidenschaft pur. Wir haben in der letzten Viertelstunde nochmal auf Pressing gestellt, und das war der Schlüssel." Tatsächlich hatte seine Mannschaft in der Schlussphase merklich angezogen - und Bray kaum Luft zum Atmen gelassen.

Statistisch war das Spiel ein Duell auf Augenhöhe: 51 Prozent Ballbesitz für Waterford, 49 für Bray, Tacklingquote leicht zugunsten der Gäste (52 zu 48 Prozent). Doch am Ende zählen Tore, nicht Prozente. Und da stand es 2:1 für die Mannschaft in Rot.

Ein kleines Detail am Rande: Als der Schlusspfiff ertönte, grinste Linus Nmecha breit und sagte zu seinem Teamkollegen O’Leary: "Ich hab’s dir gesagt, Bruder - der letzte Kopfball ist meiner!" Manchmal schreibt der Fußball eben Drehbücher, die selbst Hollywood neidisch machen würden.

Die Seagulls müssen sich nun fragen, warum sie nach dem Ausgleich die Linie verloren. Die Waterford Reds dagegen dürfen von höheren Tabellenregionen träumen. Und während der Abend über dem Meer langsam dunkler wurde, hallte der Gesang der Waterford-Fans noch lange über die Tribünen.

Vielleicht war’s einfach einer dieser Abende, an denen selbst die Möwen lieber Rot sahen.

27.12.644002 17:36
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