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Später Triumph: Nacional schlägt Cerrense spät mit 2:0

38325 Zuschauer im Estadio Cerrense erlebten am 8. Spieltag der 1. Liga Uruguay einen jener Abende, die Fußballtrainer entweder altern lassen oder verjüngen - je nachdem, auf welcher Seite man steht. Für Karl Rausch, den Coach von Nacional, war es wohl eine Verjüngungskur: Seine Mannschaft gewann nach zähem Anrennen mit 2:0 gegen CD Cerrense, das Team von Leahcim Gnipeur, und das erst in den letzten Minuten.

Dabei hatte lange nichts auf einen Sieg der Gäste hingedeutet - zumindest auf der Anzeigetafel. Cerrense hielt stand, kämpfte, biss, und hatte sogar mehr Ballbesitz (52,9%). Nur: Der Ballbesitz war wie ein schönes Auto ohne Benzin - hübsch anzuschauen, aber kaum fortbewegungsfähig. Nacional schoss zwanzigmal aufs Tor, Cerrense einmal. Und das war, um ehrlich zu sein, eher ein höflicher Versuch als eine echte Drohung für Nacional-Keeper Pedro Cercas.

Von Beginn an spielte Nacional so, als hätte man den Anpfiff gleich als Weckruf verstanden. Schon nach einer Minute prüfte Armandos Ardizoglou den jungen Torwart Jose Yago - dessen Parade war das erste Highlight des Abends. "Ich wollte ihn nur wachrütteln", scherzte der 33-jährige Stürmer später. Yago blieb wach, sehr sogar, und parierte in der Folge Schüsse aus allen Richtungen.

Die erste Halbzeit war eine Demonstration, wie man dominieren kann, ohne zu treffen. Nacional kombinierte, Cerrense grätschte. In der 33. Minute sah Innenverteidiger Xabier Sainz Gelb, nach einem beherzten, aber etwas ungeschickten Tackling gegen Sergio Coluna. Kurz darauf lag Trainer Gnipeur mit den Armen in der Luft: "Ich wollte ihm zurufen, dass er den Ball spielen soll - aber da war der Ball schon weg", grinste der Cerrense-Coach später.

Nach der Pause blieb das Bild gleich: Nacional schnürte Cerrense ein, Cerrense verteidigte mit allem, was Beine hatte. Um die 60. Minute herum schien die Luft bei den Gastgebern dünner zu werden. Rausch brachte frische Kräfte - Noe Futre für Chalana, später Caio Flores für Santarossa. Letzterer sollte sich noch als Glücksgriff erweisen.

Denn als die meisten der Zuschauer wohl schon heimlich auf die Uhr schielten oder an den späten Bus dachten, schlug Nacional endlich zu. In der 85. Minute war es Ivan Jablonsky, der nach unermüdlichem Anlaufen endlich traf. Ein Schuss aus halbrechter Position, trocken, präzise, unhaltbar. "Ich war schon kurz davor, meine Schuhe auszuziehen und heimzugehen", witzelte Jablonsky nach dem Spiel, "aber dann dachte ich: Na gut, einer geht noch."

Cerrense taumelte, und Nacional roch Blut. Nur zwei Minuten später, in der 87. Minute, legte Sergio Coluna nach - nach feiner Vorarbeit von eben jenem Caio Flores. Eine Passkombination wie aus dem Lehrbuch: kurz, direkt, tödlich. Coluna schlenzte den Ball ins lange Eck, Yago flog vergeblich. "Caio hat mir gesagt: Lauf einfach, ich finde dich", erzählte Coluna, "und er hat’s wirklich getan. Das war fast romantisch."

Damit war der Widerstand gebrochen. Cerrense, das sich zuvor mit drei Gelben Karten (Sainz, Longas, Rose) kämpferisch gezeigt hatte, konnte nicht mehr reagieren. Trainer Gnipeur stand am Rand, verschränkte die Arme und murmelte etwas, das wie "Typisch Fußball" klang. Nach dem Abpfiff blieb er fair: "Wir haben ein tapferes Spiel gemacht, aber gegen so eine Präzision kannst du irgendwann nichts mehr machen. Die Jungs haben alles gegeben - sogar mehr als ich erwartet hatte."

Sein Gegenüber Rausch strahlte dagegen mit der Abendsonne um die Wette: "Ich habe einfach gesagt: Geduld, Jungs. Wenn du zwanzigmal aufs Tor schießt, darfst du dich nicht wundern, wenn irgendwann was reinfällt."

Statistisch war es ein ungleiches Duell: 20:1 Schüsse auf das Tor, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Nacional, aber paradoxerweise mehr Ballbesitz für Cerrense. Es war das klassische Beispiel, dass Zahlen manchmal lügen - oder zumindest nicht die ganze Wahrheit erzählen. Denn wer das Spiel sah, wusste: Nacional war der Chef im Haus.

Am Ende blieb das Gefühl, dass Cerrense trotz der Niederlage Charakter gezeigt hatte - jung, wild, aber noch zu grün, um ein Spitzenteam wie Nacional ernsthaft zu gefährden. Der erst 18-jährige Ivan Derlei, der einzige Cerrense-Spieler mit einem Torschuss, sagte später mit einem Lächeln: "Ich hab den Ball wenigstens aufs Tor gebracht. Vielleicht nächstes Mal rein."

Und so ging ein Abend zu Ende, der für Nacional drei Punkte brachte und für Cerrense die Erkenntnis, dass man mit Mut und Lauffreude zwar ein Spiel spannend halten kann - aber eben nicht immer ein Tor schießt. Oder, wie ein Zuschauer beim Rausgehen seufzte: "Schöner Kampf, aber Tore zählen halt doch mehr als Ballbesitz."

Ein Fazit, das man wohl in jeder Liga der Welt unterschreiben kann.

11.06.643997 10:18
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