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Spätes Glück für Cagliari - Albinoleffe verzweifelt an der Effizienz

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine grausame Seite zeigt. AC Albinoleffe spielte, rackerte, schoss - und stand am Ende doch mit leeren Händen da. Der FC Cagliari dagegen, abgeklärt und mit einem einzigen präzisen Nadelstich, entführte drei Punkte aus dem Stadion in Bergamo. 0:1 hieß es am Ende vor 6750 Zuschauern, und wer nur das Ergebnis liest, ahnt nicht, wie viel Drama in diesen 90 Minuten steckte.

Schon in der Anfangsphase machte Albinoleffe klar, wer Herr im Haus sein wollte. Trainer Emiliano Dicetutto hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - die Taktiktafeln sagten "Angriff", die Körpersprache seiner Spieler schrie "Wir wollen’s wissen!". Besonders der junge Giuseppe Venditti, erst 18, prüfte den Cagliari-Keeper Benedetti gleich mehrfach (13., 32., 39.). "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball an mir vorbeiflog", grinste der Torwart später. "Aber keiner wollte rein. Vielleicht war das Glück heute auf unserer Seite."

Elf Torschüsse gaben die Hausherren insgesamt ab, fast doppelt so viele wie die Gäste (6). Doch Fußball ist eben kein Schusszähler-Sport, sondern ein Torwettbewerb. Und während Albinoleffe das Runde einfach nicht ins Eckige brachte, wartete Cagliari auf seine Gelegenheit - und bekam sie spät, aber eiskalt.

In der 86. Minute, als sich die Zuschauer schon mit einem torlosen Remis abgefunden hatten, kombinierten sich Fabrizio Grieco und Jörg Haase durch das linke Mittelfeld. Grieco legte clever quer, Haase nahm Maß - und plötzlich war es still. Der Ball zappelte im Netz, Tor für Cagliari. 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Haase nach dem Spiel bescheiden. "Zum Glück nicht daneben. Sonst hätte mich der Trainer wohl zu Fuß nach Sardinien laufen lassen."

Dicetutto an der Seitenlinie sank kurz auf die Knie, während sein Gegenüber nur die Hände in die Taschen steckte und so tat, als sei das alles reine Routine. In Wahrheit war es wohl die pure Erleichterung. Denn Cagliari hatte bis dahin kaum etwas für die Offensive getan, den Ballbesitz (57 Prozent) lieber in Sicherheit verwaltet als in Kreativität umgesetzt.

Nach dem Rückstand warf Albinoleffe alles nach vorne. Jurek Furtok und der eingewechselte Gianluca Ullano stürmten, Emil Musiala zog die Fäden im Mittelfeld, und in der 87. Minute hatte Rolando Meloni sogar noch eine gute Chance - Schuss aufs Tor, doch wieder Benedetti. Kurz darauf verletzte sich der junge Meloni (94.) unglücklich, als er nach einem Zweikampf auf den Rasen krachte. "Er ist stabil, aber wir müssen abwarten", meinte Dicetutto später mit sorgenvoller Miene.

Cagliari musste ebenfalls eine Schrecksekunde verkraften: Rechtsverteidiger Stefano Ferro verletzte sich in der 87. Minute und wurde sofort durch Dennis Matusiak ersetzt. "Ich habe ihn gefragt, ob er noch kann", erzählte Trainer Casadei nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. "Er sagte: ’Nur, wenn wir führen.’ Also haben wir geführt."

Statistisch gesehen war Albinoleffe in vielen Bereichen ebenbürtig oder sogar besser - mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (52,6 Prozent), mehr Mut. Doch Cagliari hatte die Ruhe und die Geduld. Einmal scharf gestochen, und der Gegner blutete aus tausend verpassten Chancen.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein cleveres", resümierte Torschütze Haase. "Manchmal reicht eben ein Moment. Heute war er auf unserer Seite."

Im Stadion verließen die Fans von Albinoleffe enttäuscht die Ränge, einige klatschten trotzdem. Vielleicht aus Respekt vor der Leistung, vielleicht auch, um den Frust zu übertönen. Giuseppe Venditti stand da, Hände in die Hüften gestemmt, und murmelte: "Wir hätten zehn Tore schießen müssen. Und haben keins gemacht." Neben ihm legte Torwart Tomasz Seiler den Arm um den jungen Stürmer: "Kopf hoch, Ragazzo. Beim nächsten Mal trifft sogar der Platzwart."

Am Ende bleibt das Fazit eines dieser typischen Fußballabende: Wer die Chancen nicht nutzt, wird bestraft. Und wer geduldig bleibt, darf feiern. Für Cagliari war es ein Auswärtssieg der Marke "unspektakulär, aber effektiv" - für Albinoleffe dagegen eine bittere Lehrstunde in Sachen Effizienz.

Oder, wie Trainer Dicetutto es mit einem gequälten Lächeln ausdrückte: "Wir haben alles richtig gemacht - außer ein Tor erzielt."

Ein Satz, der an diesem Abend wohl alles sagte.

25.12.644002 21:29
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