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Es war ein lauer Maiabend im Münchner Stadion, 17.500 Zuschauer, sanfter Wind, Bier in Plastikbechern - und Fußball, der lange danach aussah, als würde er niemanden erlösen. Doch dann kam die 86. Minute, und Ricardo Semedo fand endlich das, woran 84 Minuten lang alle Münchner verzweifelt waren: das Tor. 1:0 gegen TuS Hordel, ein Ergebnis so knapp wie verdient. Trainer Franz Kuntz stand nach dem Schlusspfiff an der Seitenlinie, strich sich durchs Haar und grinste: "Defensiv bleiben und vorne irgendwann mal treffen - das war der Plan. Hat ja geklappt, auch wenn’s ein bisschen gedauert hat." Tatsächlich begann der Abend so, wie man ihn von einem Team mit "Defensive" als Grundhaltung erwartet. Der FC München stand sicher, ließ den Ball laufen, spielte aber Fußball aus der Kategorie "kontrollierte Langeweile". 55 Prozent Ballbesitz, 15 Schüsse aufs Tor - klingt nach Dominanz, fühlte sich aber über weite Strecken nach Geduldsspiel an. TuS Hordel dagegen, von Trainerin Ute Finkeldy offensiv eingestellt, versuchte es mit schnellen Umschaltmomenten und langen Pässen. "Wir wussten, dass München nicht gern hinterherläuft", erklärte Finkeldy später. "Also haben wir sie laufen lassen - naja, zumindest versucht." Ihre jungen Angreifer Tomasz Miller und Joel Schumacher (beide 17) zeigten Mut, aber auch, warum Erfahrung manchmal doch hilft. Drei Torschüsse, mehr ließ die Münchner Defensive um Xavier Quaresma und Max Gerlach nicht zu. In der 10. Minute setzte der quirlige Marcio Forque das erste Ausrufezeichen, jagte den Ball aus 20 Metern knapp über die Latte. Wenig später prüfte Miguel Barros den Hordeler Keeper Davide Lorenzo - der reagierte stark, auch wenn er dabei so aussah, als hätte er den Ball nur zufällig gefunden. Es blieb beim 0:0, und die Münchner Zuschauer begannen, ihre Würste zu fotografieren, weil sonst nichts passierte. Nach der Pause kam Bewegung ins Spiel - zumindest personell. Torwart Friedrich Hess blieb mit einer leichten Zerrung draußen, Silvestre Custodio übernahm. Und vorne brachte Kuntz den jungen Nevio Kaiser, der mit Tempo und jugendlichem Übermut gleich mehrfach gefährlich auftauchte (50., 64., 71., 83., 90.). Ein Tor gelang ihm zwar nicht, aber immerhin sorgte er dafür, dass die Hordeler Abwehr sich nie sicher fühlte. Dann die entscheidende Szene: 86. Minute. Helmut Wahl, der unermüdliche Linksfuß, setzt sich über außen durch, flankt halbhoch in den Strafraum. Und da steht Ricardo Semedo, Münchens Mittelfeldmotor, zieht per Dropkick ab - der Ball rauscht unhaltbar ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Semedo nach dem Spiel. "Wenn du 15 Mal danebenhaust, muss der 16. halt sitzen." Das Publikum tobte, Kuntz riss die Arme hoch, und auf der Bank fiel Ersatzkeeper Custodio fast vom Sitz. "Ich dachte, wir müssen wieder so ein 0:0 ertragen", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne, "aber der Junge hat uns gerettet." TuS Hordel versuchte in den letzten Minuten noch einmal alles. Trainerin Finkeldy stellte auf totales Pressing um - die Taktikdaten würden sagen: "Pressing: YES". Doch ihre Mannschaft hatte einfach nicht mehr genug Kraft. Statt gefährlicher Konter gab’s nur noch lange Bälle ins Nichts. Und als Joel Schumacher in der 89. Minute den letzten Hordeler Schuss abfeuerte, war Custodio zur Stelle. Kurz vor Schluss dann noch Drama am Rande: Münchens Rechtsverteidiger Kai Frank verletzte sich nach einem Zweikampf und musste in der 91. Minute raus. "Nur eine Prellung", beruhigte Kuntz später. "Nichts, was ein kaltes Bier nicht heilen könnte." Am Ende blieb ein schmales, aber hart erarbeitetes 1:0 - das achte Saisontor für Semedo, das vielleicht wichtigste für den FC München in dieser Phase der 2. Liga. Die Statistik sprach ohnehin klar: 15:3 Torschüsse, 56 Prozent Zweikampfquote, 55 Prozent Ballbesitz. "Wir wollten heute zeigen, dass wir auch Geduld haben können", sagte Semedo und grinste. "Aber ehrlich - das war schon nervenaufreibend." Ute Finkeldy nahm die Niederlage sportlich: "Wenn du hier 0:1 verlierst, kannst du trotzdem stolz sein. Die Jungs haben alles probiert, aber München war einfach reifer. Und wir? Wir wachsen noch." Als die Flutlichter erloschen, blieb das Gefühl: Es war kein Spektakel, aber ein Statement. Der FC München kann auch zäh, kann auch spät, kann auch dreckig gewinnen. Und manchmal, so scheint’s, braucht ein defensiv denkendes Team nur einen offensiven Moment, um den Abend zu retten. Oder, wie es Franz Kuntz beim Hinausgehen sagte, während er in die Nacht grinste: "Man muss nicht schön spielen, wenn man schön gewinnt." 13.06.644000 13:47 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass er nun eine klare Linie in sein Leben bringt.
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