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Es war ein Montagabend, der in Speldorf in die Kategorie "Pflichttermin mit Spaßfaktor" fällt. 4655 Zuschauer im altehrwürdigen Volksparkstadion sahen, wie der VfB Speldorf den SV Nürnberg-Süd mit 5:0 aus dem Pokal schoss - und das mit einer Leichtigkeit, die fast ein bisschen unhöflich wirkte. Trainer Jakob Meier grinste nach dem Schlusspfiff: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben - ich wusste ja nicht, dass sie gleich ein Schützenfest daraus machen." Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass es ein langer Abend für die Gäste werden würde. Während Nürnbergs junger Keeper Dirk Blank (18, vermutlich noch Schüler) bereits nach zwei Minuten den ersten Ball aus dem Winkel fischte, wirkte seine Abwehr spätestens ab Minute 20 wie ein offenes Buch. Speldorfs rechter Außenverteidiger Elias Max warf das Lehrbuch für Positionsdisziplin kurzerhand weg und tauchte plötzlich vorne auf - in der 34. Minute hämmerte er den Ball zur 1:0-Führung in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Max später lachend zu, "aber dann war der Ball halt drin. Man muss ja auch mal Glück haben." Kurz vor der Pause erhöhte Asier Espriu auf 2:0 - nach feiner Vorarbeit von Hermann Schenk, der an diesem Abend sowieso überall war: Ballverteiler, Vorlagengeber, halber Spielmacher, halber Animateur. Spätestens jetzt ahnte man: Nürnberg-Süd würde hier heute kein Märchen schreiben. "Wir wollten mutig sein", erklärte Gästetrainer Jannis Heise nach dem Spiel mit stoischer Ruhe. "Aber Mut allein reicht nicht, wenn der Gegner Fußball spielt und wir nur zusehen." Seine jungen Spieler - viele kaum älter als 20 - rannten, kämpften, aber verloren die meisten Zweikämpfe (Tacklingquote 42,5 Prozent) und fast immer den Ball (nur 35 Prozent Ballbesitz). Nach der Pause ging’s dann richtig bergab. Kaum war der Tee geschluckt, da klingelte es schon wieder: Speldorfs linker Flügelstürmer Aitor Melendez traf in der 48. Minute nach schönem Zuspiel von Celalettin Sancakli - 3:0. Und wer dachte, das sei’s jetzt gewesen, der irrte gewaltig: Nur zwei Minuten später legte Javier Manu quer, Espriu bedankte sich artig und schob zum 4:0 ein. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", gestand Nürnbergs Verteidiger Robin Maurer später, "aber ich glaube, wir haben sogar Glück gehabt, dass es nicht zweistellig wurde." Tatsächlich hatte Speldorf noch 22 Torschüsse, viele davon Marke "knapp daneben ist auch vorbei". Nürnberg schaffte ganze zwei - einer davon in der 90. Minute, als Joshua Peter wenigstens noch einmal das Tornetz von außen streichelte. Torhüter Simone Altomonte wirkte dabei so unterbeschäftigt, dass er sich in der 70. Minute demonstrativ dehnte - sehr zur Erheiterung der Tribüne. Das 5:0 in der 86. Minute war dann nur noch Formsache. Javier Manu, der zuvor schon zwei Mal knapp gescheitert war, traf nach - natürlich - Vorarbeit von Hermann Schenk. Der Ball zappelte im Netz, das Stadion jubelte, und Nürnbergs Torwart blickte ins Nichts. "Da war einfach nichts mehr zu machen", meinte er ehrlich. Trainer Meier hatte nach dem Spiel dennoch den Mahnfinger parat: "Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Im Pokal kann’s schnell gehen - heute war’s leicht, nächste Runde kann’s bitter werden." Ein Reporter hielt ihm das 5:0-Ergebnis hin, Meier grinste: "Aber schön war’s trotzdem, oder?" Und wie schön es war! Speldorf spielte, als hätten sie den Ball erfunden: präzises Passspiel, geduldiger Aufbau, keine Spur von Überheblichkeit - eher die Freude am eigenen Können. Die Fans verabschiedeten die Mannschaft mit stehenden Ovationen, während Nürnbergs junge Truppe mit hängenden Köpfen vom Platz trottete. "Man lernt mehr aus solchen Spielen als aus knappen Siegen", sagte Gästecoach Heise zum Abschluss. "Wir haben heute gelernt, dass wir noch viel zu lernen haben." So blieb am Ende ein Pokalabend, der ganz im Sinne des Speldorfer Publikums verlief: Tore, Tempo, Technik - und dazu eine Prise Spott, die in Speldorf einfach dazugehört. Oder wie ein älterer Fan beim Bierstand meinte: "So soll’s sein - fünf Tore, kein Stress, und morgen wieder arbeiten." Ein Satz, der vermutlich auch für Nürnberg-Süd gilt - nur mit etwas weniger Freude am Dienstagmorgen. 30.05.643997 14:43 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum