Football Today
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Stoke City verzweifelt - Ewood Rovers siegen mit jugendlicher Kaltschnäuzigkeit

Es war einer dieser Abende im Bet365 Stadium, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht gerade woanders zu tun hatte. 37.250 Zuschauer sahen am 26. Spieltag der 2. Liga England ein Spiel, das Stoke City eigentlich nie hätte verlieren dürfen - und das die Ewood Rovers am Ende doch mit 1:0 gewannen.

Die Gastgeber unter Trainer Horst Fiedler starteten wie eine Dampfwalze. Schon in der vierten Minute prüfte Billy Shepherd den jungen Keeper Andrew Lester mit einem satten Schuss, der das Netz erzittern ließ - allerdings nur von außen. Fiedler, in bester Laune zu diesem frühen Zeitpunkt, rief seinem Stürmer zu: "Billy, das war fast ein Tor - nur eben auf dem falschen Teil des Netzes!" Der Ton sollte im Laufe des Abends noch kippen.

Stoke dominierte die erste Halbzeit nach Belieben: 14 zu 4 Torschüsse standen am Ende zu Buche, Ballbesitz 55 zu 45 Prozent, Zweikampfquote klar auf Seiten der Hausherren. Nur das, worum es im Fußball bekanntlich geht - Tore - blieben Mangelware. Jose Duran versuchte es mehrfach (27., 36., 49., 66. und 87. Minute), doch das Glück hatte sich offenbar auf der falschen Seite des Platzes eingerichtet.

Die Ewood Rovers, von Stephan Trajes mit einer klaren Defensivhaltung und schnellen Kontern eingestellt, verteidigten tief und beteten leise Stoßgebete, während Stoke die Grenzen der Geduld auslotete. "Wir wollten gar nicht schön spielen", gab Trajes später lachend zu. "Wir wollten einfach nur überleben - und dann überraschen."

Und überraschen taten sie. In der 61. Minute fiel das Tor des Abends: Der 19-jährige Joao Miguel, bis dahin eher unauffällig, startete nach einem schnellen Ballgewinn seines Kollegen Corey Kober auf links durch. Kober, der zuvor schon wegen eines rustikalen Einsteigens Gelb gesehen hatte, schickte Miguel auf die Reise. Der junge Portugiese blieb eiskalt, umkurvte den herausstürzenden Torwart Simcha Amir und schob zum 0:1 ein. Die Gästebank explodierte, Trainer Trajes riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Aufstieg klargemacht.

"Ich hab gar nicht groß nachgedacht", sagte Miguel später fast schüchtern. "Ich hab nur gesehen, dass der Torwart kommt - und dann war der Ball drin. Vielleicht war’s Glück. Aber Glück gehört zum Spiel."

Nach dem Rückstand warf Stoke alles nach vorne. Trainer Fiedler brachte zur Pause ohnehin schon frisches Blut: Marek Bencik für Shepherd, Gabor Feher für den ausgelaugten Liam Gross und Arnaldo Soveria Simeri für Louis Kirkwood. Später sah man Duran fast im gegnerischen Strafraum wohnen, Lux rückte nach, und sogar Innenverteidiger Thierry Lux probierte es in der 40. Minute mit einem Distanzhammer. Aber Lester, erst 20 Jahre jung, hielt, was zu halten war, und sah dabei aus, als würde er das jeden Tag beim Frühstück trainieren.

Die Zuschauer wurden unruhig. "Schieß doch endlich!", rief ein älterer Herr auf der Haupttribüne, als Dusko Jovanovic in der 67. Minute lieber querlegte, statt abzuziehen. Fiedler drehte sich genervt um: "Was glauben Sie, was ich ihm seit 20 Minuten sage?"

Die letzten Minuten waren ein Sturmlauf in Rot. Stoke presste, kämpfte, rannte, während die Ewood-Rookies heroisch blockten. In der 90. Minute hatte Jaroslav Fort den Ausgleich auf dem Fuß, doch auch sein Schuss landete direkt in den Handschuhen von Lester - dem Mann des Abends.

"Wir haben heute alles versucht, wirklich alles", seufzte Trainer Fiedler nach dem Schlusspfiff. "Wenn man 14 Mal aufs Tor schießt und keiner will rein, dann ist das fast schon Kunst. Nur leider die falsche Art."

Auf der anderen Seite grinste Trajes, der mit dem jüngsten Team der Liga angetreten war, wie ein Lotto-Gewinner: "Wir wussten, dass Stoke kommen würde wie ein Sturm. Wir haben einfach das Dach festgehalten."

So steht am Ende ein 0:1, das mehr über Effizienz als über Schönheit erzählt. Ein Teenager-Tor gegen eine erfahrene Mannschaft, die an der eigenen Ungeduld zerbrach. Die Rovers bleiben damit die Überraschung der Saison, Stoke City hingegen steckt weiter im Mittelfeld fest - mit viel Ballbesitz, aber wenig Trost.

"Wir müssen das abhaken", sagte Kapitän Duran beim Verlassen des Platzes. "Sonst schießen wir nächste Woche wieder 14 Mal daneben."

Vielleicht, wer weiß, schaut der Fußballgott beim nächsten Mal wieder vorbei. Bis dahin bleibt Fiedler nur, den Ballbesitz als moralischen Sieg zu verbuchen - und zu hoffen, dass Statistiken irgendwann doch Punkte zählen.

06.04.644000 10:01
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