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Stollberg siegt spät - TuS Hordel verzweifelt an der eigenen Ungeduld

Es war ein lauer Maiabend in Bochum-Hordel, doch auf dem Rasen des TuS-Stadions brannte die Luft: 30.116 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger nach 2. Liga aussah und mehr nach Pokaldrama - nur dass am Ende einer jubelte, und das war der FC Stollberg. Mit 1:0 entführten die Gäste drei Punkte, während Hordel einmal mehr an der eigenen Effizienz scheiterte.

Von Beginn an diktierte der FC Stollberg das Geschehen. Trainer Wei To hatte seine Mannschaft klar offensiv eingestellt, und das merkte man sofort: Bereits nach zwei Minuten prüfte der 19-jährige Jürgen Meissner Hordels Keeper Karl Westphal mit einem satten Schuss - das erste von insgesamt 22 Stollberger Versuchen auf den Kasten. Hordel antwortete über Konter, meist über den flinken Gabriel Cunningham, der zweimal gefährlich durchbrach, aber ebenso oft an Torhüter Fernando Navarro scheiterte.

"Wir wollten mutig spielen, aber manchmal wird Mut mit Naivität verwechselt", knurrte Hordel-Trainerin Ute Finkeldy später. Ihre Elf hatte 47 Prozent Ballbesitz, aber jeder zweite Angriff endete in der berühmten "langen Pille nach vorne". Die Statistik bestätigt das: 11 Torschüsse, viele davon aus der Distanz oder aus unmöglichem Winkel. "Wenn der Ball einmal reingeht, reden alle von Genie", sagte Stürmer Fynn Huber mit einem schiefen Grinsen. "Heute war’s wohl eher Wahnsinn."

Zur Pause stand es 0:0 - und das war fast schmeichelhaft für Hordel. Stollberg hatte gleich mehrere gute Chancen: Bruno Turcotte prüfte Westphal zweimal, Ruslan Gerassimow setzte einen Kopfball knapp vorbei. In der Kabine soll Trainer Wei To laut geworden sein. "Ich habe ihnen gesagt, dass Fußball kein Geduldsspiel ist. Wenn du zehnmal klopfst und keiner öffnet, tritt die Tür ein", schmunzelte der Coach nach der Partie.

In der zweiten Halbzeit wechselte Finkeldy dreifach - unter anderem kam der 17-jährige Meik Heine für den blassen Dennis Brandt. Ein mutiger Schritt, der zunächst Wirkung zeigte. Hordel wirkte frischer, hatte durch Joel Schumacher in der 54. Minute die große Chance, doch der junge Stürmer zielte zu hoch. Dann begann das Spiel zu kippen. Stollberg wechselte in der 70. Minute gleich doppelt, brachte unter anderem den 21-jährigen Keeper Oscar Gordon, und plötzlich schien die Mannschaft neuen Schwung zu haben.

Die Entscheidung fiel in der 79. Minute - und sie war so sehenswert wie bitter. Nach feinem Doppelpass auf der rechten Seite legte Bruno Turcotte den Ball quer, Andrea Terinese rauschte heran und schloss trocken ab. Keeper Fuhrmann, der kurz zuvor eingewechselt worden war, streckte sich vergeblich. 0:1 - und das Stadion wurde still. Nur auf der kleinen Gästetribüne explodierten die Emotionen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Terinese später. "Und diesmal ging er eben rein. Die letzten drei Wochen war’s immer Latte oder Torwart."

Hordel warf in den letzten Minuten alles nach vorne - sogar Innenverteidiger Heine stürmte mit. Doch es half nichts: Cunningham zielte in der 82. Minute knapp vorbei, Huber köpfte in der Nachspielzeit über das Tor. Die Fans, die zuvor jede Grätsche mit Applaus bedacht hatten, schauten am Ende fassungslos auf die Anzeigetafel.

"Wir haben heute viel investiert, aber Fußball belohnt nicht die Fleißigsten, sondern die Cleversten", sagte Trainerin Finkeldy mit bitterem Lächeln. Ihr Gegenüber Wei To fasste es etwas trockener: "Ein Spiel wie ein Espresso - kurz, stark, und mit bitterem Nachgeschmack für den Gegner."

Statistisch war der Stollberger Sieg verdient: 22 Schüsse, 53 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 53 Prozent. Doch es war weniger die Überlegenheit, die den Unterschied machte, sondern die Ruhe am Ball. Während Hordel mit langen Pässen und jugendlichem Übermut agierte, spielte Stollberg geduldig und präzise.

Nach dem Abpfiff applaudierten die Heimfans dennoch ihrer Mannschaft. "Wir haben eine junge Truppe, die lernt noch", rief jemand von der Tribüne. Und tatsächlich: Mit drei 17-Jährigen in der Startelf war Hordel das jüngste Team des Spieltags. Vielleicht fehlte nur die Abgeklärtheit, die man sich nicht im Training, sondern in solchen bitteren Abenden erarbeitet.

Und so bleibt für Hordel nur die Erkenntnis: Wer vorne die Chancen nicht nutzt, bekommt sie hinten eingeschenkt. Für Stollberg dagegen war es ein Big Point im Aufstiegskampf - und ein Abend, an dem Andrea Terinese zum Helden wurde.

"Wir fahren jetzt heim, essen Pizza und gucken die Zusammenfassung", sagte Turcotte lachend beim Verlassen des Stadions. Ob er sich selbst dabei zuschauen wird, wie er die Vorlage zum Sieg gibt? "Na klar", grinste er. "Man muss ja wissen, wie’s richtig geht."

Ein Abend voller Chancen, ein Tor voller Präzision - und eine bittere Lektion für TuS Hordel: Fußball ist manchmal grausam ehrlich.

01.06.644000 05:58
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