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Ein Dienstagabend in Graz, Flutlicht, 39.893 Zuschauer - und ein SK Sturm, der sich nach anfänglichem Schock in einen wahren Orkan verwandelte. Am 14. Spieltag der 1. Liga Österreich bezwang das Team von Nermin Muratovic den ASK Salzburg mit 3:2 (2:1) und sorgte damit für einen dieser Abende, die man sich noch lange erzählen wird. Dabei begann alles so gar nicht nach Plan. In der 16. Minute rauschte Salzburgs Linksverteidiger Jay Carey nach vorn, als hätte er vergessen, dass er eigentlich hinten wohnt - und donnerte den Ball nach Zuspiel von Israel Shum ins Netz. 0:1, und das Stadion murmelte ungläubig. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", meinte Sturm-Keeper Niclas Krug später halb lachend, halb genervt. Doch die Antwort kam prompt: Nur zwei Minuten später zimmerte Harald Geiger, ausgerechnet der Dauerläufer auf der rechten Seite, das Leder unter die Latte. Vorlage kam von Roberto Meira, und plötzlich war das Stadion wieder laut - sehr laut. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön, sondern auch schnell antworten können", grinste Geiger nach dem Spiel und strich sich das verschwitzte Haar aus dem Gesicht. Spätestens in der 44. Minute kippte das Spiel endgültig. Der 17-jährige Edvin Eskildsen, kaum älter als die Balljungen, verwertete eine präzise Flanke von Arvid Bjerregaard und brachte Sturm 2:1 in Führung. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Eskildsen später mit jugendlicher Unbekümmertheit. Trainer Muratovic hingegen wirkte da schon väterlich gerührt: "Der Bub spielt, als hätte er schon 100 Spiele - und isst trotzdem noch Gummibärchen in der Kabine." Nach der Pause legten die Salzburger noch einmal los. Sie hatten leicht mehr Ballbesitz (51,7 Prozent) und zeigten, warum sie als spielstarkes Team gelten. In der 53. Minute schloss Taner Demirkiran einen sehenswerten Angriff über Einar Schmidt zum 2:2 ab. "Da waren wir kurz zu nett", brummte Sturm-Verteidiger Matthew Marley, der sich beim Gegentor in die falsche Richtung drehte. Dann die Schrecksekunde für Sturm: In Minute 58 musste Linksverteidiger Tiago Adao verletzt raus. "Zieht ein bisschen im Oberschenkel", winkte er ab, aber der Blick des Physiotherapeuten sprach Bände. Für ihn kam Callum Monroe - eigentlich Stürmer, aber was soll’s, dachte sich Muratovic wohl. "Wir haben improvisiert - wie immer, wenn’s spannend wird", grinste der Coach später. Das Spiel wogte hin und her, Salzburg suchte die Lücke, Sturm konterte. 12 Torschüsse der Gastgeber standen 10 der Gäste gegenüber - beinahe eine mathematische Gerechtigkeit. Doch der Fußball liebt keine Gleichung. In der 87. Minute brach Swen Hoppe über links durch, bekam den Ball von Monroe, zog ab - und traf. 3:2. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach gehofft, dass er nicht wieder querlegt", rief Geiger lachend über den Platz, während Hoppe jubelnd in die Kurve sprang. Salzburgs Trainer Ronnie Ekström hingegen rang an der Seitenlinie mit der Fassung. "Wir haben gut gespielt, aber Sturm hatte heute mehr Herz als wir", gab er nach dem Abpfiff zu. Die letzten Minuten waren eine Mischung aus Nervenkrieg und Chaos. Salzburg drückte, Mika Kuqi prüfte Krug in der 88. Minute noch einmal ernsthaft, doch der hielt - und brüllte anschließend so laut, dass selbst die Balljungen kurz stehenblieben. Gelbe Karten sahen Sturms Iker Quixano (10.) und die Salzburger Meyer (75.) sowie Herrero (85.) - allesamt eher symbolisch für ein kampfbetontes, aber faires Spiel. "Es war kein Tänzchen, sondern ehrlicher Fußball", meinte Kapitän Meira, während er sich einen Eisbeutel auf den Knöchel legte. Als Schiedsrichter Payerl um 22:21 Uhr abpfiff, fiel Muratovic seinem Co-Trainer in die Arme. Salzburg stand bedröppelt, Sturm feierte. Die Statistik zeigte: 48 Prozent Ballbesitz, 50,2 Prozent Zweikampfquote, aber 100 Prozent Wille. "Das war kein perfektes Spiel", resümierte Muratovic später in der Pressekonferenz, "aber manchmal reicht Herzblut, wenn die Beine müde sind." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem ein 17-Jähriger Geschichte schrieb, ein 33-jähriger Linksverteidiger kurz Hoffnung brachte - und knapp 40.000 Menschen das Gefühl hatten, dass Fußball, trotz aller Taktik und Daten, immer noch ganz einfach ist: Ball rein - und jubeln. Vielleicht hat Muratovic recht, als er beim Rausgehen noch sagte: "Schönheit vergeht, ein 3:2 bleibt." 07.11.643999 21:43 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde