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Sud America tanzt den Cerrense aus - 2:0-Auswärtssieg mit Stil und Spielfreude

Ein lauer Abend in Uruguay, 39.388 Zuschauer im Estadio Cerrense - und eine Heimmannschaft, die zwar Ballbesitz hatte, aber mit dem Ball so viel anzufangen wusste wie ein Tourist mit einem Mate-Becher ohne Anleitung. CD Cerrense unterlag am 14. Spieltag der 1. Liga Uruguay mit 0:2 gegen Sud America - verdient, deutlich, beinahe elegant.

Schon die Startformationen verrieten den Charakter des Abends: Trainer Leahcim Gnipeur ließ seine Cerrense-Elf defensiv auflaufen, als hätte er Angst, dass zu viel Offensivdrang die Ordnung im Universum stören könnte. Auf der anderen Seite stand Wilhelm Reich, der Sud-America-Coach, dessen Team von Beginn an stürmte, drückte, rannte - und so aussah, als wolle es die 24 Torschüsse, die am Ende in der Statistik standen, unbedingt vollmachen.

Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in vergebener Mühe. Sud America rannte, Cerrense hielt dagegen, aber Torchancen blieben Mangelware. Der junge Rafael Alvaro hatte in der 6. Minute die erste Möglichkeit für die Hausherren, doch sein Schuss landete dort, wo er sich auch noch Minuten später wiederfand - im Fangnetz hinter dem Tor. "Ich hab’s probiert, aber der Ball hatte wohl eigene Pläne", grinste der 19-Jährige nach dem Spiel.

Sud America dagegen kombinierte sich munter durchs Mittelfeld, vor allem über die Flügel. Der flinke Miguel Zapatero und der kraftvolle Silvestre Gonzalo beschäftigten Cerrenses Abwehrreihe ununterbrochen. Nur der Torerfolg blieb zunächst aus. "Wir hätten in der ersten Halbzeit schon zwei, drei machen müssen", schimpfte Reich zur Pause - allerdings mit einem Lächeln, das verriet: Er wusste, dass seine Jungs gleich liefern würden.

Und wie sie lieferten. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, kam Bewegung in den Spielverlauf. In der 50. Minute flankte Reece Grantham von links, der Ball segelte mustergültig in den Strafraum, und Jaime Viana, dieser bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Betonmischers, wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 1:0 Sud America - und das Stadion verstummte für einen Moment, als wäre die Luft raus aus der Hoffnung. "Ich hab gesehen, dass der Keeper zögert. Da dachte ich: Danke, nehm ich!", lachte Viana später.

Cerrense versuchte zu reagieren, stellte auf aggressiveres Pressing um - laut Statistik immerhin ein sichtbares "YES" ab der 90. Minute -, allerdings zu spät. Sud America hatte längst die Kontrolle übernommen. In der 61. Minute legte Grantham nach, diesmal selbst als Vollstrecker. Der agile Engländer zog von der linken Seite nach innen, bekam den Ball von Zapatero und schlenzte ihn präzise ins rechte Eck. 2:0, Spiel entschieden.

Von da an verwalteten die Gäste clever. Sud America spielte weiter nach vorne, ohne die Defensive zu vernachlässigen. Cerrense dagegen suchte verzweifelt nach einem Anschlusstreffer, fand aber nur die Wand aus Aguas, Cunha und Fortun - letzterer frisch eingewechselt, aber sofort hellwach. Die Statistik verrät: 50,8 Prozent Ballbesitz für Cerrense, aber nur acht Schüsse aufs Tor. Das ist, als würde man eine Pizza bestellen und nur den Rand essen.

Trainer Gnipeur zeigte sich nach Abpfiff bemüht, die Fassung zu wahren: "Wir haben gut mitgehalten, aber Sud America war eiskalt. Wir müssen lernen, Chancen zu erzwingen." Sein Gegenüber Reich konterte mit einem Schmunzeln: "Ich mag kalte Mannschaften - die machen warme Punkte."

Besonders auffällig: die körperliche Präsenz der Gäste. Mit 55,8 Prozent gewonnener Zweikämpfe dominierte Sud America nicht nur spielerisch, sondern auch physisch. Gonzalo etwa lieferte sich ein Duell nach dem anderen mit Cerrenses Rechtsverteidiger Joshua Rose, der nach dem Spiel erschöpft meinte: "Ich hab mehr Kilometer gemacht als mein Auto auf dem Weg hierher."

Das Publikum verabschiedete die eigene Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Gewohnheit. Immerhin hatte man einen Gegner gesehen, der zeigte, wie moderner Fußball aussehen kann: Pressing, Tempo, klare Abläufe.

Für Sud America war der Sieg mehr als verdient. Mit 24 Torschüssen und zwei sauber herausgespielten Treffern unterstrich das Team seine Ambitionen in der oberen Tabellenhälfte. Für Cerrense hingegen bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein kein Mittel gegen Spielfreude ist.

Oder, wie es Reece Grantham auf den Punkt brachte, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte: "Wir wollten einfach Spaß haben - und Spaß macht’s halt mehr, wenn du auch triffst."

Ein Satz, der wohl auch in der Kabine von Cerrense nachhallen dürfte - als bittere, aber lehrreiche Pointe eines Abends, an dem Sud America zeigte, wie man Fußball spielt, und Cerrense, wie man ihn erduldet.

08.11.643999 00:21
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Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass die Mannschaft noch nicht reif für die Bundesliga ist. Aber dass einige Spieler so weich in der Birne sind, hätte ich nicht gedacht.
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