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Sud America trotzt Athletic Maldonado ein 2:2 ab - Peretz glänzt doppelt

Ein 2:2, das nach Schweiß, Staub und einer Prise Dramatik schmeckte: Vor 52.193 Zuschauern im Estadio Parque Artigas lieferten sich Sud America und Athletic Maldonado am Dienstagabend ein Duell, das eher an ein Schachspiel auf Speed erinnerte als an ein gemütliches Liga-Match. Beide Teams schenkten sich nichts, beide Trainer schrien sich heiser - und am Ende blieb die Erkenntnis: Ein Punkt für jeden, aber viele Geschichten für die Nachwelt.

Die Partie begann, wie sie endete - mit offenem Visier. Bereits in der 9. Minute brachte Jacinto Peretz die Gastgeber in Führung. Der flinke Rechtsaußen, der an diesem Abend auf Dauerkarte in der Maldonado-Hälfte spielte, verwertete eine Hereingabe von Jorge Postiga eiskalt. "Ich hab ihn gar nicht getroffen, der Ball hat mich eher getroffen", grinste Peretz später, als man ihn auf seinen Volley ansprach.

Doch die Freude währte nur kurz. Athletic Maldonado, trainiert vom stoisch schauenden Huub Stevens, antwortete in der 18. Minute. Und ausgerechnet Bruno Godino, der bullige Linksverteidiger, netzte nach Vorarbeit von Thierry Richard ein. "Ich schieße sonst nur, wenn’s keine andere Option gibt", gab Godino später zu. "Heute hatte ich keine andere Option."

Plötzlich nahm die Partie Fahrt auf. Maldonado drückte, Sud America wackelte - und in der 31. Minute traf der junge Kingsley Coman zum 1:2. Wieder war Richard der Passgeber, der ein nahezu telepathisches Gespür für die Lücken in der Sud-America-Abwehr zeigte. Trainer Wilhelm Reich tobte an der Seitenlinie: "Das war keine Lücke, das war ein Scheunentor!" soll er in Richtung seiner Abwehr gerufen haben.

Die erste Hälfte endete mit einem gelben Karton für Godino, der kurz vor der Pause mehr den Mann als den Ball traf. Seine Reaktion: ein unschuldiger Blick gen Himmel, der selbst den Schiedsrichter kurz zum Lächeln brachte.

Nach dem Seitenwechsel kam Sud America mit frischem Mut - und frischen Kräften. Trainer Reich tauschte gleich dreifach zwischen Minute 57 und 59. Der Plan: mehr Tempo, mehr Risiko. Und siehe da, der Fußballgott zeigte sich beeindruckt. In der 58. Minute schlug wieder Peretz zu, diesmal nach klugem Zuspiel von Javier Castano. 2:2 - und das Stadion bebte.

"Ich wusste, dass wir zurückkommen", sagte Reich nach Abpfiff mit einem Grinsen, das zwischen Trotz und Erleichterung pendelte. "Wenn man Jacinto auf dem Platz hat, braucht man keinen Glücksbringer."

Die letzten 30 Minuten waren ein wilder Tanz: Maldonado suchte verzweifelt den Sieg, Sud America konterte mit Herz und Chaos. Miguel Zapatero prüfte gleich dreimal den gegnerischen Keeper Petri Ylönen (63., 70. und 76.). Ylönen, ein finnischer Eisschrank im Tor, parierte alles - und schrie nach dem dritten Schuss in Richtung Zapatero: "Heute nicht, mein Freund!"

In der 85. Minute hatte Reece Grantham die große Chance zum 3:2, aber sein Schlenzer flog knapp vorbei. Maldonado antwortete mit einem gefährlichen Freistoß, den Keeper Marcos Diez sehenswert aus dem Winkel fischte. "Das war mehr Yoga als Torwartspiel", witzelte ein Fan auf der Tribüne.

Kurz vor Schluss wurde es noch einmal dramatisch: In der 93. Minute sah Mateo Viana Gelb, Bruno Godino humpelte verletzt vom Platz - und wurde Sekunden später ausgewechselt. "Ich wollte durchziehen, aber mein Knöchel sprach Französisch", murmelte der Pechvogel später in der Mixed Zone.

Am Ende stand ein 2:2, das beiden Mannschaften gerecht wurde. Sud America hatte mit 10 Torschüssen leicht die Nase vorn, Maldonado dafür mit 51 Prozent Ballbesitz die elegantere Statistik. "Es war ein ehrliches Spiel", resümierte Huub Stevens nüchtern. "Nur der Rasen war unehrlich."

Die Zuschauer verabschiedeten beide Teams mit Applaus, und selbst der Stadionsprecher klang versöhnt: "Zwei Tore hier, zwei dort - wer braucht da schon Sieger?"

Fazit: Sud America kämpfte, Maldonado konterte, Peretz glänzte - und am Ende blieb ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst. Oder, wie es Trainer Reich beim Hinausgehen murmelte: "Wenn jedes Unentschieden so viel Herz hat, kann ich damit leben."

Ein Punkt, zwei verletzte Stimmbänder bei den Trainern - und 52.000 Fans, die wissen, warum sie Fußball lieben.

17.04.644000 23:59
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