// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion an der Rheinaue bebte, als hätte ganz Beuel beschlossen, die Nacht zum Tag zu machen. 44.193 Zuschauer, ein Flutlicht, das selbst den Rhein glänzen ließ, und zwei Teams, die sich nichts schenkten: SV Beuel gegen Eintracht Völlen. Am Ende stand ein 3:2 für die Gastgeber - ein Ergebnis, das nach Arbeit, Wille und ein bisschen Wahnsinn roch. Dabei begann alles denkbar schlecht für Beuel. Gerade vier Minuten waren gespielt, da kombinierte sich Völlen in feinstem Kurzpassspiel über Lennard Stoll und Juanito Coelho durchs Mittelfeld. Coelho nahm den Ball mit der Brust, ließ Abwehrmann Gauthier stehen und jagte das Leder unhaltbar unter die Latte - 0:1. Die Völlener Ersatzbank jubelte, Trainer Dennis Hees ballte die Faust. "Das war genau das, was wir einstudiert hatten", sagte er später. "Nur leider war’s das dann auch." Denn Beuel antwortete sofort - und wie. Eine Minute nach dem Rückstand packte der 33-jährige Routinier Michel Herrero seinen berüchtigten Außenrist aus. Nach Vorarbeit von Roman Varga, der trotz Gelber Karte in Minute eins mutig nach vorne marschierte, donnerte Herrero den Ball per Direktabnahme ins lange Eck. 1:1 - und das Stadion vibrierte. Doch die Eintracht blieb gefährlich. In der 28. Minute war es erneut Lennard Stoll, der mit einem Pass in die Tiefe Marc Arredondo fand. Der sprintete in den Strafraum, schob cool ein und verletzte sich dabei leicht - eine Szene, die doppelt schmerzte. Arredondo musste kurz darauf ausgewechselt werden, aber das Tor zählte: 1:2 zur Pause. "Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, wir sind Beuel, keine Schachspieler. Also bitte wieder Fußball", erzählte Trainer René Kuhl später mit einem Grinsen. Offenbar hatte er damit den richtigen Nerv getroffen. Die zweite Halbzeit begann mit zwei frischen Kräften - Geier und Behrens kamen für die Gelb-belasteten Verteidiger. Und mit einem anderen Gesicht. Zwar blieb der Ballbesitz mit 44 Prozent klar auf Seiten der Gäste, doch Beuel kämpfte sich in jeden Zweikampf (53 Prozent gewonnen), als ginge es um das letzte Stück Kuchen bei Oma. In der 62. Minute dann der verdiente Lohn: Mario Sousa flankte punktgenau von rechts, und Tiago Almeida stieg höher als alle anderen - Kopfball, Tor, 2:2! Der Portugiese rannte jubelnd zur Trainerbank, wo Kuhl ihm zurief: "Endlich wach, Tiago!" Almeida lachte nur: "Ich brauchte halt meinen Espresso in der Halbzeit." Nur vier Minuten später drehte derselbe Almeida die Partie. Diesmal kam die Vorlage von Jorge Quaresma, der sich auf links durchgetankt hatte. Almeida nahm den Ball volley - 3:2, das Stadion explodierte. "Wenn ich treffe, dann richtig", grinste der Doppeltorschütze hinterher. Völlen versuchte in der Schlussphase alles. Trainer Hees stellte auf starkes Pressing um, ließ seine Mannschaft offensiver anlaufen. Doch der Beueler Abwehrblock hielt - Torwart Jay Reid pflückte, was in seine Nähe kam, und Innenverteidiger Cameron Cunningham klärte in der 87. Minute per Grätsche auf der Linie. Die letzten Minuten? Eine Mischung aus Drama, Nervenschlacht und lautem Durchatmen. Auf der Tribüne wurde gezittert, auf dem Rasen geackert, und als der Schlusspfiff ertönte, fielen einige Beueler Spieler einfach rücklings ins Gras. Statistisch gesehen war es kein Spiel für Feinschmecker: Mehr Ballbesitz für Völlen, aber weniger Effizienz. 13 Torschüsse für Beuel, acht für die Gäste - und jede Menge Emotionen. "Ich glaub, wir haben heute gelernt, dass Ballbesitz keine Tore schießt", sagte Hees trocken. Trainer Kuhl fasste es etwas poetischer: "Das war kein schönes Spiel, aber ein schönes Ergebnis." Vielleicht war es genau das: ein Abend, an dem Leidenschaft über System siegte, an dem Routine und jugendlicher Übermut gemeinsam ein Comeback schrieben. Und als die Fans später durch die Straßen zogen, sangen sie irgendwas von "Beuel lebt!" - und das klang nach mehr als nur einem Fußballspiel. Nach diesem 3:2 wird man in Beuel wohl noch eine Weile davon erzählen. 11.01.643997 22:47 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
Berti Vogts über die verspätete Ankunft von Mario Basler in Südafrika