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SV Meppen tanzt TuS Hordel schwindelig - 3:0 trotz Unterzahl

Ein Freitagabend in Meppen, Flutlicht, 23.448 Zuschauer - und am Ende ein Spiel, das man getrost als Lehrfilm über Effizienz bezeichnen kann. Der SV Meppen schlägt TuS Hordel mit 3:0, obwohl die Emsländer über eine halbe Stunde in Unterzahl spielten. Und das, obwohl sie weniger Ballbesitz hatten (39 Prozent). Aber wer braucht schon Ball, wenn er Tore schießen kann?

Von Beginn an machte Meppen klar, dass sie hier nichts verschenken wollten. Bereits in der ersten Minute prüfte Yanik Beier den Hordeler Keeper Davide Lorenzo mit einem zackigen Abschluss. "Ich dachte, wir hätten den Ball, aber offenbar hatte Meppen andere Pläne", grinste Hordel-Trainerin Ute Finkeldy nach dem Spiel gequält.

Die Gastgeber spielten mutig nach vorne, und es dauerte nicht lange, bis sich das auch auf der Anzeigetafel bemerkbar machte. In der 30. Minute war es der junge Stefan Großmann, der nach feiner Vorarbeit von Beier den Ball ins Netz hämmerte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der 20-Jährige später mit einem verschmitzten Grinsen. "Yanik meinte noch, ich solle querlegen, aber da war’s schon zu spät."

TuS Hordel hatte zwar mehr vom Ball, aber wenig damit anzufangen. Die Gäste kombinierten gefällig bis 20 Meter vor dem Tor - und verloren dann regelmäßig den Faden. Meppen dagegen nutzte fast jede Gelegenheit zum Abschluss. In der 44. Minute war es erneut Beier, diesmal selbst als Vollstrecker, nachdem Innenverteidiger Nils Schilling überraschend den Turbo zündete und den Ball querlegte. 2:0 - und Meppen jubelte, als ginge es um den Aufstieg.

Die zweite Hälfte begann dann mit einem Paukenschlag - allerdings einem unfreundlichen. In der 57. Minute sah Meppens Rechtsverteidiger Jürgen Frei glatt Rot, nachdem er Hordels Linksaußen Joel Schumacher unsanft gestoppt hatte. "Ich wollte nur zum Ball. Leider war der Ball gerade nicht da", erklärte Frei später mit einem entschuldigenden Lächeln. Trainer Daniel Borgmann reagierte sofort, brachte Philipp Keller für den offensiven Ernst Gruber und formierte die Defensive neu.

Doch wer dachte, die Unterzahl würde Meppen schwächen, irrte. Hordel mühte sich, kam zu einigen Abschlüssen - Tim Pfeiffer (70.) und Gunborg Brun (86.) versuchten es, doch Meppen-Keeper Tobias Stefan hatte einen dieser Abende, an denen man ihm auch aus fünf Metern nichts anhaben kann.

Und dann kam die 79. Minute: Der eingewechselte Jannik Krämer setzte sich auf links durch, flankte flach in die Mitte, und Pascal Otto schob eiskalt zum 3:0 ein. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend. "Da war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagte Otto später. "Und ich durfte endlich mal einen Pass von Jannik verwerten - das passiert nicht oft." Borgmann lachte im Hintergrund: "So ein Tor nach Unterzahl, das nimmt man mit Kusshand."

Die letzten Minuten waren Schaulaufen. Hordel versuchte es noch einmal, Meppen verteidigte clever, und die Fans sangen sich warm für die Nacht. Am Spielfeldrand sah man Finkeldy mit verschränkten Armen - sie wusste, dass ihre Mannschaft zwar mehr Ballbesitz, aber weniger Sinn fürs Wesentliche hatte. "Das ist das alte Lied", sagte sie. "Wir haben das Spiel kontrolliert - nur das Falsche."

Statistisch liest sich das Ganze fast absurd: 20 Torschüsse für Meppen, nur 5 für Hordel. 39 Prozent Ballbesitz für den Sieger, 61 für den Verlierer. Eine dieser Partien, bei denen man sich fragt, ob der Fußballgott nicht doch eine Vorliebe für Ironie hat.

Trainer Borgmann fasste es nach Abpfiff trocken zusammen: "Wir wollten Tore schießen, nicht Statistiken gewinnen." Und das ist wohl das Motto, mit dem Meppen an diesem Abend die 2. Liga ein Stück heller leuchten ließ.

Am Ende blieb das Flutlicht noch lange an, die Fans wollten ihre Helden nicht gehen lassen. Irgendwo auf der Tribüne rief einer: "Drei Tore, ein Platzverweis - das nenn ich Unterhaltung!" Und man kann ihm kaum widersprechen.

Denn selten hat ein 3:0 so viel Chaos, Drama und Spielfreude in sich vereint wie dieses Meppener Meisterstück.

12.03.644000 18:05
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