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Ein lauer Aprilabend, 20.30 Uhr, Flutlicht an, 20.000 Zuschauer im Stadion - und ein SV Mödling, der offenbar beschlossen hatte, dass Frühling auch Offensivwetter bedeutet. Mit einem deutlichen 4:1-Sieg gegen Veilchen Salzburg hat die junge Mödlinger Truppe am 17. Spieltag der 2. Liga Österreich ein Ausrufezeichen gesetzt - und den Gästen aus Salzburg gezeigt, dass Balance in der Taktik zwar schön klingt, aber auf dem Platz manchmal langweilig aussieht. Dabei begann alles nach Maß für die Veilchen: Schon in der 6. Minute köpfte Innenverteidiger Elias Fröhlich nach einer butterweichen Flanke von Phillip Blume zum 0:1 ein. "Da dachte ich, das läuft heute", gestand Fröhlich später mit einem bitteren Lächeln. Es lief - allerdings in die falsche Richtung. Nur drei Minuten später schlug Mödling zurück. Ein Standard, eine unübersichtliche Szene im Strafraum, und Ronald Funk, eigentlich Innenverteidiger und erst 19 Jahre jung, drosch den Ball kompromisslos ins Netz. 1:1 - und das Stadion erwachte. "Ich wollte den eigentlich nur klären", grinste Funk nach dem Spiel. "Aber wenn er halt reingeht, sag ich nicht nein." Ab da nahm das Spiel einen Verlauf, der Salzburgs Trainer Johannes Weckwerth noch lange beschäftigen dürfte. In der 16. Minute kombinierte sich Mödling über links durch - Michael Lux legte quer, und Uwe Hausmann vollendete aus spitzem Winkel. 2:1, die Partie gedreht, und die Tribüne bebte. Weckwerth schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf und murmelte etwas, das man wohlwollend als "Taktikanalyse" bezeichnen könnte. Noch vor der Pause (32.) sorgte Lux selbst für die Vorentscheidung: Der 23-Jährige nahm eine flache Hereingabe des 18-jährigen Robert Wahl direkt und traf mit links. 3:1 - und die Veilchen wirkten plötzlich so farblos wie ihr Name das Gegenteil verspricht. "Wir haben uns in der Kabine angeschaut und gesagt: Jetzt bloß nicht nachlassen", erzählte Mödling-Kapitän Dennis Meissner. Gesagt, getan - auch wenn die zweite Hälfte spielerisch ruhiger verlief. Salzburg mühte sich, kam auf neun Torschüsse (Mödling 16), hatte phasenweise fast 48 Prozent Ballbesitz, aber nie so richtig Zugriff. Und als die Gäste in der 76. Minute zu weit aufrückten, sorgte der jüngste Mödlinger für den Schlusspunkt: Knud Moritz, 18, gelbverwarnt, mutig, schoss nach einem Zuspiel von Stephan Wilke den Ball an Freund und Feind vorbei ins lange Eck. 4:1 - Deckel drauf. "Ich hab kurz überlegt, ob ich überhaupt nach vorne laufen darf", sagte Moritz später lachend. "Dann hab ich’s einfach gemacht. Der Trainer wird’s mir hoffentlich verzeihen." Der Trainer - dessen Name in den Daten leider unterging, aber dessen Gesichtsausdruck Bände sprach - nickte zufrieden: "So stelle ich mir Mut vor. Knud hat’s einfach probiert." Salzburg dagegen blieb blass. Blume und Vetter versuchten, den Anschluss herzustellen, doch Mödling-Keeper Jeremei Iwanow hielt alles, was kam - und plauderte danach in der Mixed Zone locker: "Ich hatte heute mehr Zeit, mir die neuen Schuhe anzuschauen, als mir lieb war." Die Statistik untermauert das Bild: Mödling mit leichtem Ballbesitzvorteil (52,6 %), mehr Torschüssen (16:9) und einer besseren Zweikampfquote (52,8 %) - kein Wunder also, dass der Abend für die Gastgeber in Jubel endete. Die Veilchen hingegen wirkten taktisch wie eingefroren: "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Weckwerth. "Aber irgendwann war’s wohl zu ruhig." Die Fans in Mödling feierten ihre Youngsters, die auf dem Rasen spielten, als hätten sie nie etwas anderes getan. Vier verschiedene Torschützen, drei davon unter 23 - das klingt nach Zukunftsmusik, nicht nach Zufall. Beim Abpfiff um 22.20 Uhr stand das Stadion längst Kopf. "Das war ein Abend, an den man sich erinnert", sagte Michael Lux, der mit einem Tor und einer Vorlage zum Spieler des Spiels gewählt wurde. Dann fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald den Bus zur Bundesliga mieten." Salzburg hingegen trat die Rückreise still an - vielleicht mit der Erkenntnis, dass man auch in einer "balancierten" Taktik manchmal kippen kann. Ein Fazit bleibt: Der SV Mödling hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch ein Stück Selbstvertrauen, das größer ist als mancher Zweitligastraßenabschnitt. Und wer weiß - vielleicht wird man in ein paar Jahren sagen: Es begann mit einem 4:1 gegen die Veilchen. Und irgendwo in Mödling wird Knud Moritz dann wieder lächeln und sagen: "Ich wollte den eigentlich nur klären." 22.07.643996 08:13 |
Sprücheklopfer
Irgendwann mal wieder gewinnen, und das versuchen wir zu probieren.
Oliver Kahn auf die Frage, was man denn gegen die Krise tun könne