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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Runde wirklich ins Eckige muss - oder ob es bei SV Rohrbach einfach nicht darf. Vor 43.872 Zuschauern im restlos ausverkauften Stadion kassierte die Mannschaft von Trainer Maik Kuntz am 30. Spieltag der 1. Liga Deutschland eine bittere 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Eschborn. Bitter deshalb, weil Rohrbach 13 Torschüsse abfeuerte, während die Gäste mit acht Versuchen eiskalt und effizient agierten. Schon nach elf Minuten war die gute Laune der Heimfans dahin. Eschborns Rechtsaußen Jacob Holz zog nach Zuspiel von Bernt Geier ab - und traf mit chirurgischer Präzision ins lange Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Rohrbach-Torhüter Heinz Heise später lakonisch. Er täuschte sich. Holz grinste nach dem Treffer und erklärte: "Wir trainieren das so - einmal pro Saison, und heute war’s soweit." Doch Rohrbach reagierte prompt. Nur neun Minuten später jubelte das Stadion: Georg Lindner, der agile Linksaußen, verwertete eine Flanke von Rechtsverteidiger Georg Behrendt zum 1:1. Zwei Georgs, ein Gedanke - und endlich auch ein Tor. "Da haben wir kurz gezeigt, was wir können", meinte Trainer Kuntz. "Leider war’s auch wirklich nur kurz." Denn Eschborn schlug wieder zu. In der 42. Minute, als Rohrbach gerade begann, an die eigene Stärke zu glauben, bedankte sich Bernt Geier für den Assist zehn Minuten zuvor und revanchierte sich bei Holz mit einem perfekten Doppelpass, der im 1:2 endete. Wieder keine Chance für Heise, dafür umso mehr wild gestikulierende Rohrbacher Verteidiger. In der Pause war die Stimmung in der Kabine laut einem Insider "explosiv wie eine geöffnete Cola-Flasche". Kuntz soll seine Spieler gefragt haben, ob sie den Ball vielleicht lieber mit den Händen ins Tor tragen wollten. "War nicht persönlich gemeint", scherzte er nach dem Spiel, "aber manchmal hilft Ironie besser als Taktiktafel." Eschborns Coach Yas Sin dagegen blieb cool: "Wir wollten über die Mitte kommen, das war der Plan - und das hat funktioniert." Tatsächlich bewiesen seine Männer taktische Disziplin. Während Rohrbachs Konzept "auf Konter spielen" zwar mutig klang, aber gegen die kompakt stehenden Eschborner kaum Wirkung zeigte, verlagerte Sin sein Team geschickt zwischen aggressivem Zentrumsspiel und gelegentlichem Pressing. Die zweite Halbzeit begann mit einer Rohrbacher Schlussoffensive, die sich allerdings über 45 Minuten erstreckte. Kremer, Johansson, Lindner - sie alle hatten Chancen, aber der Ball fand den Weg ins Netz nicht mehr. Eschborns Keeper Logan Cochran war der Mann des Abends, fischte in der 51. Minute einen Schuss von Kremer aus dem Winkel und hielt kurz darauf mit einem Hechtsprung gegen Behrendt das Ergebnis fest. "Ich hatte das Gefühl, der Ball zieht mich magisch an", lachte Cochran später. Eschborn verlegte sich aufs Kontern, Buchholz prüfte Heise in der 54. und 67. Minute, während Rohrbach den Druck erhöhte. Maik Kuntz wechselte fleißig: Kremer kam für Kurt Roth (57.), der später verletzt ausschied, Rodriguez ersetzte Hübner (68.), Ali für Busch (70.). Doch egal, wer kam - das Tor blieb wie vernagelt. In der Schlussphase wurde es hitzig. Drei Gelbe Karten für Eschborn (Sestak, Ledig, Buchholz) und eine für Rohrbachs Seifert zeugten von der physischen Intensität. Als der junge Hermann Hoffmann in der 92. Minute noch einmal abzog, hielt das halbe Stadion den Atem an - doch der Ball zischte Zentimeter über die Latte. Cochran drehte sich um, schaute ins Publikum und klatschte ironisch in die Hände. "Zwei Tore, acht Schüsse. Das ist fast schon unverschämt effizient", grinste Eschborns Matchwinner Geier nach dem Spiel. Sein Trainer Yas Sin ergänzte trocken: "Effizienz ist auch eine Form der Kunst." Rohrbachs Kapitän Lindner hingegen fasste das Ganze resigniert zusammen: "Wir hatten mehr vom Spiel, aber sie hatten mehr vom Ergebnis." Am Ende blieb den Fans des SV Rohrbach nur der Applaus für eine engagierte Leistung und ein bisschen Galgenhumor. Die Statistik sprach eigentlich für sie - 47 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, 13 Torschüsse. Nur eben ein Tor. Ob das Spiel ein Dämpfer im Kampf um die oberen Tabellenplätze wird, bleibt abzuwarten. Maik Kuntz verabschiedete sich jedenfalls mit einem Satz, der hängenbleibt: "Wer so spielt und trotzdem verliert, der braucht beim nächsten Mal einfach eine Portion Glück - und vielleicht einen größeren Ball." Ein Abend voller Leidenschaft, Pech und Eschborner Präzision - Fußball kann so ungerecht sein, und genau deshalb lieben wir ihn. 31.12.643996 06:18 |
Sprücheklopfer
Für mich gibt es nur 'entweder-oder'. Also entweder voll oder ganz!
Toni Polster