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SV Rohrbach zerlegt Beuel - Kremer trifft dreifach beim 6:2-Heimsieg

Wenn ein Team mit Vollgas-Fußball die Arena zum Beben bringt, dann war es an diesem Dienstagabend der SV Rohrbach. 45.485 Zuschauer sahen beim 6:2 (3:2) gegen den SV Beuel ein Spektakel, das irgendwo zwischen Offensiv-Gala und Lehrfilm über konsequente Chancenverwertung pendelte - zumindest aus Sicht der Hausherren.

Schon nach acht Minuten ließ Michael Maier die Heimfans jubeln. Der 23-jährige Rechtsaußen, ohnehin ein Wirbelwind mit eingebautem Turbo, zog nach Pass von Innenverteidiger Joschua Seifert nach innen und drosch das Leder humorlos in den Winkel. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Trainer Maik Kuntz später. "Aber Maier hat wohl andere physikalische Gesetze."

Beuel, anfangs mit offensiver Grundordnung und der Idee, mitzuspielen, antwortete durch Tiago Almeida (28.) - ein sauberer Abschluss nach Flanke von Mario Sousa. Doch genau als die Gäste sich sortiert zu haben schienen, schlug Rohrbach doppelt zurück. Erst traf Joschua Kremer (33.) nach feinem Zuspiel von Carl Rodriguez, dann glich Beuels Vladimir Valachovic im direkten Gegenzug erneut aus (34.). Das Spiel war nun ein offener Schlagabtausch, die Latte vibrierte noch vom letzten Rohrbacher Pfostenkracher, als die nächste Großchance kam.

Kurz vor der Pause (43.) sorgte Rechtsverteidiger Georg Behrendt mit einem Schuss Marke "Warum nicht mal selbst?" für das 3:2. "Ich hab eigentlich flanken wollen", gab er zu und lachte schelmisch. "Aber der Ball hat sich’s anders überlegt."

Nach dem Seitenwechsel ging Rohrbach in den Overdrive. Kremer legte in der 47. Minute nach, wieder nach feinem Pass von Hermann Hoffmann - und krönte seine Gala eine Viertelstunde später (54.) mit seinem dritten Treffer des Abends. Das Stadion tobte, während Trainer Kuntz an der Seitenlinie so tat, als würde er über die Wasserflasche stolpern. "Dreimal getroffen, das muss ich wohl im Vertrag anpassen", witzelte Kremer später in der Mixed Zone.

Beuel dagegen hatte Mühe, den Ball überhaupt noch über die Mittellinie zu bekommen. Zwar hielt Torwart Jay Reid, was zu halten war (und einiges mehr, was man ihm nicht zutrauen wollte), doch die Abwehr um Cameron Cunningham - der bereits früh Gelb sah - wackelte bedenklich. Als dann auch noch Georg Lindner in der 74. Minute nach Vorarbeit des eingewechselten Jürgen Busch das halbe Dutzend vollmachte, war der Abend endgültig entschieden.

Busch selbst hatte eben erst für den verletzten Edvard Ali übernommen und brachte frischen Schwung über links. "Ich bin 34, aber die Beine funktionieren noch", grinste er. Beuel-Trainer René Kuhl sah das anders: "Wir hätten ihn einfach nicht so frei flanken lassen dürfen. Da half auch beten nichts."

In der Schlussphase verlor Beuel dann auch noch Elof Anderson mit Gelb-Rot (92.), was sinnbildlich für den gebrauchten Abend der Gäste stand. "Wenn man hinten sechs kassiert, ist’s egal, ob man zu zehnt oder zu elft ist", brummte Kuhl trocken.

Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 20 Torschüsse für Rohrbach, nur sieben für Beuel. 56 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die die Dominanz unterstreichen. Rohrbach spielte offensiv, aggressiv und mit einer Leichtigkeit, die fast schon ansteckend wirkte.

Nach dem Abpfiff tanzten die Fans auf den Rängen, während Kuntz seine Mannschaft in einer lockeren Runde abklatschte. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur kämpfen, sondern auch Spaß haben können", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Und wenn’s Spaß macht, fallen die Tore von allein."

Beuel hingegen trat die Heimreise mit hängenden Köpfen an. Torjäger Almeida, immerhin mit einem Treffer, murmelte: "Sechs Gegentore sind zu viel - selbst auf der Playstation ist das schwer zu verdauen."

Ein Fazit, das man unterschreiben kann: Rohrbach war an diesem Abend schlicht eine Nummer zu groß. Und während die Fans noch "Rohrbach, ole!" sangen, dachte manch einer wohl: Wenn die so weitermachen, wird’s in dieser Liga bald eng - für die Gegner.

Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Früher war’s der SV Rohrbach - heute ist’s der SV Hurra-Fußball."

18.04.644000 05:51
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