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SV Warnemünde schießt sich in den Ostsee-Frühling - 4:1 gegen FC Marzahn

Ein Dienstagabend an der Ostsee, Flutlicht, 25.655 Zuschauer und ein SV Warnemünde, der offenbar beschlossen hatte, den Frühling mit einem Offensivfeuerwerk zu begrüßen. Am 24. Spieltag der 2. Liga Deutschland fertigten die Nordlichter den FC Marzahn mit 4:1 (3:1) ab - und das mit einer beeindruckenden Mischung aus Spielfreude, Witz und einer Prise Küstencharme.

Schon nach sieben Minuten war das heimische Ostseestadion auf Betriebstemperatur: Markus Brunner, der flinke Linksaußen mit der Haarlänge eines Surfers, traf nach Vorarbeit von Johannes Adam zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man so früh trifft, riecht man das Meer noch im Schuss", grinste Brunner später. Es war der Auftakt zu einem Abend, der für die Gäste aus Berlin-Marzahn schnell ungemütlich werden sollte.

Doch kurz darauf meldete sich die Jugend aus der Hauptstadt: Der 17-jährige Marco Jacob, offenbar unbeeindruckt von Meerwind und Lautstärke, glich in der 17. Minute nach Pass von Patrick Moritz eiskalt zum 1:1 aus. "Ich hab kurz gedacht, jetzt kippt das Ding", gab Warnemündes Trainer Horst Horstmann später zu. "Aber dann haben meine Jungs einfach weitergemacht - so wie beim Wind: immer gegenhalten."

Und weitergemacht haben sie tatsächlich. Nur vier Minuten später stellte Manuel Pelegrin mit einem wuchtigen Schuss aus halbrechter Position wieder auf 2:1, erneut mit Adam als Vorlagengeber. Die Heimfans sangen, die Fischbrötchenverkäufer kamen kaum hinterher. Als dann kurz vor der Pause auch noch Rechtsverteidiger Ralf Lehmann nach einer butterweichen Flanke von Manfred Seifert das 3:1 erzielte (41.), war das Stadion endgültig in Feierlaune.

"Wenn selbst der Rechtsverteidiger trifft, läuft’s", lachte Kapitän Maik Stephan nach dem Spiel. Er hatte recht: Warnemünde war in dieser Phase kaum zu bremsen. 16 Torschüsse insgesamt, fast jeder zweite aus aussichtsreicher Position - die Offensive brannte.

FC Marzahn dagegen kämpfte - manchmal etwas zu beherzt: Peter Jacobsen holte sich zunächst in der 26. Minute Gelb ab und verabschiedete sich in der 74. Minute mit Gelb-Rot. "Ich wollte eigentlich nur den Ball spielen", erklärte er später, was seine Mitspieler mit einem vielsagenden Schweigen quittierten. Trainer Frank Henning war weniger diplomatisch: "Das war dämlich. Wir hatten gerade wieder Luft geschnappt."

Zu diesem Zeitpunkt hatte Markus Brunner längst seinen zweiten Treffer des Abends erzielt (54.), nach feiner Flanke von Pelegrin. 4:1 - und die Ostsee tobte. "Ich weiß gar nicht, was schöner war - das Tor oder der Moment, als die Welle durch die Kurve ging", sagte Brunner, der mit zwei Treffern und unzähligen Sprints zum Mann des Abends avancierte.

Die Gäste versuchten in Unterzahl noch Schadensbegrenzung. Der junge Jacob schoss in der 76. und 92. Minute noch zweimal gefährlich aufs Tor, doch Warnemündes Keeper Kai Wild - später durch den 20-jährigen Finn Bertram ersetzt - hielt sicher. "Der Junge hat’s gut gemacht", lobte Wild seinen Nachfolger, "ich hab ihm gesagt: Lass dich vom Wind tragen, aber nicht vom Ball."

Marzahn hatte zwar etwas mehr Ballbesitz (50,4 Prozent), doch das war eine optische Täuschung - die gefährlicheren Szenen gehörten klar den Gastgebern. Warnemünde agierte offensiv, lauffreudig, mit einem Pressing, das zwar nur "bei Rückstand" vorgesehen war, aber phasenweise wirkte, als hätte Horstmann die Regler einfach auf Dauerfeuer gestellt.

In der Schlussphase gönnte sich der Trainer noch ein paar Wechsel: Der 17-jährige Florian Busch durfte für Pelegrin ran, Jakob Brandt ersetzte Seifert - und beide machten ihre Sache ordentlich. "Die Jungs sind heiß. Man merkt, dass sie Spaß haben", fasste Horstmann zusammen. "Wenn wir so weiterspielen, kann der Sommer kommen - und vielleicht auch die erste Liga."

Am Ende stand ein verdienter 4:1-Sieg, eine klare Ansage an die Konkurrenz und ein zufriedenes Publikum, das sich mit leuchtenden Augen in die kühle Nacht verabschiedete. Nur Marzahns Coach Henning wirkte, als bräuchte er dringend einen langen Spaziergang an der Promenade. "Warnemünde war heute einfach besser. Und ehrlicherweise: schöner anzusehen", sagte er mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Resignation und Anerkennung lag.

Und während die Flutlichter langsam erloschen, fasste ein älterer Fan mit Schal und Ostseehaube das Spiel wohl am besten zusammen: "Vier Tore, keine Möwe getroffen - das nenn ich Effizienz."

Ein Satz, den Horst Horstmann sicher unterschreiben würde.

14.06.643993 05:18
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