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SV Warnemünde verschenkt Sieg gegen TuS Hordel - Pfeiffer trifft doppelt

Ein Ostseeabend, wie er im Drehbuch nicht schöner stehen könnte: Flutlicht, 25.564 Zuschauer im Stadion am Meer, dazu ein SV Warnemünde, der über weite Strecken das Spiel kontrollierte - und sich am Ende doch nur mit einem 2:2 gegen freche Gäste vom TuS Hordel begnügen musste. Trainer Horst Horstmann sah nach Abpfiff aus, als hätte er einen ganzen Eimer Nordseewind verschluckt. "So ein Ding darfst du nicht mehr hergeben", knurrte er, während er sich die nasse Stirn abwischte.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Warnemünde spielte in der ersten Halbzeit wie die Möwen nach einem Fischkutter - gierig, schnell, unermüdlich. Schon in der 19. Minute durfte gejubelt werden: Der 20-jährige Markus Brunner, der aussieht, als gehe er sonst mit dem Fahrrad zur Uni, drückte den Ball nach feiner Vorarbeit von Maik Stephan über die Linie. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Brunner später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Manchmal hilft’s, nicht nachzudenken."

Das 2:0 folgte nur 17 Minuten später - und wie! Manuel Pelegrin, der rechte Mittelfeldmotor, hämmerte das Leder nach Vorlage von Innenverteidiger Raphael Wilke humorlos in die Maschen. Ein Tor aus der Kategorie "Jetzt ist aber gut". Die Fans auf der Tribüne sangen, die Bratwürste schmeckten doppelt so gut, und selbst Trainer Horstmann klopfte seinem Assistenten auf die Schulter.

Doch dann, fast aus dem Nichts, meldete sich TuS Hordel zurück. Tim Pfeiffer - 25 Jahre alt, Mittelstürmer, und ganz offensichtlich mit der Lizenz zum Nerven - nutzte in der 41. Minute die erste echte Chance der Gäste. Nach einem mustergültigen Pass von Curt Schöne schob er überlegt ein. "Wir haben gewusst, dass Warnemünde hinten nicht unantastbar ist", erklärte Pfeiffer später, "und genau da haben wir reingestochen."

Mit 2:1 ging es in die Pause, und während Horstmann in der Kabine seine Defensive neu sortierte, schwor Gästecoach Ute Finkeldy ihre Jungs auf "noch 45 Minuten Spaß" ein. Spaß hatten sie tatsächlich - vor allem Pfeiffer. In der 56. Minute stand er wieder da, wo ein Stürmer stehen muss: richtig. Nach einem klugen Zuspiel von Günther Pfeiffer (ja, der jüngere Bruder) netzte er zum 2:2 ein. Doppelschlag in zwei Akten, die Familie Pfeiffer hatte ihre eigene kleine Erfolgsgeschichte geschrieben.

Warnemünde reagierte, aber das Spiel kippte. Zwar hatten die Gastgeber am Ende mit 12:7 Torschüssen und minimal mehr Ballbesitz (50,4 %) die Nase vorn, doch es fehlte der letzte Punch. Vielleicht auch, weil Horstmanns Team gegen Ende auf "lange Bälle mit vollem Einsatz" umstellte - laut Taktikdaten eine Art Fußballversion von "Augen zu und durch".

In der 70. Minute rauschte Ralf Lehmanns Versuch knapp über die Latte, in der 85. zischte Günter Kunzes Schuss am Pfosten vorbei. Dazwischen gab’s reichlich Gelb: Karsten Runge (14.), Robert Held (72.) und auf Heimseite Marcos Goncalves (82.) sahen den Karton für kleinere Vergehen - oder, wie Finkeldy trocken sagte: "Für zu viel Leidenschaft in einem ansonsten ordentlichen Fußballspiel."

Die Schlussphase war dann ein offener Schlagabtausch. Pfeiffer hätte fast noch seinen Hattrick geschnürt (86.), scheiterte aber an Kai Wild im Warnemünder Tor, der mit einer Glanzparade den Punkt rettete. "Ich dachte schon, der Ball ist durch", lachte Wild später, "aber meine Handschuhe hatten da wohl andere Pläne."

Nach Abpfiff klatschten die Fans beider Teams - teils aus Begeisterung, teils aus Erleichterung. Warnemünde bleibt mit dem Remis im Mittelfeld der 2. Liga, Hordel sammelt einen Punkt gegen einen nominell stärkeren Gegner. "Das fühlt sich an wie ein Sieg", jubelte Finkeldy, während Horstmann nur den Kopf schüttelte: "Wenn wir so verteidigen, wird’s schwer, oben anzugreifen."

Ein gerechtes 2:2 also, mit allem, was ein Montagabendspiel braucht: vier Tore, ein bisschen Drama, ein paar gelbe Karten und jede Menge Gesprächsstoff. Und irgendwo auf der Rückfahrt nach Hordel wird Tim Pfeiffer gesessen haben, Kopfhörer auf, leises Grinsen im Gesicht - denn wer zwei Tore macht, darf das Radio auch mal lauter drehen.

Kurzum: ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - außer vielleicht die Abwehr von Warnemünde, die das am liebsten sofort täte.

02.04.643990 05:43
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