Tuttosport
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Tarrega trifft doppelt - Gela ringt Lecce nieder

Wenn 43.500 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Stadio di Gela pilgern, dann hoffen sie auf Spektakel - und sie wurden nicht enttäuscht. Gela besiegte UD Lecce am 19. Spieltag der 1. Liga Italien mit 2:1 (1:1) und verdiente sich den Sieg mit mehr Spielanteilen, mehr Torschüssen und einer Prise süditalienischer Dramatik.

Schon nach vier Minuten aber herrschte Schockstarre in der Curva Sud: Lecsces junger Rechtsaußen Emanuele De Simone, gerade einmal 20 Jahre alt, zirkelte den Ball nach feinem Zuspiel von Cesare Cosentino ins linke Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste De Simone später und sorgte damit für ungläubiges Gelächter beim Pressegespräch. Trainer Mario Weinzettl dagegen blieb ernst: "Das war kein Zufall. Wir wollten früh Zeichen setzen."

Nun ja, das Zeichen war gesetzt - aber Gela reagierte. Und wie. Trainer Michael Müller, der an der Seitenlinie zwischen Choleriker und Schachgroßmeister pendelte, peitschte seine Mannschaft nach vorn. "Macht Druck, Leute, das ist kein Museumsbesuch!", brüllte er, als wäre er persönlich für die Lautstärkequote bezahlt. In der 22. Minute wurde sein Engagement belohnt: Julian Martins setzte sich auf links durch, flankte butterweich in die Mitte, und Pablo Tarrega köpfte unhaltbar zum Ausgleich ein.

Von da an spielte fast nur noch Gela. 16 Torschüsse standen am Ende zu Buche - Lecce brachte es auf ganze drei. Der Ballbesitz sprach ebenfalls eine deutliche Sprache: 54,5 Prozent für das Heimteam, das sich in der zweiten Halbzeit in einen kleinen Rausch kombinierte. Besonders Javier Vazques hatte scheinbar beschlossen, den gegnerischen Torwart Mattia Capriotti persönlich zu prüfen - und das gleich mehrfach (2., 13., 33., 45., 68., 82. Minute).

"Wenn Javier heute noch eine Stunde weitergespielt hätte, wäre irgendwann einer reingegangen", witzelte Müller nach dem Spiel. Doch das entscheidende Tor fiel nicht durch den Flügelwirbelwind, sondern erneut durch Tarrega. In der 77. Minute war es wieder Martins, der sich auf links durchtankte, den Ball in den Strafraum brachte, und Tarrega vollendete mit einer Coolness, die man sonst nur von Leuten kennt, die ihr Espresso ohne Zucker trinken.

Lecce versuchte danach, noch einmal Druck aufzubauen, aber außer zwei Gelben Karten (Cropani in der 85., Rose in der 95.) sprang nicht viel heraus. Weinzettl wechselte zweimal in der 60. Minute - die blutjungen Basile und Carpanzano durften ran, vermutlich um Erfahrung zu sammeln oder sich an die Härte der Realität zu gewöhnen. "Mit 17 ist man mutig, aber manchmal rennt man eben in die falsche Richtung", seufzte der Coach später mit einem Anflug von Ironie.

Gela dagegen wechselte clever: Tregubow kam für den müden Cochran (68.), David Martin ersetzte den überragenden, aber erschöpften Martins (85.), und kurz vor Schluss durfte Philippe Graves noch ein paar Minuten Spielzeit schnuppern. "Ich habe ihn gebracht, damit er wenigstens duschen darf", grinste Müller. Das Publikum feierte jeden Pass, jede Grätsche - und spätestens, als Tarrega in der Nachspielzeit (93.) noch einen Schuss ansetzte, der knapp vorbeiging, war klar: Hier wächst etwas zusammen.

Statistisch war das Spiel fast eine Lehrstunde in Effizienz - oder besser gesagt: in deren Fehlen. Gela hätte das Ergebnis locker ausbauen können, aber vielleicht passte das knappe 2:1 einfach besser zu diesem Abend. Ein Sieg mit Charakter, mit Leidenschaft - und mit einem Stürmer, der offenbar beschlossen hat, den April zu seinem Monat zu machen.

"Ich fühle mich gut, aber ohne Julians Pässe würde ich wahrscheinlich noch immer auf mein erstes Tor warten", sagte Tarrega nach dem Spiel und strich sich die verschwitzten Haare aus dem Gesicht. Martins konterte trocken: "Wenn Pablo so weitermacht, muss ich bald seine Fanpost beantworten."

Am Ende blieb Michael Müller nur noch ein Fazit: "Wir haben heute gezeigt, dass wir Fußball spielen können - und dass wir notfalls auch Theater spielen, wenn’s hilft."

Und irgendwo in der Nacht von Gela, zwischen hupenden Autos und singenden Fans, wird wohl auch der junge De Simone gedacht haben: Vielleicht war das mit der Flanke doch keine so schlechte Idee.

(592 Wörter)

25.08.643996 23:01
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Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten
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