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Ein Spiel wie aus einem Guss - zumindest, wenn man Tasmania Berlin heißt. 49.241 Zuschauer im Berliner Stadion sahen am 34. Spieltag der 1. Liga eine Demonstration in Offensivfreude, die selbst Trainer Michael Meister kurz ratlos zurückließ - allerdings vor Freude. "Ich wollte eigentlich zur Halbzeit etwas korrigieren, aber dann dachte ich: Ach, lasst sie einfach weitermachen", grinste der Coach nach dem 6:0 (2:0) über den FV Bad Urach. Schon nach acht Minuten war klar, wohin diese Partie laufen würde. Heikki Kuqi, mit 33 Jahren noch immer ein Sturmtank aus alter Schule, schob nach perfekter Vorlage von Rechtsaußen Michael Konrad eiskalt ein. Es sollte der Auftakt zu einem Fußballabend werden, der für die Gäste aus Bad Urach eher einem Dauertest in Demut glich. Der FV, von Trainer Giuseppe Spera noch vor dem Anpfiff als "mutig und offensiv" angekündigt, sah von seiner eigenen Offensive allerdings nur wenig. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das ist nicht viel mehr als ein höflicher Gruß an den gegnerischen Torwart Henri Boyer, der einen ruhigen Abend verbrachte. "Wir wollten hoch stehen und früh pressen", erklärte Spera hinterher mit einem Ausdruck zwischen Galgenhumor und Selbstschutz. "Aber hoch stehen heißt eben auch: tief fallen." Und tief fiel Bad Urach tatsächlich - sechs Tore tief. In der 38. Minute machte Cesc Quaresma das 2:0, als er nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Jake Haddington per Volley abschloss. Das Stadion tobte, und man hatte das Gefühl, dass Berlin an diesem Abend alles gelingen würde. Nach der Pause verwandelte sich das Spiel in ein Schaulaufen. Quaresma legte in der 61. Minute nach, diesmal nach Vorarbeit von Bjarni Lundqvist - und kaum eine Minute später traf erneut Kuqi, wieder nach Zuspiel von Konrad. Doppelpacks für beide - und das Publikum feierte sie mit Sprechchören, die auch in der Oberliga noch nachhallen würden. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen", witzelte Lundqvist später in der Mixed Zone. "Aber solange die anderen treffen, ist mir das egal. Hauptsache, wir haben Spaß." Spaß hatten die Berliner reichlich - und das Publikum gleich mit. Das 5:0 in der 69. Minute war dann fast schon Kunst: Louis Gebhardt, normalerweise eher der Mann für die taktische Balance im Mittelfeld, zog nach einem Querpass von Kuqi aus 20 Metern ab - und der Ball segelte so perfekt ins Eck, dass Gästetorwart Jegor Schepelew nur noch hinterhergucken konnte. Bad Urach versuchte im letzten Abschnitt, wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch selbst das misslang. In der 94. Minute, als viele Zuschauer schon an der Bierbude standen, traf Lundqvist nach Vorarbeit von John Hartshorn zum 6:0-Endstand. Der Jubel war kurz, aber laut - und der Blick auf die Anzeigetafel sprach Bände: 21 Torschüsse zu 2, Ballbesitz 58 zu 42 Prozent, Zweikampfquote 57 zu 43. Ein Klassenunterschied in Zahlen gegossen. Trainer Meister blieb dennoch bescheiden: "Wir haben gut gespielt, aber das war auch ein Gegner, der heute einfach keinen guten Tag hatte." Sein Kollege Spera nickte dazu trocken: "Einen Tag? Ich würde sagen, 90 sehr, sehr lange Minuten." Ein kleiner Aufreger am Rande: In der 61. Minute musste Bad Urachs Mike Klein verletzt raus, nachdem er unglücklich umknickte. "Nicht schlimm, aber bitter", meinte Spera später. "Er war einer der wenigen, die noch Luft hatten." Ansonsten blieb die Partie fair, abgesehen von zwei Gelben Karten - eine für Nael Segura (Urach) nach gerade mal zwei Minuten, die andere für Berlins Innenverteidiger Santiago Corona in der 24. Minute. Nach dem Spiel standen die Berliner Spieler lachend zusammen, während die Gäste in der Kabine schweigend ihre Schuhe putzten. Quaresma, der Mann des Abends mit zwei Toren und unzähligen Dribblings, fasste es zusammen: "Es gibt Spiele, da läuft einfach alles - und dann gibt’s Spiele wie für sie heute." Wer wollte ihm da widersprechen? Für Berlin war es ein Abend, der den Saisonabschluss vergoldete, für Bad Urach ein Spiel, das man am liebsten schnell vergessen würde. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Fan gelächelt und gesagt haben: "So hat Tasmania zuletzt in den Sechzigern gespielt." Vielleicht übertrieben - aber an diesem Abend war’s schwer, ihm zu widersprechen. 16.02.643997 01:04 |
Sprücheklopfer
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