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Tasmania Berlin hat am 26. Spieltag der 1. Liga Deutschland eindrucksvoll bewiesen, dass man in der Hauptstadt nicht nur Currywurst, sondern auch gepflegten Offensivfußball servieren kann. Vor 51.592 Zuschauern im ausverkauften Stadion fegte das Team von Michael Meister die Gäste aus Ludwigshafen mit 4:0 vom Platz - und das, ohne je ernsthaft ins Schwitzen zu geraten. Schon die ersten Minuten gaben die Richtung vor: Ludwigshafen wollte offensiv auftreten, so stand es zumindest auf dem taktischen Zettel. In der Realität sah das allerdings eher nach höflicher Begleitung der Berliner Angriffswellen aus. Bereits in der 8. Minute prüfte Linksverteidiger Jake Haddington mit einem Distanzschuss den Gästekeeper Jonas Burger - ein Vorbote dessen, was folgen sollte. Nach 26 Minuten fiel dann das logische erste Tor: Bruno Canalejas, sonst eher als Dauerläufer im Mittelfeld bekannt, zog einfach mal ab und traf sehenswert zum 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der 33-Jährige nach dem Spiel, "aber wenn der Ball reinfliegt, sag ich natürlich nicht nein." Nur fünf Minuten später legte Cesc Quaresma nach - nach feiner Vorarbeit von John Hartshorn. Der junge Portugiese (25) tanzte am Strafraumrand zwei Verteidiger aus und schlenzte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck. 2:0, und das Stadion tobte. Trainer Meister klatschte am Seitenrand, sah aber fast ein bisschen unzufrieden aus. "Wir hätten da schon 3:0 führen müssen", knurrte er in der Halbzeit. Wenige Sekunden später nahm ihm Goran Ilicevic diese Sorge ab: In der 44. Minute vollendete der bullige Mittelstürmer eine butterweiche Flanke von Pal Huszti zum 3:0. Es war der Moment, in dem Ludwigshafens Trainer Frank Seil sich demonstrativ die Mütze ins Gesicht zog. Nach der Pause änderte sich wenig - außer, dass Ludwigshafen nun wenigstens ein bisschen mitspielen durfte. Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sprechen allerdings eine deutliche Sprache. Torwart Henri Boyer im Berliner Kasten hatte vermutlich mehr Ballkontakte beim Abklatschen mit den Fans als im Spiel. Das 4:0 durch Pal Huszti in der 66. Minute war dann der endgültige Schlusspunkt. Der ungarische Flügelstürmer nutzte eine Vorlage des jungen Innenverteidigers Ignjac Babic, der sich damit für seine spätere Gelb-Rote Karte (91.) wenigstens ein kleines Denkmal setzte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch offensiv kann", meinte Babic mit einem leicht verlegenen Lächeln, während er in der Mixed Zone auf seinen abgeklebten Knöchel deutete. Statistisch war das Spiel eine einseitige Angelegenheit: 19:2 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz für die Berliner und eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent. Selbst das Pressing, laut Daten nur "BEHIND" aktiv, fühlte sich für Ludwigshafen an wie Dauerstress. Tasmanias Flügelspiel - angetrieben von Quaresma und Huszti - war an diesem Abend schlicht eine Klasse zu hoch. Trainer Meister zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war ordentlich. Aber wir müssen lernen, in der zweiten Halbzeit auch mal das Tempo zu halten und nicht in den Verwaltungsmodus zu schalten." Kollege Seil hatte da weniger nüchterne Worte: "Wir haben versucht, mitzuspielen, aber das war heute wie bei einem Schachspiel gegen jemanden, der zwei Züge voraus ist." Kleine Randnotiz: Jake Haddington kassierte kurz vor Schluss noch Gelb, offenbar aus purer Langeweile, nachdem er 88 Minuten lang ungestört die linke Seite beackerte. Der Berliner Anhang quittierte es mit ironischem Applaus - der Engländer selbst grinste nur und klatschte zurück. Am Ende blieb ein Abend, der für Tasmania Berlin fast zu glatt lief. Vier verschiedene Torschützen, keine Gegentreffer, und selbst der Platzwart konnte pünktlich Feierabend machen. Ludwigshafen dagegen wird die Rückfahrt wohl mit vielen Fragen antreten - etwa, ob man wirklich offensiv gespielt hat oder ob das nur ein Gerücht war. "Wenn wir so weitermachen, wird’s noch ein schöner Frühling", sagte Pal Huszti zum Abschied, während die Fans "Tasmania! Tasmania!" skandierten. Für einmal klang das nicht nach Nostalgie, sondern nach Zukunftsmusik. Und irgendwo draußen in der Berliner Nacht dürfte Michael Meister zufrieden in sein Notizbuch geschrieben haben: "Vier Tore, null Gegentore - bitte wieder so, aber mit weniger Karten am Ende." Ein verdienter Sieg, ein klarer Abend, ein Statement. Tasmania Berlin ist zurück - und diesmal offenbar mit Plan, Spaß und einer gehörigen Portion Berliner Schnauze. 15.11.643996 05:10 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts