Außenseiter
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Tasmania erlebt Kaiserslauterner Teenie-Sturm - 0:8-Debakel im eigenen Stadion

Wenn ein Fußballspiel nach 90 Minuten 0:8 endet, dann ist das entweder ein historischer Ausrutscher oder eine Lehrstunde. Im Fall des SV Tasmania war es beides. Vor 3227 Zuschauern im heimischen Stadion wurde der Hauptstadtklub am 30. Spieltag der Oberliga E von einem jungen, wilden Team aus Kaiserslautern regelrecht überrollt.

Schon nach 60 Sekunden stand es 0:1. Kaiserslauterns 18-jähriger Mittelfeldstratege Maximilian Anders nahm Maß - und zwar mit der Präzision eines Mathematikstudenten im Rechencenter. Nach Pass des 17-jährigen Gabriel Hanson zappelte der Ball im Netz. Im Stadion herrschte Stille, nur ein Tasmanen-Fan rief spöttisch: "Na, wenigstens wissen wir jetzt, wo das Tor steht!"

Was folgte, war ein Sturmlauf jugendlicher Unbekümmertheit. Der 17-jährige Jaap Dorland, ein Name, den man sich besser merkt, schnürte schon nach 25 Minuten einen Doppelpack und legte kurz vor der Pause sogar noch das 0:4 nach - mit einem lässigen Lupfer über den chancenlosen Keeper Timo Adam. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Dorland später im Interview, "aber dann sah ich, dass der Torwart so schön weit draußen stand. Da dachte ich mir: warum nicht?"

Tasmania, sonst für kämpferische Heimauftritte bekannt, wirkte wie eingefroren. Der Ballbesitz von 43 Prozent täuscht, denn meist rollte der Ball in der eigenen Hälfte hin und her - bis ihn ein rotes Trikot wieder abfing. Trainer Kada Schmide von Kaiserslautern stand an der Seitenlinie, die Hände lässig in den Taschen, und rief nur ab und zu: "Ruhig bleiben, Jungs!" Ruhig blieben sie - und gnadenlos effektiv.

Nach der Pause hofften die Berliner Fans auf Schadensbegrenzung. Doch Kaiserslautern dachte gar nicht daran. In der 69. Minute traf Martin Frigard zum 0:5, eine Minute später durfte sich Gabriel Hanson selbst in die Torschützenliste eintragen - diesmal nach Vorlage von, natürlich, Dorland. "Wir hatten Spaß da draußen", lachte Hanson später, "fast so wie auf dem Bolzplatz."

Und der Spaß ging weiter: Vikentios Antoniou (82.) und wieder Dorland (88.) sorgten für den Endstand von 0:8. Dorland beendete den Abend mit vier Treffern und zwei Vorlagen - eine Bilanz, bei der sogar erfahrende Stürmer feuchte Augen bekommen.

Tasmanias Trainer, dessen Name in den Unterlagen kurioserweise nicht auftauchte, trat nach dem Spiel wortkarg vor die Mikrofone. "Was soll ich sagen? Wir haben versucht, nicht völlig auseinanderzufallen. Hat ja so halb geklappt." Ein Journalist fragte, ob er schon einmal so ein Spiel erlebt habe. "Ja", antwortete er trocken, "im Videospiel - auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad. Da war ich allerdings Kaiserslautern."

Die Statistik sprach ebenfalls Bände: 20 Torschüsse der Gäste, nur 4 bei den Berlinern. Auch die Zweikampfquote von 42 Prozent für Tasmania zeigte, dass hier mehr zugeschaut als gestört wurde. Spätestens nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Christoph Schröter (74.) war das Mittelfeld der Gastgeber vollends verwaist.

Auf den Rängen herrschte irgendwann Galgenhumor. "Vielleicht kriegen wir ja noch einen Ehrentreffer", rief jemand in der 80. Minute. Sekunden später fiel das siebte Gegentor. "Na, fast!", kam die Antwort.

Kaiserslauterns Teenie-Truppe, allesamt zwischen 17 und 19 Jahren alt, feierte den Kantersieg ausgelassen, aber respektvoll. "Wir wissen, dass das heute vielleicht ein bisschen zu leicht aussah", sagte Coach Schmide nach dem Spiel, "aber die Jungs haben sich das hart erarbeitet. Wir trainieren genau solche Abläufe - und heute hat einfach alles geklappt."

Als Schiedsrichter Meier abpfiff, applaudierten sogar einige Tasmanen-Fans den Gästen. Vielleicht, weil sie ahnten, dass sie Zeugen eines seltenen Spiels geworden waren: eines Abends, an dem Talent, Tempo und jugendliche Spielfreude auf eine Mannschaft trafen, die einfach keinen Zugriff fand.

Oder, wie ein älterer Fan beim Ausgang murmelte: "Manchmal bist du die Katze, manchmal der Teppich. Heute waren wir halt der Teppich."

Und so bleibt den Berlinern nur, schnell Gras über das 0:8 wachsen zu lassen - und vielleicht ein paar neue Matten fürs Trainingsgelände zu bestellen. Denn nach diesem Abend wird dort einiges an Rasenarbeit nötig sein.

22.05.644000 16:53
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
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