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Ein lauer Juniabend in Teresina, 42.426 Zuschauer, die Luft vibrierte - nicht nur wegen der brasilianischen Temperaturen, sondern auch wegen der jugendlichen Unbekümmertheit, mit der UD Teresina am 10. Spieltag der 1. Liga Brasilien den favorisierten Gästen von UD Ponte Prata ein 2:0 einschenkte. Zwei Tore, zwei Youngster, zwei Geschichten, die man sich in der Stadt sicher noch eine Weile erzählen wird. Dabei begann das Spiel alles andere als glamourös. Die erste Halbzeit erinnerte eher an ein taktisches Schachspiel, bei dem beide Mannschaften Angst hatten, den König zu verlieren. Ponte Prata hatte mit 51 Prozent zwar leicht mehr Ballbesitz, aber was nützt das, wenn man ihn vor lauter "sicherem Passspiel" kaum einmal gefährlich nach vorne bekommt? Teresina dagegen spielte mit jener Mischung aus jugendlicher Naivität und unverschämtem Selbstvertrauen, die man sonst eher in Straßenfußballturnieren sieht. Die erste echte Aufregung kam in der 39. Minute, als der 19-jährige Manuel de Almeida aus spitzem Winkel abzog - und Ponte-Prata-Keeper Duarte Futre den Ball gerade noch über die Latte lenkte. "Ich hab nur gehofft, dass er nicht so fest schießt, wie er guckt", grinste Futre später in der Mixed Zone. In der Kabine soll Teresinas Trainer Tobias Lang dann seine Jungs mit einem trockenen "Ihr dürft ruhig mal aufs Tor schießen, das ist erlaubt" in die zweite Halbzeit geschickt haben. Gesagt, getan: In der 56. Minute ließ de Almeida seinen Gegenspieler stehen, nahm den Pass des 17-jährigen Rauf Kafkas direkt - und versenkte den Ball eiskalt im langen Eck. 1:0, das Stadion tobte. Die Ultras sangen, die Ersatzspieler hüpften, und de Almeida rannte jubelnd zu seinem Trainer, der ihn mit einem theatralischen "Na also!" empfing. Ponte Prata versuchte zwar zu reagieren, aber die Versuche von Tiago Coelho und Milos Filipovic in der 48. und 49. Minute blieben ebenso harmlos wie der Humor ihres Trainers nach dem Spiel. "Wir hatten Chancen, aber der Ball hatte heute andere Pläne", murmelte er in die Mikrofone. In der 65. Minute wechselte Tobias Lang den erfahrenen Nicola Ullano aus und brachte Emil Musiala - ein Wechsel, der sich schneller auszahlte, als man "Taktikumstellung" sagen konnte. Nur sieben Minuten später, in der 72. Minute, spielte der 18-jährige Hugo Mocana einen Pass in die Tiefe, den Musiala mit der Ruhe eines alten Hasen annahm und unhaltbar zum 2:0 einschob. "Ich hab gar nicht gezielt", lachte Musiala später, "ich hab einfach gemacht, was Hugo geschrien hat." Zwei Minuten zuvor hatte Mocana übrigens noch eine Gelbe Karte kassiert - wohl ein Beweis dafür, dass Temperament und Talent bei Teresina derzeit Hand in Hand gehen. Und als ob das nicht genug wäre, holte sich auch Flügelflitzer Jari Kuqi in der 78. Minute noch Gelb ab - vermutlich, um den gelben Schnitt im Team zu halten. Statistisch betrachtet war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: 10:8 Torschüsse für Teresina, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz für die Gäste, und doch ein klares Ergebnis. Teresina war einfach effizienter, wacher, hungriger. Oder, wie Trainer Lang es formulierte: "Wir haben heute nicht mehr, aber das Richtige gemacht." Ponte Prata dagegen wirkte in der Schlussphase wie ein Boxer, der weiß, dass er den Kampf nach Punkten verloren hat, aber trotzdem noch wild in die Luft schlägt. Die letzten Schüsse von Tiago Coelho in der 84. Minute und Pablo Jorge in der 62. verpufften wirkungslos. Als Schiedsrichter Mendes nach 90 Minuten abpfiff, fielen sich die Teresina-Spieler in die Arme. Auf den Rängen tanzten Fans, als wäre gerade die Meisterschaft entschieden. Vielleicht war es nur ein Sieg, aber einer, der sinnbildlich für den Aufschwung dieses jungen Teams steht. Und während die Sonne langsam hinter dem Stadion verschwand, sah man Tobias Lang noch kurz zu seinem Co-Trainer sagen: "Wenn die so weitermachen, brauch ich bald keinen Spielplan mehr - nur noch eine Playlist fürs Feiern." Ein bisschen Übermut? Vielleicht. Aber in Teresina darf man an solchen Abenden ruhig mal größer träumen. 31.01.644003 10:42 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner