// Startseite
| Jornal do Brasil |
| +++ Sportzeitung für Brasilien +++ |
|
|
|
UD Teresina hat am 6. Spieltag der 1. Liga Brasilien ein kleines Fußballfest gefeiert - und Feira de Santana gleich 4:0 vom Platz gefegt. 40.747 Zuschauer im Estádio Municipal von Teresina klatschten, sangen und staunten über eine Heimmannschaft, die von der ersten Minute an so spielfreudig war, als wäre der Ball aus Kautschuk und die Gegner aus Pappe. Trainer Tobias Lang hatte sein Team offensiv eingestellt, und das merkte man sofort. Schon nach sechs Minuten zischte der erste Schuss von Lukas Rieger über den Querbalken, kurz darauf prüfte Ricardo Arrieta den Gäste-Keeper Carl Semedo mit einem satten Linksschuss. "Da hab ich mir gedacht: Heute knallt’s", grinste Arrieta später, als er längst seinen Treffer gefeiert hatte. In der 12. Minute war es dann soweit: Massimiliano Saracena, der quirlige Rechtsaußen mit der italienischen Leidenschaft, traf nach einem feinen Zuspiel von Roman Pospech zum 1:0. Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem Saracena und Pospech beinahe telepathisch miteinander harmonierten. Vier Minuten später staunte das Stadion, als Innenverteidiger Carl Antunes nach einer Ecke von Lukas Rieger den Ball volley nahm und ins lange Eck drosch - 2:0. Da standen noch keine zwanzig Minuten auf der Uhr, und Feira de Santana hatte kaum den Mittelkreis überquert. Feira de Santana, eigentlich bekannt für disziplinierte Defensive, wirkte ratlos. Ein einziger Torschuss in der gesamten Partie - von Lars Maier in der 41. Minute - ging direkt in die Arme von Teresinas Torwart Bohus Dostalek. "Ich hab mich fast gelangweilt", witzelte der Keeper später, "aber dann hab ich wenigstens mal wieder die Sonne gesehen." Mit 54,6 Prozent Ballbesitz und beeindruckenden 22 Torschüssen demonstrierte Teresina eine Dominanz, die fast schon unanständig wirkte. Tobias Lang blieb trotzdem nüchtern: "Wir haben heute nur das umgesetzt, was wir trainieren. Nämlich Tore schießen, bevor der Gegner merkt, dass das Spiel begonnen hat." Nach dem Seitenwechsel ließ Teresina etwas den Ball laufen - vielleicht, um den Gegner zu schonen, vielleicht, um das Publikum länger zu unterhalten. Saracena hatte mehrere Chancen, erhöhte aber erst in der 79. Minute auf 3:0. Wieder kam die Vorlage von Pospech, der mit einem butterweichen Pass die halbe Abwehr aushebelte. Saracena blieb cool, schob den Ball ins lange Eck und riss die Arme hoch, als wollte er dem Stadion sagen: "Seht ihr, Übung macht den Meister." Das 4:0 in der 83. Minute war dann die Kür. Ricardo Arrieta, der Routinier auf der linken Seite, verwandelte eine Vorlage von Nicola Ullano in bester Stürmermanier - trocken und präzise. Danach rief jemand aus der Kurve: "Ricardo para presidente!" - worauf der Angesprochene nur mit einem breiten Grinsen antwortete: "Nur wenn ich das Stadion als Amtssitz bekomme." Feira de Santana? Die Gäste liefen, kämpften, schwitzten - aber ohne Konzept. Ihr Trainer, dessen Name an diesem Abend kaum einer hörte, weil seine Spieler selten in Ballnähe kamen, stand stoisch an der Linie. Nach dem Spiel sagte er, sichtlich bemüht, Haltung zu bewahren: "Wir hatten einen Plan, aber Teresina hatte offenbar einen besseren." Statistisch gesehen war das Ergebnis fast gnädig. 22:1 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das alles ohne übertriebene Härte. UD Teresina spielte, als hätten sie das Fußballhandbuch neu geschrieben - Kapitel: Wie man Spaß hat, während man gewinnt. "Der Ball lief heute wie auf Schienen", meinte Mittelfeldmotor Roman Pospech nach dem Spiel. "Und Massimiliano war der Schnellzug vorne." Der angesprochene Saracena lachte: "Dann ist Roman wohl der Lokführer." Am Ende standen vier Tore, drei Vorlagen von Mittelfeldspielern und ein Stadion voller glücklicher Gesichter. Tobias Lang fasste es trocken zusammen: "Das war kein perfektes Spiel - aber wenn man vier Tore schießt und der Gegner einen Torschuss hat, ist das schon ganz ordentlich." Ganz ordentlich? Eher grandios. UD Teresina hat an diesem Abend gezeigt, dass Fußball in Brasilien nicht nur von den großen Namen lebt, sondern auch von Teams, die mit Leidenschaft, Struktur und einem Schuss Humor aufspielen. Feira de Santana dagegen wird sich fragen müssen, ob man mit "ausgewogener" Taktik gegen eine offensive Samba-Truppe wirklich bestehen kann. Manchmal ist Fußball eben einfach: Wer angreift, gewinnt. Und wer Massimiliano Saracena in seinen Reihen hat, sowieso. 19.05.643997 02:20 |
Sprücheklopfer
Wenn man mir die Freude am Fußball nimmt, hört der Spaß bei mir auf!
Thomas Häßler in seiner Dortmunder Zeit