Jornal do Brasil
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Teresina tanzt Samba - Mineiro City geht im Heimspiel unter

Wenn der April in Brasilien Fußball bringt, dann gern mit Drama, Sonne und einer Prise Selbstironie - und genau das bekamen die 40.000 Zuschauer in Belo Horizonte an diesem 7. Spieltag der 1. Liga. Mineiro City wollte nach zuletzt zwei Unentschieden endlich wieder siegen, doch UD Teresina kam, sah und zerlegte die Gastgeber mit chirurgischer Präzision: 1:4 hieß es am Ende, und das war so deutlich, wie es klingt.

Schon früh zeichnete sich ab, dass das kein Abend für die Männer in Schwarz-Weiß werden würde. Teresina begann forsch, mit einem unverschämt selbstbewussten Offensivtrio um Eugenio Rogliano, Massimiliano Saracena und Haim Mitzna. Bereits in der 17. Minute klingelte es erstmals - Rogliano traf nach feinem Zuspiel von Juanito Minguez. Kaum hatten die Heimfans den ersten Schock verdaut, legte der Italiener nach: in der 25. Minute zimmerte er nach Pass von Roman Pospech den Ball unter die Latte, als wolle er die Stadionbeleuchtung ausschießen. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte rein", grinste Rogliano später breit.

Mineiro City? Hatte mehr Ballbesitz - ganze 52 Prozent - und sah damit zumindest statistisch nicht schlecht aus. Doch was nützt das, wenn der Gegner bei jedem Angriff gefährlicher wirkt als ein tropischer Stromausfall? In der 37. Minute erhöhte Saracena auf 0:3 nach einem butterweichen Pass des jungen Miguel Barbosa. Der Torjubel der Gäste klang, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

Trainer Tobias Lang von Teresina blieb an der Seitenlinie erstaunlich gelassen, hob nur kurz den Daumen. "Wir wollten früh zeigen, dass wir hier nicht zum Sightseeing sind", sagte er später trocken.

Kurz nach der Pause flackerte bei Mineiro City Hoffnung auf. Der 17-jährige Samuel Hiliard, der mit jugendlicher Unbekümmertheit über den linken Flügel wirbelte, legte mustergültig für Joaquin Bergantinos auf. Dessen Schuss in der 47. Minute passte millimetergenau ins linke Eck - 1:3, endlich ein Lebenszeichen. Das Stadion erwachte, Bierbecher flogen, und für einen Moment roch die Luft nach Aufholjagd.

Doch Teresina ließ sich davon nicht beeindrucken. Während Mineiro City weiter angriff, lauerte der Gast auf Konter - und traf in der 79. Minute eiskalt. Der 18-jährige Joker Pedro Sa Pint, gerade vier Minuten auf dem Platz, vollendete nach Vorarbeit von Routinier Roman Galasek zum 1:4. "Ich hab’s gar nicht richtig verstanden, der Ball war schon drin, ehe ich ihn gesehen hab", stöhnte City-Torwart Mathias Böhme später kopfschüttelnd.

Die Gäste schossen doppelt so oft aufs Tor (20 zu 10) und gewannen über 54 Prozent ihrer Zweikämpfe - Zahlen, die alles sagen. Einziger Wermutstropfen für Teresina: Julius Seiler sah in der 84. Minute Gelb, nachdem er Bergantinos an der Seitenlinie in die Werbebande spedierte. "War keine Absicht, der ist einfach stehen geblieben", verteidigte sich Seiler lachend, während sein Trainer ihm von außen ein mahnendes Kopfschütteln schickte.

Mineiro-Trainer - der sich nach der Partie hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg - meinte nur: "Wir haben offensiv gespielt, das war der Plan. Leider hat der Gegner das Konzept verstanden." Später fügte er hinzu, halb ernst, halb zynisch: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal mit elf Verteidigern starten - oder einfach beten."

Im Stadion verließen viele Fans schon zehn Minuten vor Abpfiff ihre Plätze, andere sangen trotzig weiter. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste das Geschehen wohl am besten zusammen: "Früher hatten wir wenigstens Stil beim Verlieren."

Teresina dagegen feierte ausgelassen. Die jungen Spieler machten Selfies mit den mitgereisten Fans, während Trainer Lang im Interview nüchtern blieb: "Wir haben gut kombiniert, diszipliniert gespielt - und ja, Eugenio hatte heute einfach Hunger. Solche Tage hat man nicht oft."

Fazit: Ein verdienter Sieg für UD Teresina, die mit dieser Vorstellung ein Ausrufezeichen in der Liga setzen. Für Mineiro City bleibt die Frage, ob man wirklich offensiv spielen wollte oder nur vergessen hat, wie man verteidigt.

Und so ging der Abend unter tropischen Flutlichtlampen zu Ende - mit vier Gegentoren, einem Tor für die Ehre und der Erkenntnis, dass Fußball manchmal wie das Leben ist: Wer zu lange träumt, wacht mit einem 1:4 auf.

30.05.643997 15:42
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