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UD Teresina hat am Samstagabend in der 1. Liga Brasilien ein kleines Fußballfest gefeiert - und 37.687 Zuschauer im heimischen Stadion bekamen genau das, was sie sich erhofft hatten: Tore, Tempo und einen Massimiliano Saracena in Galaform. Beim 3:0 (2:0) gegen Vasco da Gama schoss der rechte Flügelstürmer die Gäste praktisch im Alleingang aus dem Stadion, bevor Ricardo Arrieta in der zweiten Halbzeit endgültig den Deckel draufmachte. Schon nach acht Minuten lag der Ball im Netz. Saracena, der sonst eher für seine artistischen Einlagen beim Torjubel bekannt ist, traf diesmal so trocken, dass selbst die Fernsehkamera kurz zögerte, ob der Ball tatsächlich drin war. Vorlagegeber Carl Antunes grinste nach dem Treffer in Richtung Mannschaftsbank: "Ich hab ihm den Ball einfach hingelegt - alles andere war Kunstunterricht." Vasco kam zwar mit einem Hauch mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber das war ungefähr so relevant wie der Wetterbericht in der Wüste. UD Teresina spielte mit offensiver Ausrichtung, aber ohne hektisches Pressing - ganz nach dem Plan von Trainer Tobias Lang. "Wir wollten ihnen das Gefühl geben, sie hätten Kontrolle. In Wahrheit haben wir sie laufen lassen", erklärte Lang mit einem fast mitleidigen Lächeln nach der Partie. Nur 13 Minuten nach dem 1:0 schlug wieder Saracena zu. Nach einem präzisen Zuspiel von Lukas Rieger zog er aus halbrechter Position ab - 2:0, und Vasco wirkte, als hätte jemand die Batterien aus ihren Stürmern genommen. Gästecoach Patrick Kunz Gouveia brüllte an der Seitenlinie so laut, dass selbst die hinterste Ecke der Haupttribüne kurz verstummte. Doch seine Worte verhallten ungehört. Teresina hatte zu diesem Zeitpunkt bereits acht Torschüsse, Vasco gerade einmal drei. Und obwohl die Gäste in der Statistik später auf sieben Versuche kamen, war kaum einer davon gefährlich. Torwart Bohus Dostalek im UD-Kasten musste sich mehr um seine Handschuhe kümmern als um echte Paraden. "Ich hab mehr Zeit gehabt als beim Frühstück", witzelte er nach dem Spiel. Nach der Pause änderte sich wenig - außer dass Vasco nun versuchte, wenigstens optisch die Oberhand zu gewinnen. Doch Teresina blieb gnadenlos effizient. In der 60. Minute zirkelte Julius Seiler eine butterweiche Flanke von rechts auf Arrieta, und der 33-jährige Argentinier nickte zum 3:0 ein. Ein Tor so lehrbuchhaft, dass selbst der Ball kurz applaudieren wollte. "Ich hab’s gespürt, bevor der Ball kam", sagte Arrieta später und grinste. "Und wenn du in so einem Spiel triffst, ist das wie eine Einladung zum Tanz." Ganz Teresina tanzte mit. Vasco da Gama dagegen wirkte zunehmend ratlos. Robin Verellen, der einzige, der vorne so etwas wie Torgefahr ausstrahlte, verzog in der 27. Minute knapp - eine der wenigen Szenen, in denen das Publikum kurz den Atem anhielt. Danach kam nur noch Stückwerk. Als Rui Bujia kurz vor Schluss auch noch Gelb sah, war die symbolische Kapitulation besiegelt. Trainer Gouveia versuchte es nach dem Schlusspfiff mit Galgenhumor: "Wir hatten mehr Ballbesitz, das ist doch auch was - zumindest statistisch." Da konnte selbst sein Gegenüber Lang nur lachen: "Ballbesitz ist wie ein schöner Autolack - bringt dir nichts, wenn der Motor nicht läuft." Teresina zeigte mit 17 Schüssen aufs Tor, dass Spielfreude und Zielstrebigkeit keine Gegensätze sind. Die Defensive stand stabil, das Mittelfeld um Roman Pospech und Lukas Rieger kontrollierte das Tempo mit kühler Präzision. Und vorne verwandelte Saracena fast jeden Sprint in eine kleine Explosion. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelte das Publikum in einem Meer aus gelben und blauen Fahnen, während die Spieler Vasco da Gamas enttäuscht in den Kabinengang trotteten. UD Teresina hingegen feierte ausgelassen - wohl wissend, dass dieser Sieg mehr war als drei Punkte. Es war ein Statement. Oder wie Kapitän Antunes es formulierte, als er mit einem breiten Grinsen die Mixed Zone verließ: "Das war heute kein Spiel. Das war eine Einladung zum Staunen." Und das taten sie - die 37.687 im Stadion und wahrscheinlich noch ein paar tausend vor den Bildschirmen. Teresina tanzt - und die Liga schaut zu. 25.04.643997 22:23 |
Sprücheklopfer
Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.
Uli Hoeneß