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Ein kalter Aprilabend in Crewe, 28.626 Zuschauer, Flutlicht, eine Prise Hoffnung - und dann kam Manchester. Die Devils machten ihrem Namen alle Ehre und verwandelten das Stadion von Crewe Alexandra in ein Fußball-Lehrstück, das irgendwo zwischen "Wie man’s richtig macht" und "Wie man’s lieber nicht tun sollte" pendelte. Das Endergebnis: 0:6 (0:4). Eine Demontage in Echtzeit. Schon nach drei Minuten war klar, dass dies kein gemütlicher Abendspaziergang für die Gastgeber würde. Manuel Pastorino, der Dirigent im Mittelfeld der Devils, setzte gleich das erste Ausrufezeichen. Nach einem feinen Zuspiel von Jamie Kirwan zimmerte er den Ball unhaltbar unter die Latte. Der Torschrei der mitgereisten Fans hallte noch durch die Tribünen, da rollte schon der nächste Angriff. Crewe-Trainer Urs Lustig stand an der Seitenlinie, die Hände tief in der Jackentasche vergraben, und murmelte etwas von "mehr Kompaktheit". Seine Männer versuchten es - vergeblich. In der 21. Minute traf Alfie Perlman nach Vorlage von Jean-Pierre Bettencourt zum 0:2. Drei Minuten später wieder Perlman, diesmal nach einem Steilpass von Jacinto Alvaro. 0:3, und das Publikum begann, mit Galgenhumor zu reagieren. "Wir wollten ja Tore sehen", rief ein Fan lachend, "nur nicht unbedingt so!" Doch es kam noch schlimmer. In der 28. Minute krönte Rafet Kisa einen perfekt ausgespielten Konter zum 0:4. Sein Jubel fiel verhalten aus - vielleicht aus Mitgefühl, vielleicht pure Routine. "Wir haben einfach unseren Rhythmus gefunden", erklärte Kisa später mit einem Schulterzucken. "Wenn du einmal läufst, darfst du nicht aufhören." Bis zur Halbzeit war Crewe nur Statist. Vier Torschüsse der Gastgeber standen 12 der Devils gegenüber, und das bei fast ausgeglichenem Ballbesitz (49,7 zu 50,3 Prozent). Ein Lehrstück in Effizienz: Die Devils schossen, wann immer sie wollten - und trafen fast immer. Im zweiten Durchgang wechselte Manchester-Trainer Ronnie Ekström früh. "Wir wollten den Jungs aus der zweiten Reihe Spielpraxis geben", grinste er nach dem Abpfiff. Jeno Bozsik und Marcus Steffens kamen - und setzten die Show fort. Bozsik traf in der 58. Minute trocken aus 20 Metern, Steffens legte in der 71. nach. 0:6. Der Rest war Schaulaufen. Crewe wehrte sich tapfer, Adam Davonport hatte in der 52. Minute sogar eine gute Chance, doch Devils-Keeper Jose Enrique Benito machte sich lang und kratzte den Ball aus dem Winkel. "Wenn der reingeht, steht’s 1:5 und alles ist wieder offen", witzelte ein Zuschauer im Fanblock - der Humor blieb die letzte Verteidigungslinie. In der Schlussphase wurde es kurz ruppig: Vicente Peyroteo und Simeon Athanasiadis sahen Gelb, offenbar aus Langeweile. Peyroteo meinte später lachend: "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch wach bin." Urs Lustig nahm es mit Fassung. "Wir haben gegen eine Maschine gespielt", sagte er in der Pressekonferenz. "Da kannst du eigentlich nur applaudieren. Oder beten." Sein junges Team - gleich drei Spieler unter 20 - wirkte phasenweise wie überfordert, aber niemand machte ihnen einen Vorwurf. Nicht an diesem Abend. Ronnie Ekström hingegen grinste breit: "Wir wollten zeigen, dass wir’s noch können. Nach zwei Unentschieden war das heute eine Ansage." Eine deutliche, möchte man hinzufügen. Die Statistik bestätigte alles: 16 Torschüsse für Manchester, 4 für Crewe, Zweikampfquote 56 zu 43 Prozent zugunsten der Devils. Und das, obwohl beide Mannschaften fast gleich viel Ballbesitz hatten. Der Unterschied lag schlicht in der Qualität - und im Selbstvertrauen. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Fans von Crewe artig. Fairnesspreis des Abends. Die Devils bedankten sich, als hätten sie gerade ein Trainingsspiel absolviert. "Manchmal", sagte Kapitän Pastorino beim Verlassen des Rasens, "läuft einfach alles. Heute war so ein Tag." Man möchte hinzufügen: Für Crewe lief leider gar nichts. Vielleicht war es lehrreich. Vielleicht auch einfach nur schmerzhaft. Doch eines steht fest: Solche Abende brennen sich ein - in die Geschichte des Vereins und in die Albträume des Torwarts. Und während die Lichter im Stadion erloschen, blieb der Eindruck eines Spiels, das alles bot - außer Spannung. Ein teuflischer Abend eben. 18.09.643996 03:17 |
Sprücheklopfer
Wir überlegten, jemanden vom Arbeitsamt zu holen, der den Spielern Alternativberufe zeigt.
Christoph Daum zum Thema Motivation