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Ein kühler Dienstagabend im KC Stadium, 33.078 Zuschauer, Flutlicht, Bierbecher - und ein Heimteam, das nach 90 Minuten vermutlich froh war, dass Fußballspiele nicht länger dauern. Die Hull Tigers erlebten gegen die Manchester Devils ein 0:6-Debakel (0:3 zur Pause), das an eine Lehrstunde erinnerte - allerdings eine, bei der der Lehrer wenig Geduld hatte und die Schüler ihre Hausaufgaben daheim vergessen hatten. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass das hier kein gemütlicher Abend für Hull werden würde. Manchester, von Trainer Ronnie Ekström gewohnt offensiv eingestellt, spielte, als hätte man ihnen versprochen, dass für jedes Tor ein zusätzlicher Urlaubstag winkt. Nach nur 13 Minuten donnerte Jamie Kirwan, der zentrale Mittelfeldmotor der Devils, den Ball nach Vorarbeit von Alfie Perlman ins Netz - 1:0. "Ich hatte eigentlich gar nicht vor, zu schießen", grinste Kirwan hinterher. "Aber der Ball bat förmlich darum." Hull-Trainer Mathias Oergel stand da schon mit verschränkten Armen an der Linie, sah, wie seine Defensive mehr Fragen stellte als Antworten fand. Und die Devils hatten noch lange nicht genug. In der 35. Minute war es Agafon Swetlow, der nach einem feinen Zuspiel von Marko Bisevac zum 2:0 traf - technisch sauber, eiskalt, mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Genugtuung und Langeweile lag. Nur sieben Minuten später revanchierte sich Perlman für seine Vorlage und traf selbst - nach Doppelpass mit Kirwan. 0:3 zur Pause, und man hatte das Gefühl, dass Hull froh war, dass es überhaupt eine Pause gab. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Oergel später und seufzte, "aber offenbar haben meine Spieler ’kompakt’ mit ’freundlich’ verwechselt." Zur zweiten Halbzeit brachte Hull drei frische Kräfte, darunter zwei 17-Jährige - mutig, vielleicht auch verzweifelt. Doch wer gehofft hatte, dass die Youngsters frischen Wind bringen würden, musste zusehen, wie Manchester weiter das Gaspedal drückte. In der 55. Minute markierte Mika Kuqi das 4:0, nach Vorlage von Rafet Kisa, und nur fünf Minuten später machte Kuqi seinen Doppelpack perfekt - diesmal vorbereitet von Linksverteidiger Vicente Peyroteo, der kurz darauf mit Gelb-Rot vom Platz flog (77. und 80. Minute). "Ich wollte eigentlich nur den Ball spielen", verteidigte sich Peyroteo lachend. "Der Ball war aber, wie sich herausstellte, ein Bein." Selbst Ekström grinste: "Vicente wollte wohl zeigen, dass wir auch in Unterzahl Tore schießen können." Und genau das taten sie. In der 78. Minute traf erneut Swetlow, diesmal nach Vorarbeit von Kirwan - der Kreis schloss sich, das halbe Dutzend war voll. 0:6, und noch waren über zehn Minuten zu spielen. Aber Manchester nahm dann, höflich wie ein Gast, der merkt, dass der Gastgeber genug hat, etwas Tempo raus. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - zumindest wenn man die Zahlen sehr oberflächlich betrachtet. Hull hatte 47 Prozent Ballbesitz, brachte vier Schüsse aufs Tor, was man großzügig als "Ansätze von Offensivdrang" bezeichnen könnte. Manchester dagegen 19 Schüsse, 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die mit 56 Prozent die Überlegenheit auch körperlich unterstrich. Ein Highlight aus Hull-Sicht? Nun ja, Torwart Joel Eliot verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres, und der junge Leo Warriner zeigte nach seiner Einwechslung, dass er zumindest nicht eingeschüchtert war. "Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen", sagte er tapfer. "Aber ehrlich, wenn du gegen Swetlow und Kuqi verteidigst, fühlt sich das an, als würdest du versuchen, einen Güterzug aufzuhalten." Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Heimfans trotzdem - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Mitleid, vielleicht, weil sie wussten, dass man solche Abende nur mit Humor übersteht. Oergel nahm’s sportlich: "Wir werden das Spiel genau analysieren", sagte er, "und dann in den nächsten Jahren vermeiden, es uns nochmal anzusehen." Ekström hingegen war bester Laune: "Das war heute ein Statement", grinste er. "Unsere Jungs haben Lust auf Fußball - und anscheinend auch auf Tore." So endete ein einseitiger Abend, der in Hull wohl noch lange nachhallen wird. Die Devils, teuflisch effizient, spielten Fußball wie aus einem Guss. Die Tigers hingegen wirkten, als hätten sie versehentlich an einer anderen Sportart teilgenommen - vielleicht Cricket. Einziger Trost für Hull: schlimmer kann’s kaum werden. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen murmelte: "Das nächste Spiel kann nur besser werden - außer, es ist wieder gegen die Devils." 04.05.643994 01:32 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe