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Thackeray trifft früh - Millwall zittert sich zum 1:0 über TPS Turku

Der Abend im The Den begann mit einem Knall und endete mit einem erleichterten Aufatmen. FC Millwall besiegte Turun Palloseura mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Rasen alles andere als ruhig zustande kam. 57 622 Zuschauer sahen eine Partie, die irgendwo zwischen kontrolliertem Chaos und britischer Arbeitsethik pendelte.

Gerade einmal acht Minuten waren gespielt, da explodierte das Stadion. Christopher Thackeray, der rechte Mittelfeldmann mit der Präzision eines Uhrwerks und dem Selbstbewusstsein eines Straßenkickers, zog nach einem missglückten Klärungsversuch der Finnen einfach mal ab - und traf. Der Ball schlug flach ins linke Eck ein, Keeper Arto Peltonen kam zwar noch mit den Fingerspitzen dran, aber das Leder wollte einfach nicht hören. "Der Trainer ruft immer, ich soll’s auch mal probieren - heute hab ich halt zugehört", grinste Thackeray später und verschwand im Jubel seiner Mitspieler.

Danach begann das, was Millwall-Fans als "kontrolliertes Leiden" bezeichnen. Sonny Crocket, der Mann an der Seitenlinie, hatte seine Elf defensiv eingestellt. "Wir wussten, dass Turku viel Ballbesitz will. Also haben wir ihnen den Ball gegeben - freundlich, aber mit Bedingungen", sagte Crocket mit einem schelmischen Lächeln. Tatsächlich lag der Ballbesitz fast ausgeglichen bei 50 Prozent, doch Millwall war in den entscheidenden Momenten einfach griffiger.

Turku, von Coach Karl Heinz (ja, das ist wirklich sein Name) betreut, ließ sich von dem frühen Rückschlag nicht beirren. Besonders Mikael Hyypiä auf der rechten Seite sorgte mehrfach für Alarm - drei Torschüsse allein in der ersten halben Stunde. Doch immer wieder war Ethan Caviness im Millwall-Tor zur Stelle, als hätte er Magneten in den Handschuhen. "Der Junge hat heute alles gefangen, was nicht niet- und nagelfest war", raunte ein Fan auf der Tribüne, während er sein Bier schwenkte.

Millwalls Daniel Darabont und Tyler Boyle hatten ihrerseits Chancen, das Spiel früh zu entscheiden. In der 20. Minute jagte Darabont den Ball aus spitzem Winkel an die Latte, in der 31. Minute scheiterte Boyle am aufmerksamen Peltonen. Doch statt 2:0 blieb es beim 1:0 - und das bedeutete 70 Minuten Zittern.

Die Finnen hielten dagegen, robust, aber fair - na gut, meistens. Teemu Litmanen sah schon in der 9. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das in England wohl als höflicher Körperkontakt durchginge. Später erwischte es auch Louis Fairchild auf Millwall-Seite, der sich zu sehr in ein Tackling verliebt hatte. "Das war kein Foul, das war ein Missverständnis zwischen mir und dem Ball", murmelte Fairchild nach dem Abpfiff trocken.

In der zweiten Halbzeit drängte Turku noch stärker, allen voran Robert Hamsik, der gleich dreimal innerhalb von 15 Minuten aufs Tor schoss. Doch Caviness blieb unbezwingbar. Einmal flog er quer durch den Strafraum, als wolle er Superman Konkurrenz machen - und fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel. "Ich dachte, der geht rein", gestand Hamsik, "aber der Typ hat einfach Flügel."

Crocket reagierte in der 76. Minute mit einem Doppelwechsel - frisches Blut, frische Beine, und vielleicht auch ein bisschen frische Nerven. Bradley Davonport kam für George Clancy, Noah Clancy ersetzte Samuel Bloomfield. "Ich hatte das Gefühl, dass wir noch 20 Minuten Marathon vor uns haben", erklärte Crocket die Maßnahme.

Die Schlussphase wurde zur Nervenprobe. Turku rannte, Millwall stand - und manchmal wackelte es bedenklich. In der 82. Minute prüfte Janne Pyykkö erneut Caviness, doch wieder blieb der Keeper Sieger. Als Darabont in der 89. Minute noch einmal abzog und knapp vorbeizielte, stand das Stadion schon längst Kopf.

Nach 90 Minuten pfiff der Schiedsrichter endlich ab. Millwall hatte 14 Torschüsse, Turku 8, und auf der Anzeigetafel leuchtete das Minimalergebnis 1:0. "Nicht schön, aber effektiv", fasste Trainer Crocket zusammen. Karl Heinz hingegen schüttelte den Kopf: "Wir haben gut gespielt, aber vergessen, das Tor zu treffen. In Finnland nennt man das wohl Pech - oder Millwall."

Und so endete ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal kein Spektakel braucht, um spannend zu sein. Manchmal reicht ein früher Treffer, ein Torwart mit Magneten und ein Trainer, der sich über einen hässlichen Sieg freut.

"Wenn’s schön sein soll, geh ich ins Ballett", sagte Crocket zum Abschied. "Heute war’s Millwall - und das ist mir lieber."

22.07.643996 03:05
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Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten
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