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Es gibt Fußballabende, an denen 47.913 Zuschauer ins Stadion strömen, um einen Heimsieg zu feiern - und am Ende zusehen müssen, wie ein Mann namens Tiago Almeida ihnen den Spaß verdirbt. Doria Genua verlor am 11. Spieltag der 1. Liga Italien mit 0:1 gegen den Außenseiter Gela. Ein Ergebnis, das so nüchtern klingt, wie es für Genuas Trainer Danny Glover schmerzhaft war. "Wir hatten 56 Prozent Ballbesitz, aber das hilft wenig, wenn der Ball nicht ins Tor will", knurrte Glover nach dem Schlusspfiff. Man merkte, dass er lieber über das Wetter gesprochen hätte. Und tatsächlich - an diesem lauen Juniabend war es nur Gela, das wirklich heiß lief. Dabei begann alles vielversprechend: Nach einer Viertelstunde prüfte Sven Hanke gleich zweimal Gelas Torwart Arkadiusz Dziekanowski. Der Keeper, ein Mann mit der Ruhe eines Schachspielers, parierte beide Male seelenruhig. "Ich hatte das Gefühl, die schießen nur, um mich wach zu halten", grinste Dziekanowski später. Doch während Genua den Ball laufen ließ, lief Gela die Räume zu - und lauerte. György Miriuta schickte in der 29. Minute das erste Warnsignal, Tiago Almeida legte wenig später nach. Dann kam die 43. Minute: Ein schneller Ballgewinn im Mittelfeld, ein Pass von Vitorino Postiga in die Tiefe, Almeida startete durch, schlenzte den Ball mit rechts - und plötzlich war es still im Stadion. 0:1. Das einzige Tor des Abends. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner geschrien hat, ich soll passen", sagte Almeida später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen frech und charmant lag. Sein Trainer Michael Müller hingegen wirkte fast philosophisch: "Manchmal reicht ein einziger Moment, um 90 Minuten zu erklären. Heute war das dieser Schuss." In der zweiten Halbzeit drückte Genua, aber ohne Ideen. Edoardo Cerzeto versuchte es gleich dreimal, William Reid scheiterte per Kopf, und der junge Alfie Longfellow schoss aus 20 Metern knapp vorbei. 8 Torschüsse insgesamt - das sagt alles über den Abend. Gela hingegen blieb gefährlich: Almeida, Tarrega, Deco - sie alle zwangen Genuas Keeper Davide Mangone zu Glanzparaden. Ab der 70. Minute wurde es hektisch. Gelas Jozef Kona sah Gelb, weil er mehr Ball als Gegner traf - das Problem: der Gegner stand im Weg. Kurz darauf holte sich Timo Schlotterbeck auf der anderen Seite einen Karton ab, weil er offenbar testen wollte, wie stabil ein gegnerisches Schienbein ist. Trainer Danny Glover stand derweil mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als müsse er sich selbst davon abhalten, einzuwechseln. "Wir waren zu brav", meinte er hinterher. "Manchmal muss man dem Spiel auch mal in die Wade zwicken." Müller reagierte taktisch klüger: In der 65. Minute brachte er David Martin für den müden Marco Frechaut, später Bernardo Ochoa für Kona, und in der 85. Minute durfte Niels Wegener noch ein paar Minuten Gras riechen. Kleine Wechsel, große Wirkung - Gela blieb stabil. Statistisch gesehen war Genua die schönere Mannschaft. Mehr Ballbesitz, kürzere Pässe, weniger Fouls - und null Punkte. Gela hingegen verkörperte das, was man in der Kneipe "effizient" nennt: 14 Torschüsse, ein Tor, drei Punkte. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Almeida auf die Knie, während hinter ihm Müller in den Nachthimmel grinste. Auf der anderen Seite schlich Hanke vom Platz, und man konnte ihm die Frage förmlich ansehen: "Wie kann man so oft schießen und trotzdem verlieren?" Im Stadion applaudierten einige Fans trotzdem - aus Trotz, aus Liebe, aus Routine. Vielleicht auch, weil sie wussten, dass solche Spiele dazugehören. In der Mixed Zone fragte ein Reporter Almeida, ob das Tor Absicht gewesen sei. "Natürlich", lachte er, "aber wenn du’s anders schreiben willst, ist auch okay." So bleibt Gela der stille Sieger des Abends. Ein Team, das offensiv dachte, aber defensiv lebte, das ohne Pressing begann und mit vollem Einsatz endete. Und Doria Genua? Die dürfen weiter den Ball laufen lassen - vielleicht läuft er ja beim nächsten Mal auch ins Tor. "Wir haben nicht schlecht gespielt", sagte Glover zum Abschied und hob die Augenbrauen. "Nur zu wenig getroffen. Aber das ist ja kein Problem - wenn man Golf spielt." Ein launiger Kommentar, der den Abend perfekt zusammenfasste: viel Ball, wenig Ziel. Und irgendwo in Gela sitzt jetzt ein Stürmer namens Tiago Almeida, der weiß, wie man aus einem einzigen Schuss Geschichte schreibt. 12.02.644003 00:40 |
Sprücheklopfer
Die Karten sind neu gewürfelt.
Oliver Kahn