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Wenn ein Spiel nach einer halben Stunde eigentlich entschieden ist, bleibt dem Reporter nur noch, sich Notizen über das Wetter, den Rasen oder die Gesichtsfarbe des unterlegenen Trainers zu machen. Beim 4:1 (4:1) des FC Southampton gegen die Hull Tigers am 11. Spieltag der 1. Liga England war das nicht anders - nur dass in diesem Fall der Rasen so makellos war wie das Angriffsspiel der "Saints". Vor 43.853 begeisterten Zuschauern im St. Mary’s Stadium legte Southampton einen Start hin, der eher an ein Torfestival im Trainingslager erinnerte als an ein Ligaspiel. Schon in der 1. Minute stand es 1:0: Manuel Tiago, der bullige Mittelstürmer mit der eleganten Ballbehandlung eines Tänzers, versenkte den Ball nach Vorlage von William Corey eiskalt. "Ich wollte einfach zeigen, dass man gleich zu Beginn wach sein kann - auch als Mittelstürmer", grinste Tiago später, während er sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte. Kaum hatten die Gäste aus Hull den Ball wieder über die Mittellinie gebracht, klingelte es erneut - in der 4. Minute traf Owen Hartshorn nach feinem Zuspiel von Nicolaas Derrick. Trainer Michael Böning, sonst kein Mann großer Gesten, ballte an der Seitenlinie die Faust. "Wir wollten mutig beginnen. Dass es so gut klappt, war dann fast unheimlich", meinte er nach dem Spiel und lachte. Die Tigers wirkten in dieser Phase weniger wie Raubkatzen und mehr wie verschreckte Stubentiger. Ihre Taktik - laut Daten "balanced", also ausgewogen - war zu diesem Zeitpunkt eher ein Synonym für ratlos. Southampton dagegen spielte mit 58,5 Prozent Ballbesitz, 25 Torschüssen und einem Pressing, das Hull in Panik versetzte. Besonders auffällig: Tiago. In der 12. Minute legte er nach, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Matthew Finnan. Und als er in der 32. Minute sein drittes Tor erzielte, durfte er sich schon vor der Pause den Matchball gedanklich einpacken. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen", witzelte der Portugiese später. "Aber meine Frau hat mir geschrieben: ’Mach noch eins, dann darfst du den Ball mitnehmen.’" Hull kam in der 33. Minute immerhin zu einem kleinen Trost: Lewis Payne traf nach Zuspiel von Theo Patton zum 4:1. Ein sehenswerter Treffer, der allerdings eher wie ein höflicher Gruß an die Statistik wirkte. Danach war von den Tigers offensiv wenig zu sehen - insgesamt nur drei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten. In der zweiten Halbzeit geschah das, was Sportreporter gerne als "Verwaltung des Ergebnisses" bezeichnen. Southampton nahm das Tempo raus, blieb aber klar überlegen. Trainer Böning nutzte die komfortable Führung für Experimente: Jungspund Billy Benett kam für den starken Hartshorn, Alfie Nicksay durfte als 17-jähriger Rechtsverteidiger sein Debüt geben. "Ich hab’ ihm gesagt: Wenn du nervös bist, lauf einfach viel - das sieht immer gut aus", verriet Böning augenzwinkernd. Hull-Coach Mathias Oergel dagegen stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und seufzte. Nach der Verletzung von Max Lujan (58. Minute) musste er improvisieren und brachte eine ganze Reihe junger Spieler, darunter die Teenager Brandon Crichton und Kian Darabont. "Wir sind jung, wir sind lernfähig - heute haben wir vor allem gelernt, was passiert, wenn man Manuel Tiago Platz lässt", sagte Oergel später sarkastisch. Einziger Farbtupfer im zweiten Durchgang: eine Gelbe Karte für Hulls 17-jährigen Innenverteidiger Billy Bail (82.), der sich wohl dachte, dass ein Erinnerungsfoto mit Tiago zu riskant wäre und lieber das Trikot ein wenig festhielt. Schiedsrichterin Clara Dent sah das weniger humorvoll. Statistisch war das Spiel eine Lehrstunde in Effizienz - zumindest aus Sicht der Gastgeber. 25 Torschüsse zu 3, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 58 Prozent Ballbesitz. Hull schaffte es kaum, das Pressing der Saints zu umspielen. Southampton dagegen kombinierte sich mit kurzen Pässen und enormer Offensivlust durch die Reihen der Gäste. Nach Abpfiff wurde Tiago zum Mann des Abends gekürt, und das Publikum feierte ihn mit Sprechchören. "Ich hätte gern noch ein viertes gemacht, aber ich wollte den Jungs auch mal den Ball lassen", grinste der Dreifachtorschütze verschmitzt. Trainer Böning fasste es trocken zusammen: "Wenn wir so weitermachen, muss ich mir bald Sorgen machen, dass die Jungs mich zu nett finden." Ein Satz, der wohl zeigt, wie gelöst die Stimmung in Southampton derzeit ist. Für Hull hingegen dürfte die Rückfahrt lang geworden sein - mit viel Nachdenken über Defensive, Aggressivität (Wert: "weak") und die Frage, ob "balanced" wirklich immer die richtige Antwort ist. Und während die Sonne über dem Hafen von Southampton langsam unterging, blieb das Gefühl: Hier wächst etwas zusammen - und zwar nicht nur ein Team, sondern ein echter Spaß am Fußball, der selbst Statistikfreunde lächeln lässt. 07.03.643994 07:08 |
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Wir sollten nicht alles ins Korn schmeißen.
Franz Beckenbauer