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Ein lauer Maiabend, 35.095 Zuschauer im Hull-Stadion, und ein Spiel, das zunächst so zäh begann wie ein englischer Nachmittagstee ohne Zucker. Doch am Ende jubelten die Hull Tigers über einen verdienten 2:0-Erfolg gegen harmlose Nottingham Foresters - und Trainer Mathias Oergel durfte zufrieden in die Mikrofone lächeln. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit warm gespielt und in der zweiten dann Fußball gespielt", grinste Oergel nach dem Abpfiff. Treffender kann man den Verlauf wohl kaum beschreiben. Denn die ersten 45 Minuten waren ein einziger Belagerungszustand ohne Vollstreckung: 61 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse - aber kein Tor. Nottingham verteidigte wie ein verzweifelter Förster, der mit bloßen Händen einen Tiger auf Abstand halten will. Bereits in der 5. Minute hatte Mikhail Afanassenkow, der junge Mittelstürmer aus Russland, die erste Duftmarke gesetzt - sein Schuss strich knapp über die Latte. Max Lujan (19., 42.) und Isaac Crichton (26., 61.) versuchten es ebenfalls, doch Nottinghams 17-jähriger Keeper Luke Cochran parierte mit erstaunlicher Nervenstärke. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die auf mich geschossen haben", sagte der Nachwuchstorwart nach dem Spiel. "Aber wenigstens hab ich was zu tun gehabt." Die Gäste aus Nottingham hingegen - nun ja, ihr Torschusskonto blieb so leer wie die Teetasse nach der Pause: ganze null Abschlüsse. Trainer Leon Löwe erklärte das später mit ernster Miene: "Unser Plan war, erstmal kein Tor zu kassieren. Das hat ja immerhin eine Halbzeit funktioniert." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild - oder besser: das Ergebnis. Hull kam mit jugendlichem Elan zurück aufs Feld, und in Minute 57 war es dann so weit. Wieder Afanassenkow, diesmal eiskalt. Nach einem Gewühl im Strafraum nutzte er die halbe Sekunde Platz, zog ab - und endlich zappelte der Ball im Netz. 1:0. Der Jubel war so laut, dass selbst die Möwen über dem Humber River erschrocken aufflatterten. Keine zwei Minuten später folgte der zweite Streich: Der 18-jährige George Burton, bislang eher als laufstarker Mittelfeldmotor aufgefallen, traf nach mustergültiger Vorarbeit von Ewan Sterling zum 2:0 (59.). "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", sagte Burton lachend. "Ewan hat so laut geschrien, da wusste ich’s dann." Von Nottingham kam danach - nichts. Kein Aufbäumen, kein Risiko, kein Schuss. Die Foresters wirkten, als wollten sie einfach nur den Bus nach Hause erwischen. Löwe reagierte mit drei Wechseln (70.-72.), brachte unter anderem den 17-jährigen Charlie Marley. Doch auch der konnte am leidenschaftslosen Spiel nichts ändern. Immerhin: Die jungen Verteidiger Grenier und Armstrong sammelten fleißig Gelbe Karten (33., 52.), was wenigstens Einsatzbereitschaft andeutete. Hull dagegen spielte weiter munter nach vorn. Afanassenkow prüfte den Torwart noch mehrfach (74., 80.), Ewan Caviness scheiterte in der 90. Minute. Aber da war die Sache längst entschieden. Oergels Mannschaft beendete das Spiel mit 18 Torschüssen, 60 Prozent Zweikampfquote und der Gewissheit, dass man an diesem Abend fast alles richtig gemacht hatte - abgesehen vielleicht von der Chancenverwertung in Halbzeit eins. In der Mixed Zone herrschte danach ausgelassene Stimmung. Trainer Oergel fasste es mit typisch nordenglischem Humor zusammen: "Ich bin froh, dass wir kein Rugby spielen - sonst hätten wir 18 Punkte liegen lassen." Sein Gegenüber Leon Löwe hingegen wirkte angeschlagen: "Wir hatten keinen Zugriff. Wenn du keinen Ball hast, kannst du kein Spiel gewinnen. So einfach ist das." Und so endete ein Abend, der für Hull den Anschluss an die obere Tabellenhälfte bedeutet, für Nottingham aber die Erkenntnis brachte, dass man mit 0 Schüssen aufs Tor auch in der 2. Liga keine Punkte holt. Als die Flutlichter erloschen und die Fans singend den Heimweg antraten, sah man George Burton noch auf dem Rasen mit Ball in der Hand - offenbar suchte er nach einem Souvenir. "Erster Profitreffer", rief er in Richtung der Journalisten. "Den Ball geb ich nicht mehr her!" Vielleicht das schönste Sinnbild dieses Spiels: jung, mutig, ungestüm - und endlich erfolgreich. Die Tigers haben gebissen. Die Foresters dagegen? Die müssen wohl erstmal neues Holz suchen, um ihr Offensivfeuer wieder zu entfachen. 08.07.644000 02:30 |
Sprücheklopfer
Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.
Jürgen Klinsmann